Montag, 30. März 2009

The Lobo Paramilitary Christmas Special (2002)




Was ist der verfräggteste Comic auf amerikanischem Boden? Natürlich Lobo, der Präsi. Viele halten so einen brutalen und wahnsinnigen Lesestoff ja für unverfilmbar. Scott Leberecht hat sie mit diesem Kurzfilm eines Besseren belehrt. Der vierzehn minütige Spass ist nach der Lobo-Kurzgeschichte „Paramilitärische Weihnachten“ gedreht. Die Story ist genau so simpel wie verrückt: Lobo, der interstellare Kopfgeldjäger wird vom Osterhasen angeheuert, um den Weihnachtsmann umzubringen, da die Weihnachtsfeiertage bei den Menschen beliebter sind als die Ostertage.

Erst einmal ein paar Worte zum Hauptcharakter: Lobo wurde im Jahre 1983 von Roger Slifer und Keith Griffen als Gegner der Omega Men (einem Superheldenteam aus dem Hause DC) erschaffen. Seine Präsenz beschränkte sich allerdings nur auf 7 von 38 Ausgaben (in #03 war der erste und in # 37 der letzte Auftritt). Mit dem Ende der Serie wurde auch der Charakter Lobo auf Eis gelegt, bis er schließlich in den neunziger Jahren generalüberholt wieder “zurückkehrte“. Zuerst beschränkte man sich auf einige Gastauftritte, gefolgt von mehreren Kurzgeschichten (unter anderem auch das „Paramilitary Christmas Special“ und „Lobocop“, eine Adaption von „Robocop“) und schließlich gelangte er zu seiner eigenen Serie, die immerhin 64 Ausgaben erreichte. Der Lobo-charakter der Neunziger sollte eigentlich das genaue Gegenteil der ganzen “sauberen“ Superhelden sein, die zu jener Zeit den Comicmarkt absolut beherrschten, vor allem sollte er aber eine Parodie auf Wolverine sein, einen der Anti-Helden des rivalisierenden Comicverlages Marvel. Sein übertrieben muskulöses Aussehen verdankt Lobo der Tatsache, dass die „Erdenhelden“ in Comics immer zu überzogen muskulös gezeichnet wurden. Seine Klamotten (Der „Bite Me Fanboy“ Spruch auf Lobos Rücken ist schon Kult) sind eine Hommage an den Stil der Hells Angels. Aber nun zurück zu den Comics: Die Comics zeichnen sich immer durch übertriebene Gewaltdarstellungen und zum Teil eigens kreierte Schimpfworte aus. Die Schimpfworte wie zum Beispiel der Ausdruck „FRÄGG“ wurde verwendet, um keine Fluchzeichen wie man sie aus anderen Comics kennt zu verwenden, man wollte aber gleichzeitig einen derberen Humor anschlagen und auch gleichzeitig der Zensur entgehen. Die verschiedenen Darstellungen von Gewalt ist natürlich der Hauptaspekt der Comics. Denn da Lobo unsterblich ist (er ist ein Wesen von solcher Bosheit, dass weder Gott noch der Teufel ihn um sich haben wollen) ist der Ausgang von Kämpfen, in die Lobo regelmäßig verstrickt wird, von vornherein schon mal klar. Zudem werden die Comics auch von einer Anti-Moral getragen, so ließt Lobo beispielsweise in einer Geschichte ein Buch(!) mit dem glorreichen Titel „Kurze und treffliche Geschichten über den Tod“.

So, kommen wir nun zum Film selber…

Der Lobo-Kurzfilm „Paramilitary Christmas Special“ wurde von Scott Leberecht 2002 im Rahmen des „Directors’ Studies Program“ des AFI (American Film Institute) realisiert. Scott Leberecht hat bis auf das „Paramilitary Christmas Special“ nur noch zwei weitere Filme gedreht, zum einen den Science Fiction Film „Natural Selection“ aus dem Jahr 2003 und zum anderen komödiantischen Kurzfilm „Underdog“ aus dem selben Jahr, der in der Ringerszene amerikanischer Highschools spielt. Mit diesen beiden Filmen hat er auch vier Preise auf diversen Film Festivals eingeheimst. Vor seinem Regiedebüt hat er aber schon an den visuell Effekts von Filmen wie zum Beispiel „Eraser“; „Spawn“ und „Sleepy Hollow“ mitgearbeitet.

Lobo himself wird verkörpert von Andrew Bryniarski, der zum Zeitpunkt des Drehs schon einige Rollen auf dem Buckel hatte. Man kennt ihn aus Filmen wie „Hudson Hawk“; „Higher Learning – Die Rebellen“; „Scooby Doo“ oder „Street Fighter“, wo er die Rolle des Zangief mimt. Nicht zu vergessen wären da auch noch seine Auftritte als Leatherface in „Machael Bays Texas Chainsaw Massacre“ und „Texas Chainsaw Massacre: The Beginning“.Der ohnehin schon muskelbepackte Körper von Andrew Bryniarski wurde durch Schmink- und Kostümeffekte gewollt etwas übertrieben dargestellt, da Lobo ja eine Persiflage an die “übermenschlich muskulösen Helden“ sein soll. Tom Gibis verkörpert den Osterhasen, seinen Gegenspieler/Auftraggeber. Tom Gibis leiht seine Stimme übrigens an Shikamaru Nara, einem der vielen Nebencharakter aus der „Naruto“ Anime Serie.

Der Lobofilm hat im entdefekt nur 2400 US Dollar gekostet, was man ihm aber keinesfalls ansieht. Eine kurze Zwischensequenz, in der man Santa Claus’ Werkstat am Nordpol sieht, ist in Zeichentrick dargestellt. Ansonsten ist dies ein realer Spass, der jeden Fan garantiert vom Hocker reißt (besonders wenn man nochmals das Budget anspricht). Der Film ist im nachhinein nicht so blutig geworden, wie es die Comics immer vorgemacht haben, aber die 14 bestehenden Minuten geizen nicht mit allerlei Skurrilitäten. So kommt Lobo Anfangs in die Bar und pöbelt auf seinem Weg zum Tresen schon jeden an, der ihm im Weg steht. Oder er „zermatscht“ ein kleines, niedliches, weißes Kaninchen, während er sich mit dem Osterhasen unterhält. Zudem ist der Film auch vollgestopft mit der in den Comics abgehandelten Antimoral. So werden weder der Osterhase, noch der Weihnachtsmann als gute und nette Typen dargestellt, sondern eher als profitgierige und sadistische Schweine. Lobo ist der einzige Charakter, der dem Zuschauer direkt sympathisch ist. Achtung! Spoiler-Warnung! So bringt er am Ende des Films sowohl den Weihnachtsmann, als auch den Osterhasen um, begleitet von der Feststellung, dass Lobo die Feiertage sowieso schon immer gehasst hat.

Erwähnenswert wäre da noch, dass Robert Moss, einer der Security-Elfen (die Lobo auch schnell über den Jordan schickt), in der deutschen Filmperle „Otto – Der Außerfriesische“ einen sehr kurzen Auftritt hatte.

Fazit: Für Fans auf jeden Fall ein absolutes Muss. Für alle anderen ein netter viertelstündiger Zeitvertreib. Und für 2400 Dollar ist der Film wirklich gelungen. Insgesamt 8 Punkte! Merkt man eigentlich, dass mir das Comic als Kind sehr gefallen hat?

Und hier ist der Film für alle, die ihn noch nicht gesehen haben...

Sonntag, 29. März 2009

Samstag, 28. März 2009

Animierte Kurzfilme: The Fly (1980)



Sehenswerter Kurzfilm aus Ungarn, Kurzkommentar im unteren Post. Außerdem erster Vertreter einer neuen Blog-Kategorie. Viel Spaß!

Freitag, 27. März 2009

Filmtagebuch: Animations-Kurzfilme



Special Delivery (Kanada, 1978) Oscar-prämiert
Schwer makaberer Humor, präsentiert von einem sarkastischen, trockenen Voice Over. Fintenreich entwickelt sich der skurrile Plot völlig gegen den Strich gebürstet und vermag es, selbst abgebrühten Zuschauern einige erstaunliche Wendungen und Ideen aufzutischen. Dabei ist die Selbstverständlichkeit, mit der der Film seinen abgründigen Humor funktionieren lässt, ebenso unbequem wie erheiternd. Bis zum Schluss bleibt der 7-minütige Film unberechenbar, die betont einfachen, sparsam animierten und kindlich-harmonischen Zeichnungen kontrastieren den tiefschwarzen Inhalt sehr effektvoll...(8,5/10)

Every Child (Kanada/Frankreich, 1979) Oscar-prämiert
Sowohl technisch als auch erzählerisch sehr einfach gestrickt, humoristisch eher zahnlos und in seiner Verbindung zwischen Real- und Zeichentrickfilm recht dröger Kurzfilm, der aber über eine elegante atmosphärische Gestaltung Pluspunkte sammeln kann und letztlich auch seine zuckersüße Stimmung transportieren kann. Aufgrund der holprigen Machart und der wenig einprägsamen, trivialen Geschichte unterm Strich aber nur Durchschnitt...(05/10)

The Fly (Ungarn, 1980) Oscar-prämiert
Exakt durchkomponiertes, perfekt animiertes kleines Meisterwerk aus Ungarn. Sogar zu einer Hommage bei den Simpsons hat es dieser atmosphärisch einzigartige, beklemmende und verstörende 3-minütige Kurzfilm gebracht. Die gesamte Zeit folgt die Kamera der subjektiven Sicht einer Fliege, die neugierig umher fliegt und die es in ein Haus verschlägt, wo sie schließlich ihren gewaltsamen Tod findet. Die stark verfremdete „Fliegensicht“ auf die vertrauten Dinge zieht augenblicklich in ihren Bann und wird von der summenden Soundkulisse entsprechend verfeinert. Suggestiv, vieldeutig und nach einmaliger Sichtung garantiert auf ewig ins Hirn gebrannt... (09/10)

