Sonntag, 30. August 2009

Sweet Sweetback's Baadasssss Song (1971)



Melvin van Peebles sammelte seine ersten Erfahrungen als Regisseur im Frankreich der 1960er Jahre und versuchte anschließend in Amerikas Filmszene Fuß zu fassen. Zu dieser Zeit, Anfang der 70er Jahre, hatte van Peebles bereits einige Erfahrungen als Autor, außerdem auch schon im Theater. Mit der Komödie „Watermelon Man“ inszenierte er dann seinen ersten US-Film für Columbia Pictures und damit für ein großes Studio – derzeit als einziger schwarzer Regisseur neben Ossie Davis und Gordon Parks. Zwar thematisierte schon dieser Film Rassismus, doch in Form einer nur leicht satirischen Komödie – auch wenn es van Peebles hoch anzurechnen ist, das er sich dem Druck der Produzenten widersetzte und die Schlusspointe nicht verwässerte. Trotzdem wurde ihm ein Deal angeboten, der ihm einen Vertrag über drei Filme sichern sollte und damit ein sorgenfreies Leben. Doch – ohne van Peebles zum Helden zu erklären – der eigensinnige Filmemacher ging seinen eigenen, steinigen und harten Weg und inszenierte statt einer Auftragsarbeit den Independent-Film „Sweet Sweetback’s Baad Assss Song“ und trat eine Strömung los, die heute gemeinhin als 'Blaxploitation' bekannt ist. Tatsache ist, frei von jeder Romantisierung, das der Film Maßstäbe gesetzt hat, eine völlig neue Ästhetik etablierte und als erster Vertreter des Black Cinema gelten darf.

Die Zuordnung zum Blaxploitation-Genre wirft in vielerlei Hinsicht ein falsches Bild auf das mit Herzblut inszenierte Risikoprojekt. Zum einen handelt es sich strenge genommen nicht einmal um den ersten Vertreter dieser heute kultisch verehrten Gattung – diese Rolle fällt vielmehr dem humoristischen Detektiv-Krimi „Cotton comes to Harlem“ von Ossie Davis zu, der schon vor „Sweetback“ alle Archetypen des Blaxploitation vereinte und der wahrscheinlich echte Pionier ist. Viel wichtiger ist jedoch eben, das „Sweetback“ eigentlich gar kein Blaxploiter ist. Bei van Peebles werden die thematisierten Probleme keineswegs ausgeschlachtet – sein Film ist voller unbändiger, echter Wut auf ein rassistisches System und darüber hinaus ästhetisch wohl durchdacht und mit einem hohen Kunstanspruch versehen. Erstmals war da ein Film von Schwarzen für Schwarze – so erscheint in den Credits „The Black Community“ als Darstellerangabe. Sämtliche Szenen wurden an Originalschauplätzen mit Laiendarstellern gedreht, die Dialoge sind direkt und im einfachen Stil der Gossensprache gehalten, die Kamera größtenteils verwackelt und der Schnitt stotternd. Die mangelnden Zugeständnisse an die Sehgewohnheiten des Massenpublikums machen es dem Film bis heute schwer, eine größere Verbreitung zu finden. Im Gegensatz zu seinen etlichen Nachfolgern, in welchen die Intention von „Sweetback“ nicht selten bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wird, findet dieser Zwar rückblickend Lob und Anerkennung bei der Filmkritik, ein wirkliches Publikum bleibt ihm aber aufgrund seiner Sperrigkeit versagt. Ein ungesehener Klassiker also, der eine Entdeckung aber unbedingt lohnt, wagt man eine Auseinandersetzung mit der abenteuerlichen Inszenierung und der nur schwer erkennbaren Rahmenhandlung.



Bereits die erste Szene, die kurze Pre-Title-Sequenz macht deutlich, das man es hier mit einer anderen Art Kino zu tun hat. Eine Reihe schwarzer Frauen beobachtet neugierig einen kleinen Jungen, ausgemergelt und schmutzig, wie er sich nach offensichtlich langer Zeit herzhaft satt ist. Eine dieser Damen entführt den scheuen Teenager in ihr Zimmer und macht ihn zum Mann – hier erhält er seinen Namen und damit seine Identität. Der erste Sex wird zum Initiationsritus, der junge Sweetback wird in eine Welt eingeführt, in der Prostitution und Sexismus herrschen und in der sich schwarze Männer in erster Linie über sexuelle Klischees definieren. Sweetback wird hier verkörpert von einem gerade 13 Jahre alten Mario van Peebles, Sohn des Regisseurs. Dieses pikante Detail macht aus der besagten Sex-Szene einen denkbar kontroversen Opener, Mario van Peebles macht dabei einen verschüchterten und linkischen Eindruck, da van Peebles seinen eigenen Sohn dazu nötigte, diese Nacktszene zu spielen. Überraschend ist die detaillierte Darstellung: Natürlich handelt es sich um simulierten Sex, doch schon die Tatsache, das eine erwachsene Frau und ein 13-jähriger Junge gemeinsam nackt vor der Kamera spielen, hätte einen handfesten Skandal nach sich ziehen können. Was in diesem Fall wohl nur einer unter vielen gewesen wäre.