Tango (Polen, 1981) Oscar-prämiert
Intensive filmische Collage aus über die Funktionalität animierter Bilder wie über die Isolation des (postmodernen) Menschen. Überlegt konstruiert der Film eine schon bald hypnotisch anmutende Bildfolge, in deren Verlauf sich weder Kameraeinstellung noch musikalische Untermalung oder die Kulisse ändert. In faszinierender Gleichmäßigkeit füllt sich der Raum bis hin zur totalen Unübersichtlichkeit – ein Ereignis läuft neben dem anderen her, ohne das eine gegenseitige Wirkung sichtbar wird. Fraglos ein tiefsinniges gedankliches Konstrukt, das im strengen visuellen Konzept eine gewisse Ordnung findet und trotz aller Komplexität somit begreifbar wird...(8,5/10)

The Great Cognito (USA, 1982) Oscar-nominiert
Lauter, mit großer Kreativität und enormem Aufwand produzierter Kurzfilm, der sich durch einen burlesken Ton auszeichnet mit grandiosem Voice Acting glänzt. Neben dem witzigen aber überreizendem Wortschwall verlangt die kompliziert eingesetzte Claymation-Technik große Aufmerksamkeit um entsprechend gewürdigt zu werden. Trotz der formal exzellenten Machart kommt der anti-narrative Film anstrengend und leicht überladen daher, gefällt aber zumindest oberflächlich...(6,5/10)

Sundae in New York (USA, 1983) Oscar-prämiert
Charmantes Mini-Musical, das im Claymation-Look dem Zauber des alten Hollywood nachweint, dies aber mit gediegenem Witz und einer liebevollen Verbeugung vor dem Big Apple. Dennoch einer der schwächeren hier besprochenen Animationskurzfilme, wenn auch sehr gestenreich und überhaupt etwas over-the-top inszeniert...(5,5/10)

Charade (Kanada, 1984) Oscar-prämiert
Vor absurdem Witz sprühender Cartoon um Method Acting, ignorante Jury-Mitglieder und fragwürdige Casting-Entscheidungen – eigentlich auch über die ganze Absurdität der Filmbranche an sich. Durch verspielten visuellen Ideenreichtum bekommt der Kurzfilm den gewissen cartoonesken Touch, der dem Gros vergleichbarer Produktionen fehlt. In seiner spöttischen Unbekümmertheit ein sympathischer und außerordentlich witziger Film...(7,5/10)

Anna & Bella (Niederlande, 1984) Oscar-prämiert
Sentimental aber nie verklärend, sehr süß ohne Zahnschmerzen zu verursachen, ergreifend animiert doch niemals billig verkitscht. Die einfalls- und detailreich bebilderten gemeinsamen Erinnerungen zweier inzwischen greiser Schwestern sind zwar anrührend erzählt und profitieren von einem ganz eigenen, verschrobenem Charme – THE BIG SNIT ist aber der bessere Film und hat vielleicht wegen seiner gewagten Thematik gegen diesen doch sehr harmlosen, schrullig-schönen Film den Kürzeren gezogen...(07/10)

Een Griekse Tragedie (Belgien, 1985) Oscar-prämiert
Einziger enttäuschender Kurzfilm der Kompilation THE WORLDS GREATEST ANIMATION, der zwar in schöne handgefertigte Zeichnungen gekleidet ist, im Gegensatz zu den anderen Vertretern der Zusammenstellung aber so gar nichts zu vermitteln weiss. Die heitere Grundstimmung nutzt sich genau wie der immer wieder variierte Gag schnell ab und hinterlässt nicht viel beim Zuschauer. Leider sehr nichtssagend, vielleicht ist aber auch einfach der Funke nicht über gesprungen. Selbst der sehr simple LUXO Jr. hat mir da besser gefallen aber Pixar hat ja genug Oscars nachgeholt...(04/10)

The Big Snit (Kanada, 1985) Oscar-nominiert
Noch vor dem legendären Zeichentrick-Downer WENN DER WIND WEHT thematisiert Regisseur Richard Condie hier die Angst vor einem nuklearen Holocaust. Ungemein clever inszeniert er einen überhöhten, hysterischen privaten Streit vor dem Hintergrund der Eskalation des Kalten Krieges. Was als hintersinnige Karikatur auf die Kalter-Krieg-Paranoia beginnt, kulminiert schließlich in einem existentialistisch angehauchtem Traumbild, das in seiner Aufrichtigkeit wahrhaft zu erschüttern weiß, ohne jemals aufdringlich den Zeigefinger zu schwingen. Gerade der ruppige und bewusst irritierende Stilbruch zeichnet diesen zutiefst humanistischen und ehrlichen Film aus, der noch lange nach dem Abspann nachwirkt...(7,5/10)

Crac (Kanada, 1987) Oscar-prämiert
Komplexes, folkloristisches filmisches Gedicht aus sinnlichen, sehr weichen Zeichnungen. Versehen mit einer wunderbar melancholischen Schlusspointe und einer formell sehr ausgereiften Filmsprache. Wunderschönes Kleinod, unterlegt mit feinfühliger Musik und getragen von einer beachtlichen gedanklichen Tiefe... (08/10)

Your Face (USA, 1987) Oscar-nominiert
Ein kleines Meisterwerk von Groening-Vorbild Bill Plympton, in dem er seinen Hang zum Surrealismus voll ausspielt. Ein Gesicht vor leerem Hintergrund, das ein bizarres Lied vorträgt, reicht Plympton als Spielwiese für exorbitanten mimischen Anarchismus. In ständig fortlaufender Bewegung verändern sich die Gesichtszüge auf unbeschreibliche Weise. Ein in seiner kunstvoll arrangierten Flüssigkeit bemerkenswerter Kurzfilm, dessen visueller Einfallsreichtum immer wieder zu verblüffen vermag...(09/10)

Technological Threat (USA, 1988) Oscar-nominiert
Sowohl in der Figurenzeichnung als auch in der Hochgeschwindigkeitsinszenierung eine Hommage an die Animationslegende Tex Avery, auf dessen scharfkantigen Stil auch die Hintergründe und Bewegungsabläufe bewusst hinweisen. Sowohl als Erinnerung an die klassischen Werte des Cartoons, deren viele Gesichter niemals ausgeschöpft sein werden, als auch als eigenständige, gesellschaftskritische Satire äußerst gelungen. Der anarchische Slapstick trifft in den besten Szenen genau in die gleiche Kerbe wie die ätzend-süffisant vorgetragene Kritik an der zunehmenden Wegrationalisierung des Menschen, leider gegen Ende ein wenig ausgefranst und zu wenig auf den Punkt gebracht...(07/10)

The Cat Came Back (Kanada, 1988) Oscar-nominiert
In der Tradition klassischer Chase-Cartoons gestalteter Kurzfilm, der nicht viel um politische Korrektheit und sauberen Witz gibt, stattdessen einen beschwingte Musikalität an den Tag legt. Viel mehr wird die aberwitzige Gewalttätigkeit des Genres heraus beschworen und in betont grobschlächtigen Zeichnungen zelebriert. Auf den Punkt gebrachte Figurenanimation und eine sich geschickt steigernde Gagfolge verdichten sich zu einem bösen Spaß für Erwachsene. Zudem ist der titelgebende Song, der sich als Leitmotiv durch den ganzen Film zieht, gefällig komponiert, eingängig und als akustische Klammer virtuos eingesetzt...(7,5/10)

Tin Toy (USA, 1989) Oscar-prämiert
Der erste Oscar für Pixar und zwar völlig unverdient – sowohl THE CAT CAME BACK als auch TECHNOLOGICAL THREAT sind sowohl handwerklich als auch inhaltlich TIN TOY weit überlegen. Schon die grässliche Darstellung des menschlichen Babys macht den Film hässlich, katastrophal gealtert ist er dazu und die Bewegungen sind noch zu steif um wirklich zu überzeugen. Trotz all seiner Fehler kann TIN TOY mit einigen netten Ideen und einer tieferen Bedeutungsebene hinsichtlich der destruktiven Beziehung des Kindes zu seinem Spielzeug, wobei letzteres als Protagonist auftritt. Viele Aspekte nehmen jene Ideen vorweg, die in TOY STORY schließlich künstlerisch adäquat umgesetzt wurden...(5,5/10)

Balance (Deutschland, 1989) Oscar-prämiert
Herausforderndes, kafkaeskes Stück filmischer Existenzphilosophie und als Beitrag zur bildenden Kunst ebenso wertvoll wie als unterhaltender Kurzfilm. Die etwas steifen Bewegungsabläufe und die damit etwas ungelenke und leblose Visualität sind unbedeutende, verschwindend geringe Kritikpunkte angesichts der hier dargebotenen universell gültigen Parabel den menschlichen Hang zu Materialismus, Egozentrik und die Sackgasse, in der die menschliche Natur das Individuum führen kann. In erbarmungslos gleichmäßiger Ruhe entwickelt sich ein Miniatur-Drama, das die reizvolle Grundidee konsequent auszuspielen vermag, ohne dabei intellektuell überladen zu wirken. Schon die Gleichgültigkeit, in der die Figuren mimisch verharren und ihre zögerlichen, unbestimmten Handlungen erzeugen eine nur schwer verdauliche atmosphärische Dichte. Zudem bietet der Film mannigfaltige Bedeutungsebenen und kann sowohl soziologisch als auch politisch interpretiert werden. Verdienter Oscar...(8,5/10)

Creature Comforts (Großbritannien, 1989) Oscar-prämiert
Der famose Einstieg für Nick Park in eine Traumkarriere und der erste von bisher vier Oscars. Ähnlich wie seine Kultfiguren Wallace und Gromit very british und im gleichen Verfahren entwickelt. Die Stop-Motion-Technik macht hier bereits einen sehr ausgereiften und versierten Eindruck, stimmige Bewegungen und exakte mimische Gestaltung erwecken die Knetfiguren überzeugend zum Leben. Der trockene Humor resultiert aus der Ernsthaftigkeit, in der die Tiere Englands ihre jeweiligen Lebensumstände kritisch kommentieren. Ohne eine eigentliche Geschichte zu erzählen, behält der Film konsequent seinen Stil bei und ist durchgehend als Mockumentary in Szene gesetzt. Sehr amüsant aber auch nachdenklich und von einer gewissen Traurigkeit bestimmt, kann Parks Erstling (der mehr als zehn Jahre später einen Ableger in Form einer TV-Serie nach sich zog) heute noch überzeugen, auch wenn die intelligente Grundidee noch mehr hergegeben hätte...(07/10)

The Chubbchubbs! (USA, 2002) Oscar-prämiert
Der Film unterwandert das allgemein gepflegte Niedlichkeitsprinzip a la Disney, Pixar, DreamWorks und Co. Sehr geschickt, indem er sich der gleichen knuddeligen Ästhetik bedient, diese aber in einem unerwarteten Schlussgag ironisch aufbricht. Außerdem wird dem Zuschauer eine clevere Verbeugung vor dem originalen WAR OF THE WORLDS geboten, das wesentlich subtiler als gewohnt in die Handlung eingebettet wird, ohne aufdringlich heraus gestellt zu werden. Im übrigen bietet dieser erste Animationsfilm von Sony Pictures Imageworks eindrucksvolle Animationen auf hohem Niveau, durchgängig am Computer erstellt. Viel mehr als ein netter Gag ist der Film dann aber doch nicht...(07/10)

The Danish Poet (Norwegen/Kanada, 2006) Oscar-prämiert
In warmen Farben gehaltener, leise und geduldig erzählter Film, der eine traurig-romantische Stimmung kreiert, dem metaphysischen Aspekt der symbolträchtigen Story allerdings ein wenig zu viel Aufmerksamkeit widmet und daher ein auch religiös-verbrämt gelesen werden kann. Dennoch erstaunlich, wie der Film das Grafische hervor hebt und seine zweidimensionalen Bilder sehr streng stilisiert. Die großartige Liv Ullmann spricht einen sehr ausdrucksstarken und sensiblen Kommentar und übernimmt auch die wenigen gesprochenen Sätze aller Figuren. Was zunächst befremdlich wirken mag entwickelt seinen ganz eigenen, einnehmenden Charme und trägt maßgeblich zum Gelingen des Films bei, der mit seinen kindlichen, einfachen Animationen sowohl Sony als auch Disney und Pixar ausstechen konnte...(07/10)

Oktapodi (Frankreich, 2007) Oscar-nominiert
Nicht viel mehr als eine stilistische, verspielte Fingerübung – schon die Nominierung dieses französischen Filmchens scheint etwas überzogen, angesichts der mangelnden inhaltlichen Tiefe. Zwar können die (durchweg computergenerierten) Bilder überzeugen und durchaus neben der übergroßen Konkurrenz bestehen, die scharfen Pointen eines Pixar-Kurzfilms (in deren Tradition OKTAPODI eindeutig steht) bleiben aber weitestgehend aus. Die unkonzentrierte Dramaturgie findet keinen runden Abschluss, sodass selbst die tollen Farben und gelungenen Minenspiele der Figuren (in den etwas mehr als zwei Minuten wird auf Dialog verzichtet) nicht über den fehlenden Feinschliff hinweg täuschen können. Für die Academy ein überraschend oberflächlicher Beitrag, dessen gelungene Tricktechnik dennoch eine ansehnliche Visitenkarte für die Macher darstellt...(5,5/10)

TV-Tipps für Samstag von Lance

12:35 Teen Wolf (RTL II)
Der Schüler Scott (Michael J. Fox) wird von einem Werwolf gebissen und verwandelt sich nun auch in einen. Komischerweise ist er aber von nun an der Star im Basketballteam seiner High-School. Und mit den Mädels klappt es plötzlich auch. Netter Horrorklamauk aus den 80ern.

13:05 Der Volltreffer (Tele 5)
"Harry und Sally"-Schöpfer Rob Reiner erzählt hier eine romantisch-witzige Geschichte über zwei Studenten (Daphne Zuniga und John Cusack) die nur auf Umwegen zueinander finden. Für alle, die gerade eine Beziehung hinter sich haben ist der Film nix. Für den Rest der Welt aber schon eine Empfehlung wert.

15:50 Der Gangsterschreck (Das Vierte)
Nostalgische Komödie um einen Juwelenraub mit anschließender Verwechslungsgeschichte. Netter alter Spaß mit Jerry Lewis und Dean Martin.

20:15 Tiger & Dragon (Pro 7)
Da ist ja schon wieder ein Ang Lee in den TV-Tipps!?! Diesmal mit seinem äusserst ruhigen Film über wahres Heldentum, Intrigen, Liebe und ein gestohlenes Schwert. Ässerst Elegant sind die , bis ins kleinste Detail durchchoreographierten, Martial-Arts Szenen anzusehen.

20:15 Mein Partner mit der kalten Schnauze (RTL II)
Dooley ist Ermittler beim Rauschgiftdezernat und arbeitet am liebsten allein. Nachdem er ein weiteres Mal Mist gebaut hat, wird ihm der Schäferhund Jerry-Lee zur Seite gestellt. Den beiden gefällt die Partnerarbeit zuerst gar nicht, doch mit der Zeit freunden sich die beiden an und arbeiten sogar effektiv. So effektiv sogar, dass sie zusammen einen ganzen Drogenschieberring auffliegen lassen können. Amüsanter Familienfilm mit James Belushi und einem aüsserst schauspielbegabten Schäferhund.

20:15 Flucht ins 23. Jahrhundert ( Tele 5)
Logan (Michael York) ist ein "Sandmannn" in einer unterirdischen Zukunfststadt. Sandmänner jagen "Läufer". Läufer flüchten vor der "Erneuerung", die sie an ihrem 30sten Geburtstag erwartet. Als Logan hinter die Wahrheit dieses Zykluses kommt, wird er selbst zum Läufer und wendet sich gegen das Regime. Sozialkritische Dystopie mit Oscar-gekrönten Effekten.

20:15 Comedian Harmonists (Das Vierte)
Sie hatten ihre erfolgreiche Zeit von 1927 bis 1934: Die Vokalistentruppe "Comedian Harmonists". Ganz nette deutsche Musikbiographie mit Ulrich Noethen, Heino Ferch und Ben Becker. Nicht nur empfehlenswert, wenn man persönliche Geschichten im historischen Kontext mag.

22:10 Coma (ARD)
Ins künstliche Koma versetzte Patienten einer Klinik dienen der Organmafia als lebende "Lager" ihrer Ware. Boss des Rings scheint der Klinikchef selbst zu sein. Zwei Ärzte, u. A. Michael Douglas, stellen Nachforschungen an. Der Roman von Robin Cook wurde von seinem Kollegen Michael Crichton verfilmt. Sehr Spannend.

22:20 Tremors (RTL II)
Im Wüstennest Perfection treiben riesengroße, fleischfressende Würmer ihr Unwesen. Fred Ward, Kevin Bacon und Michael Gross versuchen sie mit aller Waffengewalt auszumerzen. Grandiose Hommage an alte B-Movie Trashfilme, die sogar mit drei Fortsetzungen gekrönt war. Von den Raketenwürmern kann man halt einfach nicht genug bekommen.

23:00 Die Stunde der Komödianten (MDR)
Im Haiti der 60er Jahre droht ein Bürgerkrieg auszubrechen. Dem Hotelier Richard Burton ist das egal, denn er hat eine Affäre mit der Frau (Elizabeth Hurley) des Botschafters (Peter Ustinov). Als die Lage zu eskalieren droht, ist ein großes Reinemachen angesagt. Spannender Politthriller vor ungewohnter Kulisse nach einer Story von Graham Greene.

23:35 Switchback (ZDF)
Ziemlich packendes Katz-und-Maus Spiel mit Dennis Quaid, Danny Glover und Jared Leto. Inszeniert wurde der Reisser von "Stirb Langsam"-Autor Jeb Stuart. Ein raffinierter, kurzweiliger Thriller, der bis jetzt noch stark unterschätzt wird.

0:00 Schrei in der Stille (WDR)
Wir schreiben die 50er Jahre. Der Junge Cameron verfällt seiner Nachbarin, was seinen kleinen Bruder Seth ziemlich entsetzt. Denn für Seth ist die gemeinsame Nachbarin ein Vampir. Ein atmosphärisch-surrealer Thriller mit dem neuen Gesicht der Cronenbergfilme: Viggo Mortensen.

0:20 Warlock - Satans Sohn (Kabel 1)
Der erste Auftritt von Julian Sands als Zauberer Warlock! Dieser soll im Mittelalter hingerichtet werden, kann aber mit det Hilfe von Satan selbst ins Jahr 1989 fliehen. Die durch den Zauberer gealterte Kassandra versucht ihn aufzuhalten und dadurch ihre Jugend wiederzuerlangen. Sehr sehr amüsante und vor allem charmante Trash-Perle

01:30 Der Bulle von Paris (ZDF)
Ein knallharter Kommissar (Gérard Depardieu) lässt einen Drogenhändlerring auffliegen und verliebt sich in die Freundin eines seiner Opfer (Sophie Marceau). Die Fernsehzeitung meines vertrauens schreibt:"Ein unkonventioneller Noir-Krimi mit Tiefgang. Seinerzeit zu unrecht gefloppt."

Samstag, 21. März 2009

TV-Tipps 09.02. - 27.03.09



Samstag, 21.03.09

20:15 - The Time Machine (RTL II)

Bieder Neuverfilmung eines visionären, stilprägenden Romans. Die 50er-Verfilmung bleibt unerreicht, sowohl schauspielerisch als auch inszenatorisch ein gesichtsloser, wenig reizvoller Film, der gepflegte Langeweile verbreitet und sein gesellschaftskritisches Potential außer Acht lässt... (ca.3,5/10)

20:15 - Dick & Jane (Sat.1)

Konventionelle und harmlose Komödie - anschaubar, ohne aber echte Akzente setzen zu können. Bleibt kaum in Erinnerung... (4,5/10)

22:00 - The Ring (Pro 7)

Überflüssiges US-Remake, das alle Klischees bestätigt - Amis schauen nur ausländische Filme, wenn man sie exakt nachfilmt. Jede Neuerung gegenüber dem Original erweist sich als überflüssig und unmotiviert, auch wenn Verbinski einen visuell ausgeprägten Stil besitzt und Naomi Watts mitspielt... (02/10)

Sonntag, 22.03.09

13:40 - Der Bär (WDR)

Malerischer Tierfilm von Jean-Jaques Annaud, der einmal mehr atemberaubende Landschaftsaufnahmen mit leisem Erzählton zu verbinden versteht. Bewegend, unvergesslich... (09/10)

18:15 - Zwei wie Pech und Schwefel (Kabel Eins)