Zu Sweetbacks Mannwerdung erklingen Gospel-Gesänge aus dem Off, als der Vorspann einsetzt, wendet sich der Soundtrack dem Funk von Earth, Wind & Fire zu, die mit dem Score gleichzeitig auch ihr erstes Album produzierten. Sweetback erweist sich schon bei seiner ersten Nummer als wahrer König im Bett und wird während des Vorspanns und innerhalb des gleichen Aktes schließlich als erwachsener Mann gezeigt. Sweetback entwächst mit dem Erwachen seiner Sexualität seiner Kindheit – Melvin van Peebles spielt bewusst mit den Klischees des überpotenten Afroamerikaners und setzt diese zunächst ganz ins Zentrum der Aufmerksamkeit. So zeigt der Film nach den Credits eine bizarre Sex-Show, deren Hauptdarsteller Sweetback ist. Vor einem johlenden Publikum, bestehend aus Weißen und Schwarzen, besorgt er es einer Frau und wird wie eine Attraktion (quasi wie ein guter Zuchtbulle) gefeiert. Als Waisenjunge in das Hurenhaus gekommen, wurde Sweetback offensichtlich von den Prostituierten und prostituiert sich nun selbst. Ein politisches Bewusstsein existiert für ihn nicht und überhaupt spricht der Held in den ersten Szenen kein einziges Wort (im gesamten Film übrigens keine zehn vollständigen Sätze). Wortkarg ergibt sich Sweetback auch für ein Anliegen der Polizei, die ihn als Sündenbock verhaften will. Für einen Mordfall an einem Schwarzen muss ein Sündenbock her, der anschließend wieder entlassen werden soll – sowohl mit seiner Arbeit als auch dieser Gefälligkeit dient Sweetback (wenn auch unbewusst) dem tyrannischen System, in dem rassische Diskriminierung ein Regelfall ist. Auf der Fahrt zum Polizeirevier ändert sich jedoch all dies schlagartig und unvorhergesehen.



Auf jener Fahrt kommt eine Verhaftung dazwischen, ein Mitglied der Black Panther wird zu Sweetback in den Streifenwagen gedrängt – für diese einfachen Vorgänge lässt sich der Film enorme Zeit, lässt seinen lässigen Score erklingen und zeigt in den Impressionen der nächtlichen Großstadt seine Verwandtschaft zum avantgardistischen Kino. Die simple Handlung steht nicht im Mittelpunkt und auch äußere Spannung bezieht van Peebles nicht aus den Oberflächlichkeiten wie dem folgenden impulsiven Polizistenmord Sweetbacks. Als er mit ansehen muss, wie der andere Gefangene von den Polizisten brutal zusammen geschlagen wird, brennt eine Sicherung durch und so begeht er einen Doppelmord aus dem Affekt. Mit diesem Leinwand-Mord schüttelt Sweetback hunderte Jahre Unterdrückung, Sklaverei und Bevormundung von sich ab und begeht so den wohl bedeutendsten Befreiungsschlag für das afroamerikanische Kino. Hier wird aus dem Hengst Sweetback ein „Badass Nigger“, ein ganz neuer Charakter-Typus: Ein Schwarzer, der sich nichts gefallen lässt, auf Gewalt kompromisslos mit Gegengewalt reagiert und sich für nichts entschuldigt - anders als seine Nachfolger Shaft, Superfly und all die anderen ist Sweetback dabei aber nicht auf cool getrimmt. Melvin van Peebles spielt seine Hauptfigur selbst, was sich als gute Entscheidung erweist – die soliden darstellerischen Fähigkeiten des Regisseurs reichen für die Rolle allemal aus, da diese ohnehin keinen Marlon Brando benötigt. Wichtig ist die physische Erscheinung des Hauptdarstellers: In körperlicher Topform, stolz, gut aussehend, gepflegt und in einem schwarzen Western-Outfit gekleidet, gibt van Peebles der Black Community nicht nur eine Stimme sondern auch ein Gesicht.

In der Gestaltung des Films drückt sich van Peebles' Erfahrung in der französischen Kunst-Szene aus: Er arbeitet mit Verfremdungen, grellen Farbfiltern, verwackelter Kameraführung und Unschärfen, dazu ist fast jede Szene unter- oder überbelichtet. Dieser Bruch mit dem Mainstream-Kino hat nicht selten experimentellen Charakter, vor allem, da der Film kaum einen narrativen Faden verfolgt. Leitmotiv ist hier die Flucht, der Ausbruch aus dem System – so zeigen viele Sequenzen Sweetback beim Laufen, ohne das sie weitere erzählerische Funktionen erfüllen würden. Van Peebles propagiert eine Gemeinsamkeit, innerhalb der Black Community hilft man sich; selbstverständlich unter „Brüdern“. Die Flucht wird musikalisch untermalt von treibenden, aber niemals gehetzten Songs meist instrumentaler Natur – passend zur Stimmung Sweetbacks, der nie den Eindruck eines Flüchtigen macht sondern selbstbewusst seine trockene Lakonie bei behält. Im weiteren Verlauf wird er wieder von Polizisten gefangen genommen und misshandelt, bevor er aber endgültig abgeführt werden kann, helfen die Bürger des Ghettos ihm und zünden den Streifenwagen an. Diese Sequenz ist geeignet, um die kreativen Kniffe zu betonen, die van Peebles als versierten Independent-Filmer ausweisen: Ungeplant erschien die Feuerwehr am Drehort, was der Regisseur sofort für sich zu nutzen wusste. Sofort gab er Anweisungen, den Einsatz zu filmen und so viele gute Bilder wie möglich zu bekommen, bevor der Trouble vorüber war. Außerordentlich geschickt sind die wenigen Aufnahmen der Feuerwehrleute und -Fahrzeuge montiert, sodass der Eindruck einer aufwändig arrangierten Action-Szene entsteht. Anhand solch beeindruckender Einfälle erhält das sperrige Werk doch wiederum einen ganz eigenen Unterhaltungswert und einen funktionellen Rhythmus.



Gleichwohl „Sweetback“ mannigfaltige Probleme und soziale Missstände aufzeigt und direkt anprangert, ist es kein streng realistisches Kino. Zu artifiziell die Inszenierung, zu bewusst die beabsichtigte Vereinfachung. Van Peebles inszeniert auch kein intellektuelles Polit-Kino, will seinen Film auch für einfache und weniger gebildete Menschen zugänglich machen. Das ihm dies gelingt, verdankt er der echten Wut mit der sein Film aus dem Bauch heraus gemacht ist, woraus wohl auch der raue Ton resultiert. Das Frauenbild ist weitgehend beschränkt auf Prostituierte, von der misogynen Darstellung späterer Blaxploiter ist dies aber noch meilenweit entfernt. Im Gegenteil, van Peebles zeigt die Frau zwar als Ware, doch nicht um sie bloß zu stellen sondern um die unwürdigen Verhältnisse in den Ghettos aufzuzeigen, in denen vielen jungen Frauen keine andere Wahl bleibt, als ihren Körper zu verkaufen und sich damit selbst zur Ware zu machen in einem kapitalistischen System. Sweetbacks politisches Engagement wächst mit voran schreitender Laufzeit, was sich ganz selbstverständlich aus den einzelnen Stationen seiner Odyssee ergibt. Zunehmend wird er mit Diskriminierung konfrontiert und beginnt mit den Ideen der Black Panther zu sympathisieren. Diese erklärten „Sweetback“ schließlich sogar zum Pflichtfilm für jedes ihrer Mitglieder und halfen damit entscheidend bei der schwierigen Vermarktung des Films.