Eindeutig nicht der beste Film mit Spencer und Hill, doch mein persönlicher Liebling, was sich wohl ausschließlich nostalgisch begründen lässt. Der ultimative Klamauk-Prügelfilm, sympathischer gehts nicht... (07/10)

20:15 - Fluch der Karibik (Pro 7)

Der Film zur Themenpark-Attraktion, flach wie ein Brett und viel zu sehr in seine bombastischen Bilder verliebt. Typisches Bruckheimer-Kino, das von Gore Verbinski und Johnny Depp einen minimal individuellen Touch erhält. Wer hier von Johnny Depp beeindruck ist und von großer Schauspielerei redet, hat noch viel, sehr viel nachzuholen... (4,5/10)

20:15 - Dieter-Der Film (RTL)

Satrische Nachzeichnung der Ausnahmekarriere des Dieter Bohlen. Schön animiert und typisch deutsch, sympathisisert der Film viel zu sehr mit seiner Hauptfigur... (04/10)

23:10 - Irgendwann in Mexiko (Pro 7)

Gnadenlos aus dem Ruder gelaufener Abschluss der Mexiko-Trilogie von Robert Rodriguez, der hier ein unwahrscheinliches Star-Aufgebot verschwendet und sich erzählerisch wie nie zuvor verheddert. Misslungen, da hilft auch keine noch so krude Gewalteskalation... (03/10)

00:10 - Shocker (Tele 5)

Horror von Altmeister Wes Craven, der gar nicht so dumm ist, wie es zunächst den Anschein macht. Unausgegorener kreativer Rückschritt, der aber schon interessant, unterhaltsam und mit sardonischem Humor versehen ist... (4,5/10)

01:10 - Fellinis Il Bidone (MDR)

Fazit meiner ofdb-Kritik, die zweifellos unwürdig für eine solch überwältigende Tragödie ist: Auch „Il Bidone“ ist ein frühes Meisterwerk Fellinis, vereint die heitere Leichtigkeit seiner Inszenierung mit einer zutiefst moralischen, ernsten Lebensbetrachtung, welche auf hervorragende Weise eingefangen wurde. Mit bitterer Ironie serviert uns der Film ein konsequentes Finale, welches mit der Wucht einer griechischen Tragödie auf den Zuschauer einstürzt und diesen zutiefst erschüttert zurücklässt. Unbdingt ansehen und/oder aufnehmen!! (09/10)


Dienstag, 24.03.09

20:15 - Outland (Tele 5)

Ist schon sehr lange her, mir aber als hochatmosphärisch und dezent gesellschaftskritisch in Erinnerung. Connery gefällt mir hier ziemlich gut, Peter Hyams inszeniert mit routinierter Hand. Muss aber nochmal geschaut werden...(ca.07/10)

23:25 - Die Faust im Nacken (BR)

Meisterwerk. (09/10)

03:30 - Dreist und Gottesfürchtig (RTL II)

Sicherlich nichts besonderes aber ein Film von und mit Marty Feldman und schon daher erwähnenswert, wird auch nicht alle Tage gesendet. Insgesamt ein wenig zu brav und etwas chaotisch inszeniert, lebt der Film von einigen sehr gelungenen Einzelsequenzen, die sich leider nicht in ein stimmiges Gesamtbild fügen wollen. (05/10)

Mittwoch, 25.03.09

20:15 - Gangs of New York (Kabel Eins)

Scorseses History of Violence mag überfrachtet und unausgewogen sein. Dennoch ein überwältigender Bilderrausch in der Tradition des alten Hollywood, der mit einem sagenhaften Ensemble gesegnet ist. Als historische Studie eventuell unzureichend, als ausladendes Ausstattungs-Epos allerdings eindrucksvoll.

20:15 - Im Auftrag des Drachen (Das Vierte)

Eastwood inszeniert vor allem die Schauwerte sehr gut, erzählt aber eine eher spannungslose und banale Geschichte. Technisch aber herausragend... (4,5/10)

22:25 - Wer mit dem Teufel reitet (3Sat)

Ungewöhnlicher Western von Ang Lee (ja, das ist der, der die Cowboys später schwul gemacht hat ;), sehr sorgfältig inszeniert und eindrucksvoll bebildert. Mit dem Widerstandkampf gegen die Yankees betrachtet der Film einen eher vernachlässigten Aspekt amerikanischer Geschichte. Dabei nimmt er die Perspektive seiner Protagonisten ernst, ohne verklärendes Heldentum anzubieten. Kraftvoll, aber auch zäh - ein Film, auf den man sich einlassen muss, um seine Qualitäten erkennen zu können... (7,5/10)



Donnerstag, 26.03.09

20:15 - Metro (Sat.1)

Immerhin mit Michael Rapaport besetztes Vehikel für Hauptdarsteller Eddie Murphy, in dem er einen halbherzigen Imagewechsel vollzieht. Ein klein wenig ernster und doch nur ein weiterer Aufguss des Beverly Hills Cop - nur für beinharte Anhänger der Quasselstrippe aber garniert mit einigen sehr guten Stunts... (04/10)

20:15 - Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (Vox)

Die Erschütterung, welche durch die erste Sichtung ausgelöst wurde, hält bei mir bis heute an. Eine groteske Gurke, kaum mit Worten beschreibbar: ob als Vergewaltigung der kontroversen, intelligenten Vorlage, als selten langweiliger Blockbuster mit mangelhafter Effektarbeit oder als letzter Film des oft überschätzten Sean Connery - in jeder Hinsicht unfassbar... (01/10)

22:15 - Cliffhanger (Vox)

Kann man sich zwar nicht im TV ansehen, ist aber immer noch einer der besten Actionfilme überhaupt. Ein denkwürdiger Stallone, der von starken Nebendarstellern hervorragend unterstützt wird, atemberaubende Außenaufnahmen und packende Spannungsdramaturgie. Immer wieder gut... (08/10)

03:00 - Ich glaub' ich steh' im Wald (RTL II)

Gefühlsechtes Jugendporträt, das sich nicht um eine stringente Erzählung bemüht sondern viel eher versucht, die Sorgen und Nöte seiner Figuren nachzuvollziehen, ohne aber die Highschool zu romantisieren. Tolle Darsteller und lebensnahe Dialoge veredeln den Film, der aber wie die meisten Werke von John Hughes bereits von einer hauchdünnen Staubschicht überzogen ist... (7,5/10)

Freitag, 27.03.09

20:15 - Voll verheiratet (RTL II)

Grauenhaft spießige und schlecht gespielte Romanze mit eindeutigem Blick auf ein naives Teenie-Zielpublikum, das die klebrige Romanze tatsächlich für glaubhaft erachtet. Geht überhaupt nicht, da hilft auch die süße Brittany Murphy herzlich wenig, die in solchen Filmen als Hauptdarstellerin nichts zu suchen hat... (02/10)

20:15 - Dragonheart (Vox)

Nette Effekte und charmante Darsteller garantieren harmlose Unterhaltung, die wahrscheinlich keinem ans Bein pisst. Trotz guter Ausstattung bleibt aber nicht viel zurück, außer vielleicht Connery in einer seiner besten Rollen... (05/10)

Donnerstag, 19. März 2009

My bloody Valentine 3D - Die Zweite



Ich kann mich gut an eine Zeit erinnern, in der Slasher-Movies für mich einen hohen Stellenwert hatten und regelmäßig auf dem filmischen Speiseplan standen. Bereits vor zehn Jahren hatte ich, im Alter von knapp 13, den größten Teil der hinlänglich bekannten Genre-Vertreter gesehen und wähnte mich daher als einen Horror-Experten. Filme wie „Halloween“, „Nightmare on Elm Street“ und „Freitag der 13.“ hatten wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung meines Filmgeschmacks, der sich aber schon zu dieser Zeit nicht einseitig zeigte. Der gewisse Kitzel, den ein versiert inszenierter Slasher bei mir verursachte, lässt sich nur schwer beschreiben, gehört aber dennoch zu den intensivsten meiner frühen Filmerfahrungen. In der Hoffnung, diesen irgendwie besonderen Filmgenuss wiederholen zu können, kamen auch die üblichen Verdächtigen auf den Tisch, darunter „Monster im Nachtexpress“, „Die Forke des Todes“ und eben „Blutiger Valentinstag“. Auch wenn diese kleineren Kultfilme neben ihren wegweisenden großen Brüdern nicht mehr den gleichen Eindruck machen konnten, der gewisse puristische Charme und der dazu gehörige VHS-Kult des unterschlagenen Films in den 90ern haben viele bleibende Erinnerungen hinterlassen. Da der Slasher an sich ein eher kindliches Genre ist, das sich meist an einfach gestrickten Mustern orientiert, stellt sich eine einfache Frage, deren Antwort wohl über den Eindruck bestimmt, den „My Bloody Valentine 3-D“ beim Zuschauer macht: Wie viel vom Slasher-begeisterten Teenager ist noch übrig?

Leider nicht mehr viel, in meinem Fall. Nach dem enttäuschend einfallslosen „Freitag der 13.“-Remake und nun „My Bloody Valentine 3-D“, muss ich leider feststellen, das ich wohl langsam aber sicher zu alt für den Scheiß bin. An den Gläsern der rosaroten Nostalgie-Brille machen einige Kratzer nicht viel aus, die alte Liebe zu den alten Schlitzerfilmen bleibt, und sei es nur wegen dem Kurzauftritt von David Copperfield in „Monster im Nachtexpress“. Die blitzblanken Neulinge treffen einfach nicht mehr jenen Nerv und müssen spätestens seit „Scream“ einfach auf einem ganz anderen Level bestehen. So gelingt auch „My Bloody Valentine“ nicht die angestrebte Vermengung klassischer Stilmittel mit moderner Ästhetik und obligatorischem Twist. Während der schlichte Handlungsablauf durchaus funktionell ist, verödet die aufgesetzte und unlogische Auflösung (die deutlich an „High Tension“ erinnert) das Vergnügen deutlich. Statt die eigene Trivialität hervor zu heben, gefällt sich der Film in seinem abstrus konstruierten Ablauf, der eine tiefere psychologische Ebene vortäuscht und sich dabei sichtbar clever vorkommt.