Letztendlich durchläuft der Titelheld eine Abfolge des immer gleichen Szenarios: Sweetback wird gehetzt, gefangen und gedemütigt – nur um erneut selbstbewusst zu fliehen. Nicht umsonst erinnert die finale Hatz, bei der die Polizei mit scharfen Hunden arbeitet, an die Jagd auf einen entflohenen Sklaven. Zum Schluss entkommt Sweetback über die Grenze, lässt seine Verfolger hinter sich und steht als Sieger dar – er stirbt nicht als Märtyrer sondern bleibt unter uns. Die Entscheidung, seinen moralisch ambivalenten Anti-Helden überleben zu lassen ist schließlich die endgültige Revolution. Abschließend lässt sich sagen, das „Sweetback“ reichlich oberflächlich und reißerisch mit seinem Thema umgeht. Unbestreitbar ist jedoch die Ernsthaftigkeit, mit der van Peebles seinen Film realisierte und vor allem die Notwendigkeit einer Vereinfachung. Eine unterdrückte Stimme muss manchmal zu perfiden Mitteln greifen um gehört zu werden – in dieser Hinsicht mag man den Film sogar als höchst manipulativ empfinden. Dennoch bietet er unterm Strich einige umwerfend montierte Sequenzen und kann als Geburtsstunde einer echten afroamerikanischen Ästhetik bezeichnet werden. Leider waren nur wenige Blaxploitation-Filme an ähnlichen Schwerpunkten interessiert – dazu zählen unter anderem „The Education of Sonny Carson“ und „Cornbread, Earl and me“. Doch keiner dieser, mitunter durchaus beachtlichen, Nachzieher sollte eine ähnliche Intensität erzeugen wie „Sweetback“ - das unverfälschte Original.

9,5/10

Trailer:



(Review ist auch erschienen in der filmzentrale)

Samstag, 29. August 2009

TV Tipps 29.08. - 04.09.09



Samstag

Echt Blond (Comedy Central)
Echt selten: Ein Film von Tom DiCillo im deutschen Fernsehen. Zwar handelt es sich hierbei um den schwächsten Film des virtuosen Independent-Regisseurs, was aber auf hohem Niveau gejammert ist. Vorzüglich besetzt und gespielt, schafft es der Film, eine spröde Beziehungs-Komödie und eine beißende Satire aufs Film-Business unter einen Hut zu bringen. Doppeldeutig, mit geschliffenen Dialogen versehen und überaus erwachsen erzählt...

Geliebte Aphrodite (Super RTL)
Milde, nichtsdestotrotz beschwingte und nachdenkliche Komödie von Woody Allen mit Helena Bonham Carter, Michael Rapaport und einer großartigen Mira Sorvino. Luftig-leicht und mit sommerlicher Leichtfüßigkeit inszeniert, bietet der Film über nette Unterhaltung hinaus eine ironische Dekonstruktion des griechischen Theater-Prinzips...

Shaft (Pro 7)
John Singleton war ja irgendwann mal das Wunderkind und der Hoffnungsträger des New Black Cinema. Waren schon seine frühen Filme unbeholfen und kitschig, so setzt er mit diesem Remake seinem Unvermögen ein leuchtendes Denkmal. Der Mann hat scheinbar nichts verstanden und katapultiert den schwarzen Film mal eben 30 Jahre in der Entwicklung zurück. Peinlicher Macho-Actionfilm auf dem Niveau eines schlechten Blaxploitation-Films...

Set it Off (Pro 7)
Und gleich noch einen Vertreter des Labels „New Black Cinema für Arme“: Gary F. Gray. Nach seiner peinlichen Kiffer-Komödie „Friday“ ist „SIO“ aber immerhin ein gewaltiger Schritt nach vorne. Vom schwarzen Kino verabschiedet sich der Hochglanz-Regisseur mit Pauken und Trompeten: Sein ausschließlich mit starken Frauen-Figuren besetzter Actionfilm ist sauber in Szene gesetzt und sehr unterhaltsam geraten...

Sonntag

Ein ehrenwerter Gentleman (Pro 7)
Bemühte Komödie mit Eddie Murphy in politischem Milieu. Dem Film fehlt jede Schärfe, sodass sich nach kurzer Zeit Langeweile breit macht. Zumal der Zuschnitt auf den Hauptdarsteller mal wieder extrem aufdringlich ist...

Ong-Bak (Pro 7)
Eigentlich ein unterdurchschnittlicher Hau-Drauf-Actioner aus dem fernen Thailand. Neben dem Exoten-Bonus funktioniert die Show eben als Vorstellung für Tony Jaa, der sich hier eine beachtliche Visitenkarte zusammen prügelt. Außer seinem Hauptdarsteller, dessen Kampf-Fähigkeiten mehr als beachtlich sind, bietet „Ong-Bak“ aber nur eine käsige Geschichte und altbackene Choreographien...