In erster Linie versteht sich „My Bloody Valentine 3-D“ aber als reiner Attraktionsfilm, der mit neu ausgereifter 3D-Technik (deren Einsatz momentan fast exponentiell zu steigen scheint) auftrumpft und mir die Zuversicht gab, mindestens einen vergnüglichen Kinoabend zu erleben. Tatsächlich machte die Umsetzung zunächst großen Spaß, schon weil nahezu jeder der zahlreichen Gewaltakte auf das 3D-Erlebnis abzielt und seine Schauwerte somit heraus stellt. Der gesamte Film definiert sich über seine Technik, was eine erneute Sichtung daheim eher unwahrscheinlich macht. Die zumeist klaren, sehr plastischen Effekte machen einen dementsprechend ausgearbeiteten Eindruck, da sei es dem Film auch verziehen, das er sich mitunter zu sehr in dieser Spielerei ergeht. Denn nichts anderes als eine, zugegeben gelungene, Spielerei ist diese 3D-Technik, den eigentlichen Film macht das nicht unbedingt besser. Anders als seine Genre-Vorfahren ertrinkt dieser im Blut, schlachtet jede noch so fadenscheinige Gelegenheit aus für saftige Metzeleien. Der spezielle Thrill, den die eigentlichen Kills bei der alten Garde stets krönten, ist hier praktisch nicht vorhanden, da an allen Ecken und Enden geschlachtet wird. Nur wenige Sequenzen, wie die Verfolgung durch den nächtlichen Supermarkt, können die ursprünglichen Qualitäten des Subgenres reanimieren – das restliche Bild wird bestimmt von heran fliegenden Kieferknochen, Spitzhacken und einer unübersehbaren Abnutzung des technischen Gimmicks.

Das Bestrafungsprinzip des Slasher-Genres findet auch hier seine Anwendung, indem der Zuschauer zum zynischen Sympathisanten des Mörders wird. So ist der Mann mit der Maske der Anti-Held, der das Publikum auf seiner Seite haben sollte – wenigstens das hat Regisseur Patrick Lussier verstanden zu haben. Als Stimmungsmacher kann „My Bloody Valentine“, der mit dem Original übrigens nur wenig gemein hat, durchaus überzeugen und wird nicht zuletzt aufgrund seiner ausladenden Brutalität Freunde finden. Der zunächst hohe Unterhaltungswert bekommt allerdings einen Dämpfer, wenn mit voran schreitender Laufzeit die manchmal arg vorhersehbaren Effekte ihren Reiz verlieren.

Im Kino selbst herrschte ausgelassene Stimmung, der Film kam an beim überwiegend 16-jährigen Publikum – da wurde gejohlt, geschrien, lauthals gelacht und jeder Mord abgefeiert. Was sich bei anderen Kinobesuchen fatal auswirken würde auf den Filmgenuss, unterstrich hier den Party-Charakter des Films, der genau so locker aufgenommen werden sollte. Ich war jedenfalls heilfroh meinen schon leicht überforderten Augen etwas Ruhe zu gönnen und war nach der Vorstellung dankbar, die Brille abnehmen zu können. Etwas konfus musste ich zwischen neuer Kinoerfahrung und Erinnerungen an meinen früheren Filmkonsum den gerade gesehenen Film einordnen, was mich leider zu einem enttäuschenden Ergebnis führt, der Funke zwischen mir und dem Slasherfilm scheint erloschen. Aber Hauptsache die Kids hatten Spaß...

04/10

My bloody Valentine 3D


Die kleine Stadt Harmony liegt in Pennsylvania und ist eine typische Bergbaugemeinschaft. So gut wie jeder ausgewachsene männliche Bewohner von Harmony arbeitet unter Tage. Eines Tages gibt es ein Minenunglück in Tunnel 5, bei dem es nur einen Überlebenden gibt: Harry Warden (Richard John Walters). Dieser liegt seit jenem Tag im Koma. Am Valentinstag einige Jahre später erwacht er aus seinem Koma und läuft aus ungeklärten Gründen Amok. Diese Tat wird später als das „Valentinstag Massaker“ bekannt. Harrys Markenzeichen sind mit Blut an die Wand gemalte und aus dem Körper entfernte Herzen, seine schwarzen Arbeitsklamotten aus der Mine, natürlich mit Sauerstoffmaske, Spitzhacke und seinem Helm mit Stirnlampe. Er bringt insgesamt 22 Menschen um, so auch einige Teens, die gerade in Tunnel 5 eine Party feiern. Mitten unter dem feiernden Volk sind auch Tom (Jensen Ackles), Sarah (Jaime King), Axel (Kerr Smith) und Irene (Betsy Rue), die dem Massaker nur knapp entkommen können. Nachdem die örtlichen Sheriffs Harry in die Mine getrieben haben verschwindet Tom aus der Stadt. Zehn Jahre nach dem „Valentinstag Massaker“ kehrt Tom in seine Heimatstadt zurück. Er ist mittlerweile der Besitzer der Mine und will sie nun verkaufen. Doch kaum ist Tom wieder in der Stadt, taucht Harry Warden wieder auf und das Morden beginnt von neuem. Oder ist es vielleicht doch nur ein Nachahmungstäter?


Die Story des Films ist genauso irrsinnig wie ihre Auflösung. Insofern versucht „My bloody Valentine 3D“ gar nicht erst, dem Zuschauer etwas seriöses vorzuheucheln. Das “Geheimnis“ Killers bleibt bis zum Schluss unverraten, ist jedoch, nachdem es einmal preisgegeben wurde, ziemlich enttäuschend, da der erste Verdacht auf die Identität des Killers leider bestätigt wird. !!!Spoiler!!!

Ich persönlich hätte den alten Harry Warden aus seinem Grab auferstehen lassen. Vor allem aber, da der Tod von Harry in der Mitte des Films grundlos eingeführt wurde. Dies hätte den Film zwar auch nicht zu einem Meisterwerk gemacht, wäre aber wenigstens den Slasher-Fans aus den alten Jason und Michael Myers Zeiten gegenüber etwas versöhnlicher.



Es ist schon eine unglaubwürdig konstruierte Story, die „My bloody Valentine 3D“ dem Zuschauer vorsetzt. Die Handlungsmotive der Figuren sind, bis auf ein paar Ausnahmen, überhaupt nicht nachvollziehbar und es wird in aller Slasher-Manier auf die tiefe Charakterzeichnung verzichtet. Der letzte Punkt ist aber auch irgendwie überflüssig gewesen, da viele Charaktere direkt massakriert werden, kurz nachdem sie eingeführt worden sind. Ich persönlich glaube allerdings, dass „My bloody Valentine 3D“ hauptsächlich zur Vorführung der Real D Technik dient und dadurch an anderen Stellen, wie zum Beispiel bei der Story, vernachlässigt wurde. Das es der erste R-Rated Film in der Real D Technik ist würde auch dafür sprechen.

Die Regie bei diesem konstruierten Unsinn hatte Patrick Lussier, der auch schon für so grauenhaft schlechte Filme wie „Wes Cravens Dracula“ Teil 1 bis 3 oder „White Noise 2“ verantwortlich ist. Für die 3 Dracula Teile hat er soger am Drehbuch mitgeschrieben.

Die Schauspielerische Leistung ist für diese Verhältnisse sogar ganz in Ordnung. Es ist aber auch nicht so, dass ihnen für „My bloody Valentine 3D“ allzu viel abverlangt worden wäre. Die meisten der Mimen haben auch regelmäßig Erfahrungen im Serienbereich machen können. So hat Jensen Ackles in „Smallville“ bereits für eine Staffel den Jason Teague gespielt, dessen zwielichtiger Charakter dem von Tom Hanniger schon sehr ähnlich ist. Sieht man sich die Vorerfahrungen der Darsteller mal an, dann könnte man sogar denken, dass sie absichtlich nur halbherzig gespielt haben, so wie zum Beispiel Kerr Smith. Freunde der sympatischen Teenieserie „Dawsons Creek“ wissen ja bereits, dass Kerr Smith überzeugend Emotionen vermitteln kann, was ihm hier jedoch überhaupt nicht gelingt. Aber nicht nur Jensen Ackles und Kerr Smith haben ihre Erfahrungen in Serien gemacht. Eifrige „Lost“ Zuschauer kennen Kevin Tighe, der hier den Ben Foley spielt, als den leiblichen Vater von John Locke und Betsy Rue hatte unter Anderem schon einige Gastauftritte in Serien wie etwa NCIS, CSI, True Blood, Immer wieder Jim, Ehe ist... und How I met your mother. Jaime King könnte man aus „Gary Unmarried“ wiedererkennen. Falls nicht, dann kann man sie wenigstens in „Sin City“ sehen, wo sie die Goldie bzw. Wendy verkörperte.


Die 3D Effekte des Films sind sehr gut geworden. So fliegen dem Zuschauer nicht selten Blut, Knochen und andere Gegenstände um die Ohren. In einer Einstellung steht sogar Kevin Tighe frontal vor der Kamera und zielt mit seiner Schrotflinte quer durch das Kino. Dies hat den Effekt, dass jeder Kinobesucher in die Gewehrmündung blicken kann. An solchen Szenen merkt man deutlich, was für einen Sprung die 3D Filmtechnik in den letzten Dekaden gemacht hat.



Fazit: „My bloody Valentine 3D“ scheut das Blutvergießen nicht. Auf dem ganzen Blut schlittere ich, zusätzlich geblendet von den atemberaubenden 3D-Effekten, die Punkteleiter hoch bis ich von der Story ganz unsanft bei 4 Punkten gestoppt werde. Noch wohlwollende 4 von 10 Punkten!




Dienstag, 17. März 2009

Die Killerhand (1999)


Bolan könnte ein ziemlich ruhiger, kleiner Ort im Westen der USA sein, wären da nicht die Morde, die sich seit kurzer Zeit dort ereignen. Den dort ansässigen Anton (Devon Sawa) interessiert dies allerdings wenig, denn er verbringt seine Zeit damit, mit seinen Freunden Mick (Seth Green) und Pnub (Elden Henson) Dope zu rauchen und vor dem Fernseher zu sitzen. Er weiss allerdings nicht, dass seine rechte Hand von einer bösen Macht besessen ist, die immer nur den faulsten Menschen der Stadt befällt. Nachdem die Hand Mick und Pnub ins Jenseits befördert hat, schneidet Anton sie sich ab. Doch nun ist die Hand frei und sinnt nach dem Blut von Antons Freundin Molly (Jessica Alba)… Was in etwa so klingt wie ein Film, der dem Troma-Label alle Ehre machen würde, ist in Wirklichkeit eine sehr unterhaltende Horrorkomödie. Die Story ist zwar nicht ganz ausgefeilt und der Film eckt hier und da logisch etwas an, aber im großen und ganzen liefert Rodman Flander eine recht solide Komödie ab, die den Zuschauer nicht nur unterhalten kann, sondern auch für Kenner und Liebhaber des Horrorfilmgenres einige Interessante Aspekte bereithält.