Larry Flint (Kabel)
Beeindruckendes Bio-Pic von Milos Forman, für das es nicht umsonst den Goldenen Bären gab. Stilistisch und darstellerisch nichts weniger als brillant, stilisiert der Film seine Hauptfigur etwas zu sehr als Held. Stört mich aber nicht weiter, da Männer wie Flint nun einmal Helden sind und auch als solche gewürdigt werden sollten. ;) Im Ernst, ich finde den mitreißend, tragisch und unbedingt sehenswert. Außerdem ist Courtney Love ein echter Besetzungscoup...

Montag

Feivel der Mauswanderer (SWR)
In aller Frühe kommt mal wieder der wunderbare Zeichentrickfilm von Don Bluth, produziert von Spielberg. Die abenteuerliche Immigranten-Geschichte geht zu Herzen, ist spannend und mit feinem Humor ausgestattet. Ein liebenswerter kleiner Klassiker, dem einige minderwertige Fortsetzungen folgten...

10 Dinge die ich an dir hasse (Kabel)
Mal wieder Shakespeare in der Highschool. Funktioniert dank der guten Darsteller und der erfrischend unangepassten Charaktere ganz gut, wird am Ende aber doch zum Brechmittel...

Mulholland Drive (Tele 5)
Unheilvolles Meisterwerk von David Lynch, dessen virtuose Montage und doppelbödiges Drehbuch ein definitiver Höhepunkt für den gefeierten Regisseur darstellen. Sein entrückter Alptraum ist mit Worten kaum zu erfassen und schon gar nicht von mir.

Dienstag

Dörtes Dancing / Einer wie Keiner (Pro 7)
Die „Funny-Movies“ aus der eigenen Pro 7-Schmiede, besetzt mit jedem noch so peinlichen Halbprominenten – habe zur Erstausstrahlung kurz reingeschaut. Da sehen selbst die Scary Movies wie Meisterwerke aus und das will schon was heißen. Schade um Marco Petry (Regisseur bei „Eine wie Keiner“), der mit „Schule“ ein großes Talent erkennen ließ und für mich ein Hoffnungsträger der deutschen Komödie war. Hoffentlich schafft es Petry zurück ins Kino, für solche Auftragsarbeiten ist er zu schade...

Im Jahr des Drachen
Kompromisslos-kontroverser Reißer von Michael Cimino, dem hier nicht zum ersten mal unhaltbare Rassismus-Vorwürfe gemacht wurden. Mickey Rourke in einer Glanzrolle als zynischer Antiheld macht den harten und spannenden Film fast schon wieder modern...

Mittwoch

Die nackte Kanone
Immer wieder schön zu sehen, das Parodien früher auch mal ins Schwarze getroffen haben. Kann das Genre eigentlich nicht so sehr ab, da neben Mel Brooks kaum mal jemand einen intelligenten Vertreter inszeniert hat. Diese erste Kanone hier ist eine dieser Ausnahmen, die nachfolger schon nicht mehr...

2 hinreißend verdorbene Schurken
Elegante Komödie alter Schule mit Steve Martin und Michael Caine. Unterhaltsam und sehenswert...

Ein Cop und ein Halber
Burt Reynolds als verknöcherter, griesgrämiger Bulle, dem ein kleiner schwarzer Junge an die seite gestellt wird weil der einen Mord beobachtet hat und nur mit seiner Zeugen-Aussage raus rückt, wenn er mal Polizist sein darf. So unfassbar dämlich wie es klingt, ist es leider auch. Peinlich, bieder, unlustig. Ein Film zum weglaufen...

Bone Snatcher
Armseliger B-Horror, der trotz netter Schauplätze keinerlei Atmosphäre entwickeln will. Worum es ging, habe ich völlig vergessen...

Die City-Cobra
Faschistischer Cop-Film mit Sylvester Stallone auf dem Höhepunkt seines kommerziellen Erfolges. Der dreckige Look dieses typischen Cannon-Films kann gefallen, was aber nicht die langatmige Erzählweise entschuldigt. Kurios und schweinebrutal, aber alles andere als gut. Bei den Himmelhunden gibt es eine fundierte Kritik zu lesen...

Donnerstag

Spy Game / Last Boy Scout (Vox)
Tony Scott Double-Feature. Ersteren halte ich für einen schicken Blender, der tatsächlich versucht, intelligent und clever auszusehen. Niedlich, aber gescheitert. „Last Boy Scout“ gefällt mir sehr gut, das ist für mich exzellentes Action-Kino, das in etwa zu gleichen Teilen aus Scotts MTV-Ästhetik und dem schroffen Charme der 80er-Genrefilme besteht.

Freitag

Bodyguard (RTL II)
Hochglanz-Schmonzette von Lawrence Kasdan, dem in ein paar Jahren die Wiederentdeckung als kluger Autorenfilm bevor steht. Die viel gescholtene Whitney singt übermenschlich und spielt sich selbst respektabel, wenn auch stark idealisiert. Großes Kino, wenn auch kein großes Erzählkino...

Footloose (Das Vierte)
Netter Tanzfilm mit rauchendem, rebellischen Helden. Leider auch mit schrecklicher Musik und missglücktem Finale. Mochte ich mal sehr gern, ist aber was für Kinder... ;)

Pusher 2 (Tele 5)
Vor zwei Tagen gesehen und schwer begeistert. Auch wenn er erste Teil nicht erreicht oder gar übertroffen wird, bleibt Refn seiner authentischen Milieu-Schilderung treu, ohne dabei aber auf filmtechnische Raffinesse zu verzichten. Ein Gegenentwurf zum „coolen“ Gangsterfilm mit schmerzhaften Gewalt-Ausbrüchen.

Scream 3 (RTL 2)
Der Abschluss der Trilogie hat die Vorzeichen geändert und ist nur noch komödiantische Satire mit einem kleinen Schuss Thriller-Spannung. Das Ende ist dämlich, die Pointen sitzen nur noch halb so sicher, die Charaktere verkommen langsam aber sicher zu Witzfiguren. Keineswegs schlecht aber der hier gesetzte Schlusspunkt war nötig...

Punk! (Pro 7)
Schrill, laut und bunt präsentiert sich dieses skurrile Filmchen, in dem Subkultur und Lebensgefühl nicht vorgeführt werden, wohl aber skurrile Überzeichnungen erhalten. Matthew Lillard (eigentlich die Pest) kann hier seine hyperaktiven Gesichtskrämpfe mal sinnvoll einsetzen und erweist sich als Idealbesetzung für die ausgeflippte Hauptfigur. Bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt, unter anderem mit Til Schweiger, Devon Sawa und Jason Segel...

Mittwoch, 26. August 2009

Animierte Kurzfilme: Boogie-Doodle (1948)



Experimentalfilm von Zeichentricklegende Norman McLaren. Hier dazu eine kurze Besprechung auf mitternachtskino...

Dienstag, 25. August 2009

Dolemite (1975)



Ein imdb-User hat „Dolemite“ als den „Plan 9 des Blaxploitation-Kinos“ bezeichnet. Kein uninteressanter Gedanke, der auch sinnvoll weitergeführt werden kann. So könnte man Rudy Ray Moore als Blaxploitation-Version von Ed Wood begreifen, denn bei oberflächlicher Betrachtung zeigen sich auffällige Gemeinsamkeiten im filmischen Schaffen der beiden so unterschiedlichen Persönlichkeiten. Beide stecken eigenes Geld, kostbare Zeit und Herzblut in ihre Projekte, beiden mangelt es klar ersichtlich an Finesse und Talent, beide wurden mitsamt ihrer Ideen von den großen Studios abgeschmettert. Der künstlerische Background ist es, der die Filmemacher voneinander abgrenzt, ohne hier einen von beiden als 'besser' bezeichnen zu wollen. Rudy Ray Moore war einer der ersten schwarzen Bühnen-Komiker überhaupt in den Vereinigten Staaten – schon in den 50er-Jahren hatte Moore große Bekanntheit erlangt und veröffentlichte seine Bühnenprogramme auf Schallplatten. Auch seine weniger erfolgreiche Karriere als Musiker verfolgte er hartnäckig, während er zu einem großen Einfluss wurde für Komikerlegende Richard Pryor – allerdings kam er nie zu dessen kommerziellen Erfolg. Auch wenn größere Skandale ausblieben und der Comedian auf der Bühne nach Herzenslust vom Leder ziehen durfte, war er für Film und Fernsehen einfach zu derb und politisch unkorrekt.