Da es sich bei den Hauptcharakteren um drogennehmende Fernsehjunkies handelt, ist es auch nicht verwunderlich, dass das Medium „Fernseher“ auch dazu genutzt wird, um einige Horrorklassiker zu ehren. So sieht man beispielsweise Szenen aus “Night of the living dead“ oder “Dawn of the dead“, die zwar die Handlung von “Idle Hands“ nicht wirklich vorantreiben, sie aber dennoch unterstreichen. Aufgrund der angedeuteten Zombiethematik von “Idle Hands“, die aber glücklicherweise nicht im Vordergrund steht, sind diese Ausschnitte nur allzu passend. Aber nicht nur Zombiefilme finden durch den Fernseher ihre Anerkennung in diesem Film. Auch alter Gruseltrash wie etwa “Glen or Glenda“ von Ed Wood wird kurz gezeigt oder das Logo der Horrorfilmsendung “Chiller Theatre“. Wenig verwunderlich ist allerdings, dass zwischendurch mal der ein oder andere Columbia Zeichentrickfilm läuft, wie zum Beispiel “Mr. Magoo“ oder “Robin Houssey“. Dies ist ins Besondere nicht verwunderlich, da auch “Idle Hands“ aus der grossen Produktionsfirma Columbia stammt. Zudem bekommt man einige, zum Teil auch recht seltene, Musikvideoclips zu sehen. Wie etwa das von MTV “gebannte“ "Pop That Coochie" von der 2 Live Crew, "I Am A Pig" von 2wo (einem Nebenprojekt von Rob Halford und John 5), sowie der Clip zu “Dragula“, welcher dem Multitalent Rob Zombie zu einem unfreiwilligen Gastauftritt in “Idle Hands“ verhilft.


Man merkt dem Film “Idle Hands“ an, dass sein Regisseur und Schöpfer Rodman Flender sehr stark aus dem Horrorfilmgenre inspiriert wurde. Nicht nur die Erwähnung von „Leatherface“ lässt darauf schließen. So beginnt der Film wie ein klassischer Horrorfilm und bietet dem Zuschauer auch dementsprechend klassische Schockeffekte, wie beispielsweise eine Katze, die, von einem unnatürlichen Katzenlaut begleitet, plötzlich auftaucht oder die zu lauten Soundeffekte, die passend zum Spannungsbogen der jeweiligen Szenerie eingespielt wird. Auch die sehr atmosphärische Farbgebung des Wohn- und Schlafzimmers orientiert sich sehr stark an Dario Argento’s “Susperia“. Genau wie die Farbgebung sind auch einige extreme Nahaufnahmen von Gegenständen oder Personen dargestellt, was auch zu den klassischen Stilmitteln von Argento gehört. Selbst einige der Morde, die sehr untypisch für eine Horrorkomödie sind, dienen als Verarbeitung von alten Horrorklassikern. Die Enthauptung ist beispielsweise eine Anlehnung an den “Re-Animator“ oder die Stricknadelszene, die durch viele kleine Schnitte noch zusätzlich an Atmosphäre gewinnt, eine Verarbeitung des Films “Die Rückkehr des Dr. Phibes“. Als Mick und Pnub sich als Zombies aus ihrem Grab befreien, kann man auch ganz deutlich einige Parallelen zu “Children shouldn’t play with dead things“ erkennen.

Auch die einzelnen Sets des Films sind gut. Da wären erst einmal die Außenaufnahmen der Straße, die in Pasadena gedreht wurden und die selbe Straße zeigen, wie man sie auch in “Halloween“ sieht. Die Sets zeichnen sich auch durch eine realistische und enorme Detailvielfalt aus. Hierzu zwei Beispiele: Zum einen wäre da die Szene zu erwähnen, als sich Anton vor seinem Haus übergibt sieht man im Hintergrund auf der anderen Straßenseite(!) im ersten Stock die Silhouette von Molly, die gerade in ihrem Zimmer Bass spielt. Zum anderen wäre da das Zimmer von Pnub, dass vollgestopft mit Requisiten ist. So stehen in diesem Zimmer unmängen an Marihuanapfeifen und Robotern rum, ganz zu schweigen von den ganzen Postern, die an der Wand hängen. Dieses Zimmer ist so realistisch dargestellt, dass es mir als Zuschauer schon fast Leid tut, dieses Zimmer nur in einer Szene erblicken zu können.


Atmosphärisch ist der Film auch sehr gelungen, was teilweise an der oben schon erwähnten Farbgebung liegt. Das Schlafzimmer der Eltern und das Treppenhaus/Wohnzimmer ist in einem „Argento-Orange“ gehalten, die Küche ist ziemlich gelb, Mollys Zimmer ist eher blau, so wie es in Erotikfilmen gerne gemacht wird, die Beerdigungsszene im Garten ist definiert durch rotes Licht und die Außenseite des Hauses, sowie die Autowerkstatt sind eher in grün gehalten. Dieses synthetische Licht wirkt unnatürlich und fremd, was die ganze Szenerie noch etwas bedrohlicher wirken lässt. Diese Farbeffekte rechtfertigen ihr „Dasein“ innerhalb des Filmes aber ziemlich gut. Man sieht beispielsweise kurz eine rote Lampe während der „Beerdigung“, oder man sieht am Straßenrand einige Laubhaufen brennen, was den plötzlichen Rauch in dieser Szene erklärt. Zusätzlich wird die düstere und bizzare Atmosphäre durch die Kameraführung und die guten Schnitte untermauert. Man sieht einige Male, wie die Szenerien einfach ineinander übergehen. Aber auch abrupte Schnitte sind vorhanden (z.B. in der oben schon erwähnten Stricknadelszene). Gegen Ende des Filmes kommt sogar ein „Flip-Flop“ Effekt zustande, als Anton an der Kamera vorbei läuft und diese sich in seiner Laufrichtung umdreht und für ein paar Sekunden auf dem Kopf steht. Aber auch viele Zoomeffekte á la Mario Bava sind zahlreich vertreten.

Ein Vorteil des Films ist allerdings auch die Tatsache, dass das Tempo des Films sprunghaft wechselt. “Idle Hands“ beginnt zwar wie ein klassischer Horrorfilm, wandelt sich dann aber vom Stil her einer typischen Komödie zu. Dies hält sich aber nicht sehr lange, denn der Film wird immer bizzarer und der Humor wird immer schwärzer. Die Drogenszenen von Anton sind anfangs fokussiert, ab einer gewissen Zeit spielen diese jedoch keine Rolle mehr und die Story des Films wird wieder vorangetrieben.


Die Schauspielerische Leistung der Darsteller hat mir auch sehr gefallen. Seth Green und Elden Henson ergänzen sich in ihren Szenen so gut, dass man meinen könnte, die zwei währen schon seit Ewigkeiten die besten Freunde. Vivinca A. Fox verkörpert die Druidin sehr Glaubwürdig. Sie spielt in diesem Film sehr ernst, was aber auch passend ist, da ihr Charakter der einzig „ernste“ ist. Jessica Alba scheint auch als Molly nicht fehlbesetzt zu sein. Molly ist ein starkes und selbstständiges Mädchen, das nicht den üblichen Konventionen entspricht. Sie ist nicht panisch oder hilflos, wenn sie in Gefahr ist und auch kein naives „Püppchen“, das nur zum zeigen von Haut da ist, obwohl sie in den meisten Szenen nur leicht bekleidet herumläuft. Der in Kanada geborene Devon Sawa spielt seinen Part auch ziemlich überzeugend. Seine rechte Hand wirkt ,bevor er sie abtrennt, unabhängig von ihm. Sein Gesicht ist mimisch so weit vom Verhalten der Hand entfernt, dass der Zuschauer den eigenen Willen zu keiner Sekunde des Films in Frage stellt. Nachdem Anton seine Hand jedoch abgetrennt hat, kriecht sie unabhängig vom Körper durch die Stadt. Ab diesem Moment wird die Hand von dem „eiskalten Händchen“ Darsteller Christopher Hart gespielt. So unglaublich das jetzt auch klingen mag, aber Christopher Hart versteht es, lebenden Händen einen eigenen Charakter zu geben. Das „eiskalte Händchen“ war seinerzeit noch sehr verspielt und lustig. Wenn es aufgeregt war, sprang es etwas umher und wenn es ängstlich war, zitterte es. Die abgetrennte Hand aus “Idle Hands“ hingegen ist sehr böse und wirkt sogar bedrohlich. Die Tatsache, dass die Hand sich sogar die Fingerkuppen anspitzt, verstärkt diese Wirkung noch.

Über die Schauspieler Devon Sawa, Jessica Alba, Seth Green und Vivinca A. Fox brauche ich hier nichts mehr schreiben, da dies nur unnötig Platz in Anspruch nehmen würde. Erwähnen möchte ich hier nur Tim Stack, den man aus der Comedytalkshow “Night Stand with Dick Dietrick“ kennen könnte. Junge Nostalgiker kennen ihn aber eher noch aus “Parker Lewis“. Jack Noseworthy hat auch eine Annerkennung verdient. Durch seine klassische Tanzausbildung sehen seine Bewegungen im Film immer ästhetisch und perfekt choreographiert aus.


Rodman Flender hat in “Idle Hands“ viele Filme verarbeitet, die ihn sehr geprägt haben. Bei dieser Art von Film ist dieses Unterfangen auch eine gute Lösung, da alles andere auf Kosten der Glaubwürdigkeit und des Charmes von “Idle Hands“ gehen würde. Nachdem Flender einige Filme produziert hat, begann er, sich selbst auf den Regiestuhl zu wagen. Zu seinen Machwerken gehören neben dem Sci-Fi Gruselfilmchen “The Unborn“ und “Leprechaun 2“ auch einige Serienfolgen wie etwa zu “Tales from the Crypt“, „Chicago Hope“, “Party of Five“, “Dawsons Creek“ und „O.C. California“(hat er zwar erst später gemacht, aber egal…). Obwohl Flender damals nicht viel Regieerfahrung im Bereich des Langspielfilms hatte, hat er hier eine ordentliche Horror-Teenkomödie abgeliefert, ohne dabei einen dumpfen Slasher zu inszenieren oder gar ins Lächerliche zu abzudriften.