„Dolemite“ ist eine One-Man-Show, in deren Mittelpunkt Rudy Ray Moore steht – als Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion ist der Film ganz auf ihn zugeschnitten. Da kein großes Studio an dem Projekt interessiert war, war dieses Engagement nötig für Rudy Ray Moore, der sich so einen Traum von der eigenen Kino-Hauptrolle selbst erfüllte. Und es soll keineswegs verschwiegen werden, das „Dolemite“ ein hundsmiserables Machwerk gewordenist, einen wahren Bastard lässt Moore hier auf sein Publikum los: Stümperhaft geschnitten, bis in die kleinste Nebenrolle grauenerregend gespielt, dramaturgisch ein schlechter Scherz. Eigentlich stimmt so rein überhaupt nichts an „Dolemite“ und gerade diese Unbedarftheit, diese fast schon kindliche Ignoranz in Bezug auf Technik (wo man wieder bei Ed Wood wäre) machen den Film so unverschämt sympathisch. Und natürlich Rudy Ray Moore, der hier eine Paraderolle etablierte, die bis heute Kultstatus genießt: Den Zuhälter Dolemite – ein harter Brocken, der nur die nötigsten Sätze spricht, jeden umlegt, der ihm blöd kommt und sich vor willigen Frauen kaum retten kann. Diese Kunstfigur wirkt von der ersten Minute an so überzeugend, weil Rudy Ray Moore sie bereits viele Jahre zuvor entwickelte und zum Gegenstand seiner Stand-Up-Programme gemacht hatte.



Dieser Dolemite ist eine schrille Karikatur, die alle Blaxploitation-Klischees in sich vereint – immerhin war der „Pimp“ ein wichtiger und populärer Charakter-Typ innerhalb des Genres. Während die Martial-Arts-Einlagen in Filmen wie „Three The Hard Way“ an der schwachen Choreographie leiden und nicht an den mangelnden Fähigkeiten eines Jim Kelly, sind die Kampf-Szenen (wie so vieles andere auch) reine Parodie. Hölzern und ohne jede sichtbare Körperlichkeit, dient dienen sie ausschließlich der Belustigung – besonders aufgrund der Tatsache, das Rudy Ray Moore im Gegensatz zu Jim Kelly über keine echten artistischen Fähigkeiten verfügt.

Wo sich Filme wie „Superfly“ noch an einem moralischen Konflikt versuchten, stellt „Dolemite“ die Handlungen seiner Hauptfigur nicht in Frage. Der Pimp ist hier ein Freund des Volkes, beliebt bei den armen Ghetto-Bewohnern und in friedlicher Ko-Existenz mit den für ihn arbeitenden Huren lebend. An einer realistischen Darstellung ist Regisseur D'Urville Martin (vor der Kamera als Willie Green zu sehen) ohnehin nicht interessiert – sein Film ist die endgültige Entpolitisierung des Blaxploitation-Genres. Dolemite, dem grundsätzlich keiner ans Bein pissen kann, hat keine Probleme mit seiner Identität, mit rassistischen Vorurteilen oder Benachteiligungen. Dieser Typ nimmt sich was er will, fragt nicht nach Erlaubnis, bittet schon gar nicht um Entschuldigung. Ein typischer „Badass-Nigger“ also, nur mit dem Unterschied, das sich Dolemite nicht mit realen Problemen auseinander setzen muss – die Auflehnung gegen die weiße Tyrannei wird hier nicht zum Thema gemacht. Auch in seinen späten Interviews betonte Rudy Ray Moore immer wieder, das er niemals Schwierigkeiten wegen seiner Hautfarbe hatte. Aussagen wie diese mögen euphemistisch erscheinen, verdeutlichen aber die Distanzierung von politischen Diskursen.



Wie auch immer, Dolemite wird jedenfalls von den Behörden aus dem Gefängnis geholt weil er als Milieu-Kenner und Kampfsport-Supermann kräftig aufräumen soll in der Stadt. Selbst die Justiz (bei der er verständlicherweise keinen guten Ruf hat, angeblich würde kein Anwalt der Stadt seinen Fall aufnehmen) erkennt den populären Pimp also als das kleinere Übel an und tatsächlich haben sich die Umstände verschlechtert in den Slums. Leider spielt die auf dem Plakat angekündigte „All-Girl army of Kung Fu Killers“ eine kaum nennenswerte Rolle – was sich nicht gerade über die Garderobe der Hauptfigur sagen lässt. In beinahe jeder Szene trägt Dolemite ein anderes Outfit, eines schriller und extrovertierter als das andere. Nicht umsonst nennt Rapper Snoop Dogg (ebenfalls für ungewöhnliche Pimp-Kleidung bekannt) Rudy Ray Moore als entscheidende Inspirationsquelle. Mit selbstverständlichem Stolz trägt Moore jedes noch so abgefahrene Outfit und verleiht seinem Charakter bei aller Lächerlichkeit noch eine Würde, welche die Komik um die Figur zusätzlich begünstigt.