Die Special Effects sind , bis auf wenige Ausnahmen, auch ziemlich gut gelungen. Zu diesen Ausnahmen gehören einerseits der Messerflug gegen Ende des Films und andererseits ein paar Szenen mit dem abgetrennten Kopf von Elden Henson. Auch der Blutanteil des Films ist in Ordnung, besonders wenn man bedenkt, dass der Film hier eine FSK 16 Freigabe hat, aber da sind wir als Publikum ja von Filmen wie etwa “Undead“ schon einiges gewohnt. Ganz so viel rote Flüssigkeit wie in “Undead“ fließt zwar nicht, aber auch nicht zu wenig. Auch die Soundeffekte sind recht gut gelungen. Die oben schon erwähnten lauten Einspieler dienen als Schockeffekte, was durchaus funktioniert und auch nicht übertrieben wird. Neben diesen Schockeffekten arbeitet der Film auch teilweise mit dezentem „Micky Mousing“ (Knacken bei Genick- und Knochenbrüchen oder das Wassergeräusch aus der Flasche), wobei dies auch nicht übertrieben wurde.

Natürlich hat der Film auch einige Fehler. Man sieht zum Beispiel ganz kurz einen Scheinwerfer hinter einer Türe, durch die Eldon gerade flüchten will. Aber solche Fehler sind ja in Filmen häufiger zu finden. Viel eher fallen einem da schon die logischen Löcher auf. So scheint die abgetrennte Hands Antons gar nicht zu bluten, schreibt ihre Botschaften aber immer mit Blut. Zudem stehen diese Botschaften an teilweise von ihr gar nicht zu erreichenden Stellen (Wie ist bloss das Pentagramm am Ende des Films an die Decke gekommen?). Aber über solche physikalischen Feinheiten muss man halt hinwegsehen.

Erwähnen möchte ich zum Schluss noch den kurzen Cameo-Auftritt von Tom DeLongue im Burger Jungle. Er ist zwar kurz, aber für alle Fans von Blink182/Angels & Airwaves durchaus sehenswert.

Fazit: Eine gelungene und kurzweilige Hommage an alte Horrorfilme, zudem ein Spass, den sich nicht nur Horrorfans mehr als einmal anschauen können.
Verdiente 8 von 10 Punkten!

Dienstag, 10. März 2009

Watchmen - Die Wächter (2009)



Ganz selten kommt es vor, das ein Kunstwerk einen dermaßen gewaltigen Einfluss auf sein Milieu ausübt, das jenes fortan nicht mehr das gleiche sein sollte. Einen solch gewichtigen Stellenwert ist „Watchmen“ nicht abzusprechen, für Nerds kommt die umfangreiche Graphic Novel einer heiligen Schrift gleich. Und dann kommt Regie-Novize Zack Snyder daher und verfilmt dieses Meisterwerk, das von der New York Times als einziger Comic zu den 100 wichtigsten Büchern des 20. Jahrhunderts gezählt wird.

Die USA in den 1980er Jahren. Richard Nixon ist amtierender Präsident, der Kalte Krieg befindet sich auf einem Höhepunkt und eine nukleare Eskalation im Kräftemessen mit der Sowjetunion steht scheinbar kurz bevor. Zu dieser Zeit wird Edward Blake (Jeffrey Dean Morgan), genannt der Comedian, von einem Unbekannten ermordet. Blake gehörte einer alten Gilde von maskierten Verbrechensbekämpfern an, deren Aktivitäten einige Jahre zuvor verboten wurden, und arbeitete seit dem Verbot für die Regierung. Nicht so der verbitterte Rorschach (Jackie Earle Haley), der sich in den Untergrund zurück gezogen hat und von der Polizei gesucht wird. Rorschach vermutet eine Verschwörung hinter dem Mord an Blake und wendet sich an seine ehemaligen Kollegen, die unterschiedliche Wege eingeschlagen haben.

So hat sich der Millionär Dan Dreiberg (Patrick Wilson) nur schweren Herzens zurück gezogen und schwelgt nur allzu gern in Erinnerungen an eine aufregendere Zeit, in der er als Held auftreten und Menschen das Leben retten konnte. Laurie Jupiter (Malin Akerman) dagegen ist froh, diese Tätigkeit hinter sich gelassen zu haben, die sie nur ihrer Mutter zu Liebe ausgeübt hatte, da sie in deren Fußstapfen treten sollte. Laurie führt eine Beziehung mit Jon Osterman (Billy Cudrup), genannt Dr. Manhattan, der seit einem tragischen Unfall ungeheure Kräfte entwickelt hat und zu einer Art Übermensch mutiert ist. Osterman ist der einzige der Heldengruppe, der übernatürliche Fähigkeiten besitzt, entwickelt aber ein stärker werdendes Desinteresse für das Schicksal der Menschheit. Adrian Veidt (Matthew Goode) hat das Geheimnis um seine Identität schon vor dem offiziellen Verbot gelüftet und mit dem Ausverkauf seines Lebens ein Vermögen gemacht.

Als es zu einem gescheiterten Attentat auf Veidt kommt, scheinen sich Rorschachs düstere Vermutungen bestätigt. Ist jemand hinter den ehemaligen Helden her?



Nach dem Kinobesuch stellt sich hier die Frage, wer das künstlerische Scheitern des Films zu verantworten hat. Die Schuld sollte man in der Regel beim Regisseur suchen, doch Zack Snyder ist nur eingeschränkter Vorwurf zu machen. Viel eher stellt sich die Frage, warum der relativ unerfahrene Synder, der erst zwei Spielfilme inszeniert hat und dabei nicht um ordentliche Schelte von der Kritik herum kam, überhaupt mit einem solchen Schwergewicht vertraut wird. Handwerkliches Geschick, das ihn als ehemaliger Clip-Regisseur auszeichnet, soll ihm hier keinesfalls abgesprochen werden. Doch ganz ehrlich: Einen dermaßen komplexen, reichen und zu Recht kultisch verehrten Comic zu adaptieren, da bedarf es schon eines anderen Kalibers. Was hätte „Watchmen“ für ein Meisterwerk werden können, wäre der engagierte Regisseur eben kein aufstrebender, solider Handwerker (und selbst das nur mit Abstrichen) sondern ein echter Filmemacher mit Visionen, mit Mut zum Wahnsinn. Nun gut, es sollte nun einmal aus unerfindlichen Gründen Zack Snyder sein, ein Kind im erwachsenen Hollywood, das lieber seine Zeit mit kleineren Projekten verbringen sollte weil es eben noch die nötige Reife und Erfahrung braucht. Und ein Zack Snyder Film ist es schließlich auch geworden, auch wenn er verzweifelt so aussehen will wie die Vorlage von Alan Moore.

Es geht hier nicht darum, den Film zu bemängeln, weil er von der Vorlage abweicht oder „nicht so gut ist“ wie jene. So könnte man beispielsweise die extrem unterschiedliche Farbgebung vergleichen – im Gegensatz zur facettenreichen Kolorierung des Comics herrschen im Film fast durchgängig triste Farben. Ein eigenes Konzept findet der Film aber nicht und macht so einen monotonen Eindruck, grenzt die unterschiedlichen Locations optisch kaum voneinander ab. Dasselbe Problem haftet auch sämtlichen Action-Szenen an, die Snyder ähnlich abwechslungsarm und steril wie schon in „300“ in Szene setzt. Bereits in der von einer deplazierten Überzeichnung ruinierten Eingangssequenz nutzt Snyder seine immer gleichen Zeitlupeneinlagen um die rar gesäten spektakulären Momente möglichst auszuschlachten. Diese Effekthascherei setzt sich in der Gewaltdarstellung im gesamten Film weiter fort, der die gewalttätigen Details der Vorlage unnötig heraus stellt und diese teilweise erschreckend missversteht. Ohnehin schon drastische Szenen wie die Ermordung eines Gefangenen mittels Kehlen-Schnitt werden in ihrer Drastik ungemein erhöht, in diesem Fall durch das erbarmungslose Absägen beider Arme. Für diese plakativen Ausschmückungen findet Snyder allerdings niemals eine Rechtfertigung, sodass die betreffenden Ausbrüche einen äußerst selbstzweckhaften Eindruck hinterlassen.



Problematischer ist dann aber die, in ihrem Zynismus ebenfalls wesentlich gesteigerte, Ermordung eines Kinderschänders durch Rorschach. Hier begeht die Verfilmung einen Fehler, der einem so genialem Autor wie Alan Moore wohl kaum unterlaufen würde, und nimmt eindeutig die rechtsideologische Haltung von Rorschach selbst ein. Das gleiche Bild vermittelt die Vietnam-Szene, in der Dr. Manhattan als Mordwerkzeug der amerikanischen Armee auftritt, aufdringlich untermalt von Wagners Walküre-Thema. Nicht nur als verfehltes Filmzitat hinsichtlich „Apocalypse Now“ peinlich, auch in der offensichtlichen Inszenierung als Gag ausgesprochen misslungen. Neben der unzureichenden Figurenzeichnung und der recht einfallslosen Visualisierung (deren größter Verdienst wohl im schmissigen Kostümdesign zu suchen ist) sind es eben die kleinen Ausrutscher, die erneut eine individuelle Regieführung vermissen lassen.

Eintönig präsentiert sich „Watchmen“ auch in akustischer Hinsicht. Den originalen Score muss man erst einmal suchen, da die Schlüsselszenen beinahe allesamt mit zeitgenössischen Pop- und Rock-Songs untermalt sind. Hat man dann die Filmmusik gefunden gibt es kaum Anlass zur Freude: Nicht ein prägnantes Thema erklingt aus den Boxen, aus dem lieblos komponiertem Brei bleibt kaum ein Fetzen in Erinnerung. Bleibt zu sagen, das die ausgewählten Songs sehr wirksam eingesetzt sind und einen Hang zum Kitsch nicht verhehlen können. Der steht dem sonst so kalten und glatten Look zwar kaum, lässt aber nichtsdestotrotz eine Spur Wärme zu, die der Film bitter nötig hat.



Dieser allzu geleckte und nach Perfektion hechelnde Look entpuppt sich in den effektlastigen Abschnitten, zum Beispiel auf dem Mars oder im Finale, als erschreckend konturenlos. Ersichtlich wird dieser fatale Umstand, der wohl ein unangenehmer Nebeneffekt blauäugigen Vertrauens in die CGI-Wunder ist, selbst an Kleinigkeiten. In einem fragmentarischen Rückblick auf Rorschachs Vergangenheit attackiert er als kleiner Junge zwei deutlich größere Teenager und beißt schließlich ein Stück Fleisch aus der Wange seines Gegners. Wenn auch Details wie diese aus dem PC stammen und das auch überdeutlich zu sehen ist (auch wenn die Effektarbeit durchweg solide ist, freilich ohne neue Maßstäbe zu setzen), dann fällt die mangelnde Körperlichkeit des Geschehens schwer ins Gewicht. Die fehlende Textur bricht dem Film also die Beine, wenn auch noch nicht das Genick und trennt ihn um Welten von der Beschaffenheit faszinierender, 'greifbarer' Bilderwelten herausragender Werke wie „Batman Returns“ oder „Hellboy“.

Unabhängig von der überforderten Regie Snyders machen die Darsteller einen zwiespältigen, letztlich aber eher positiven Gesamteindruck. Zunächst ist der Verzicht auf große Stars als Zugpferde sympathisch, alle Hauptdarsteller machen daher einen ähnlich unverbrauchten Eindruck wie die für „Watchmen“ kreierten Figuren, die ebenfalls keine Assoziationen bedienen sollten. Jackie Earle Haley als Rorschach muss sich überwiegend auf seine Stimme verlassen, zeigt aber in den wenigen Szenen ohne Maske ein bemerkenswertes Einfühlungsvermögen in die verbitterte und von Hass zerfressene Figur. Sehr charismatisch tritt auch Jeffrey Dean Morgan auf, der die sardonische Macho-Art des Comedians exakt trifft. Selbst Billy Cudrup kann seinem Dr. Manhattan noch eine persönliche Note geben und verleiht dem ausdruckslosen Gesicht des blauen Übermenschen eine erkennbare Tragik. Malin Akerman dagegen ist damit beschäftigt, heiß auszusehen und kommt ihrer Figur in erster Linie optisch sehr nahe, Matthew Goode fehlt es leider gänzlich an Charisma, zudem kommt ihm verhältnismäßig zu wenig Screentime zu. Echte schauspielerische Akzente setzen kann lediglich Patrick Wilson, der die starke Präsenz seiner Figur zu nutzen weiß.



Auch wenn viele Bildkompositionen den Comic exakt nachempfinden, so macht das also noch lange keinen guten Film oder eine würdige Verfilmung. In seinen besten Momenten atmet „Watchmen“ den Geist der Vorlage und lässt schmerzlich erkennen, was für ein großartiges Stück Film hätte entstehen können, aus der (entgegen der sturen Fan-Behauptung) sehr wohl verfilmbaren Graphic Novel. Über weite Strecken profitiert die Adaption einfach vom grandios erdachten Szenario, den geschliffenen Dialogen und den lebendig gezeichneten Figuren. Die Eigenleistung hält sich also in Grenzen, bedenkt man die mäßige und verfälschte Action und einige gravierende Peinlichkeiten, die stellenweise den Verdacht aufkommen lassen, das die Vorlage zugunsten zynischer Unterhaltung pervertiert wurde.

5,5/10

(Anmerkung: Review und Benotung haben nur vorläufigen Charakter - ein endgültiges Bild mache ich mir erst nach der Langfassung auf DVD inklusive der beiden ergänzenden Kurzfilme TALES OF THE BLACK FREIGHTER und UNDER THE HOOD, die für das Watchmen-Universum entscheidend sind und dem Gesamtbild einen wesentlich komplexeren Eindruck verpassen könnten. Review bezieht sich also nur auf die Kinofassung.)

Donnerstag, 5. März 2009

Swing Vote - Die beste Wahl (2008)



„Swing Vote“ ist der Film zur US-Präsidentschaftswahl 2008 und schon deshalb bereits jetzt veraltet. Er erzählt ein durchschaubares Märchen von der einen Stimme, die alles verändern kann. Gleich vorweg: Selten hat man ein so stinkend manipulatives liberales Statement vorgesetzt bekommen, das allenfalls glühenden Obama-Verehrern gefallen mag. Das hier unverhohlen auf Wählerstimmen für das demokratische Logo abgezielt wird bekommt einen bitteren Nachgeschmack, weil sich der Film eben einen gänzlich anderen Schleier überwirft. Angeblich eine sich für ausreichende Information, politische Bildung und daraus folgender Mündigkeit des Wählers einsetzende Komödie, entpuppt sich „Swing Vote“ in Windeseile als der Propagandafilm, der er zweifellos ist.

Ein Mann kann die amerikanische Wahl beeinflussen weil die Auszählung der Stimmen tatsächlich unentschieden ausgeht. Infolgedessen avanciert er zum Medienstar und seine nachträgliche Wahl zum landesweit verfolgten Großereignis. Natürlich geht es in dieser hanebüchenen Geschichte auch um familiären Zusammenhalt, den Glauben an sich selbst und woran man sonst noch so glaubt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. So furchtbar dämlich und uninteressant die grob zusammen gefasste Handlung auch klingen mag, die von käsigem Pathos bestimmte Umsetzung mag jede noch so verkleinerte Erwartung zu unterbieten.



Da wird ständig von einem einzigartigen Moment amerikanischer Geschichte geredet (ein Schelm, wer hier Parallelen zur Realität sieht) und die unbedingte Wichtigkeit seine Wählerstimme abzugeben bis zum Erbrechen herunter gebetet. Dabei stellt der ungeheuer zahnlose Film niemals die 2-Parteien-Demokratie der USA in Frage, lässt nicht einmal die Möglichkeit aufblitzen, das die Stimme an eine dritte Partei geht. Das Ende wiederum ist relativ offen gehalten, trotzdem bezieht der Film eindeutig Stellung und ist nichts als Bauernfängerei aus Hollywood, das sich traditionell eher liberal gibt.

Darum bemüht, niemandem auf den Schlips zu treten, zeigt sich der Humor auf einem bedauernswertem, fast schon kastriertem Niveau – bedenkt man, das der skurrile Plot auch durchaus die Ausgangsbasis einer scharfzüngigen Satire sein könnte . Nicht einmal die beliebte Medienschelte wird wahr genommen, obgleich sich diverse Möglichkeiten finden würden. Das Drehbuch ist offenbar zu beschäftigt damit, sich dem Zuschauer anzubiedern und eine möglichst flächendeckende Identifikationsfigur zu erschaffen. So ist der von Kevin Costner lustlos verkörperte Bud Johnson ein Mann, der nicht nur allein erziehender Vater einer altklugen Kackbratze ist sondern sich auch mit dem Verlust des Arbeitsplatzes herum plagen muss und überdies die Politikverdrossenheit des Durchschnittsbürgers verkörpert. Bis hin zu perfiden Details wie Buds Baseball-Cap ist seine Figur berechnende gezeichnet und kalkuliert auf einen Zuspruch beim „Kleinen Mann“, der sogleich aus seinem muffigen Sessel aufspringen und begeistert seinen Teil zum Wohle der Menschheit leisten soll.



Mit der Zeichnung des Hauptcharakters ist der klischeehaften und abgeschmackten Symbolträchtigkeit noch nicht genüge getan denn man erinnere sich: Die Kids sind die Zukunft. Und dementsprechend reif, verantwortungsbewusst und wissbegierig zeigt sich Buds Tochter, die ihren Vater mehr erzieht als anders herum – ein neuer Superlativ der hassenswerten Teenager-Figuren jüngerer amerikanischer Filmgeschichte. Eine dermaßen bieder-penetrant vorgestellte Vorbildfunktion findet sich allenfalls in veralteten, moralistischen Sitcoms. Jedenfalls unterstreicht die Figur den hoffnungslos naiven Charakter des Films, der seine Botschaft wirklich ernst meint und spießig bis zum Anschlag bleibt. Da helfen auch die glanzlos verheizten Gaststars keinen Millimeter weiter, unter ihnen Larry King, Willie Nelson, Stanley Tucci, Judge Reinhold und Dennis Hopper in Cameos und Nebenrollen.

Wäre „Swing Vote“ ein gerade heraus inszenierter und nach Möglichkeit auch ein komischer Film mit simpler, ehrlich präsentierter Botschaft, so hätte er wahrlich niemandem weh getan. So hinterhältig die politische Beeinflussung hier aber statt findet, so wenig funktioniert das Gesamtwerk als Film, geschweige denn als Komödie. Der völlig steife Erzählfluss schleppt einige peinlich gewollte humoristische Einlagen über die nicht enden wollende Laufzeit von erbarmungslosen 120 Minuten. Political Correctness wird in diesem krampfigen, geistig verkümmerten und intellektuell eher beleidigenden als stimulierenden Machwerk ganz groß geschrieben, sodass man sich keine Sorgen machen muss, falls man mal einen Teil des Films verpennt. Egal zu welchem Zeitpunkt das geschehen mag und dieser theoretische Fall kann durchaus eintreffen: Rückspulen lohnt definitiv nicht, keine Szene ist es wirklich wert, gesehen zu werden. Einen solch demonstrativ rückgratlosen Film, der sich selbst komplett durch den Bezug auf eine kollektive gesellschaftliche Stimmung definiert, straft man am Besten durch Nichtbeachtung.

Fazit: Unerträglich langatmiger, unkomischer Stimmenfang für Barack Obama, den ersten wahren Popstar im Weißen Haus. Die naive Haltung des Films wird exorbitant ausgebreitet und in aller Ausführlichkeit mit stets erhobenem Zeigefinger zu Tode ausformuliert. Das sich „Swing Vote“ oberflächlich so bescheiden gibt und beim Kleinen Mann schleimen geht, macht ihn um einiges unsympathischer als er ohnehin schon ist.

01/10