Bei allem Vergnügen, das der Film zweifelsfrei bereite kann, ist er doch nicht im klassischen Sinn 'unterhaltsam' – zu sprunghaft und zerfahren wird der Feldzug von Dolemite erzählt, ohne jede Konzentration auf einen übergreifenden Spannungsbogen. Immer mal wieder landet Rudy Ray Moore mit verschiedenen Frauen im Bett, ermittelt nebenbei ganz lässig und schüttelt hin und wieder einen Feind ab. Gegen Ende befindet er sich in seinem Element als er in einem Nachtclub ein Publikum unterhält und seine Entertainer-Muskeln spielen lässt. Doch betrachtet man die einzelnen gelungenen Szenen in ihrer Gesamtheit, fehlt es deutlich an Drive. Unterm Strich ist „Dolemite“ daher eine seltene und sehr obskure Mischung aus gewolltem und unfreiwilligem Humor, aus gelungener Stilisierung und katastrophal missglückter Technik. Echt komödiantisch funktioniert die von Rudy Ray Moore verkörperte Hauptfigur, ihre alberne Kampfkunst, inklusive der ausgeflippten Garderobe und dem gänzlich bescheuerten Umfeld. Die dilettantische Inszenierung erklärt den Film dann aber andererseits zu reinrassigem Trash, für den man unbedingt ein Faible mitbringen muss, um ihn zu goutieren. Die wesentlich bessere Fortsetzung „The Human Tornado“ spielt dann aber schon in einer ganz anderen Liga...

4,5/10

Der Trailer als Vorgeschmack:



Zudem scheint es den Film derzeit auf youtube in voller Länge zu geben. Hier der erste von neun Teilen. Bei Interesse dann weiter zusammen suchen - Bild- und Tonqualität ist sehr gut und wesentlich besser als im Trailer...

Montag, 24. August 2009

TV Tipps 24.08. - 28.08.09




Montag

Undercover Brother (Tele 5)
Erfrischende Parodie auf das Blaxploitation-Genre mit einem wunderbaren Eddie Griffin in der Hauptrolle, der für die Figur geradezu prädestiniert ist. Weit weg vom Bodensatz der Scary Movies und überaus kenntnisreich geschrieben...

Good Morning Vietnam (Kabel)
Misslungener Hybrid aus satirischer Komödie und dramatischem Kriegsfilm mit einem schwer nervigen Robin Williams in der Hauptrolle. Ist aber sehr lange her bei mir...

Mighty Ducks (Super-RTL)
Als Kind fand ich den super, kann in einem Atemzug mit „Cool Runnings“ genannt werden. Emilio Estevez überzeugt neben erfrischenden Kinderdarstellern...

Platoon (Kabel)
Moderner Klassiker von Oliver Stone, bekannt als einer der besten Filme über den Vietnam-Krieg. Tatsächlich ist der Film problematisch in seiner Unentschlossenheit zwischen Emotionalisierung und nüchterner Darstellung. Darstellerisch allerdings grandios und mit vielen unvergessenen Bildern immer noch empfehlenswert...

Dienstag

2 Asse trumpfen auf (Kabel)
Robsinsonade mit Bud Spencer und Terence Hill. Obwohl der bis dato schlechteste Film des Duos, gehört er noch heute zu meinen Favoriten – ungeachtet der rassistischen Darstellung der Eingeborenen. Herrlich infantiler Blödsinn, der mir vor allem in der ersten Hälfte zusagt...

Femme Fatale (Das Vierte)
Übermäßig langweiliger und prätentiöser Film Noir von Brian de Palma. Vor allem in den Hauptrollen unsäglich schlecht gespielt, von Fans des Regisseurs allerdings zum Meisterwerk erklärt. Vielleicht nochmal ansehen?

Harte Ziele (Kabel)
Hollywood-Einstand für den ehemaligen Action-Magier John Woo. In den reichlich vorhandenen Krawall-Szenen noch ganz Hongkong-Kino, handelt es sich definitiv um einen der besten Filme mit Van Damme.

Cold Blooded (Timm TV)
Einer der 90-er Geheimtipps auf dem Schwulensender, den aber meines Wissens nach kaum jemand empfängt. Soll aber nicht unerwähnt bleiben: Wallace Wolodarsky, ehemaliger Simpsons-Autor, gelingt ein herrlich morbides, schwarzhumoriges Regie-Debüt mit einem starken Jason Priestly...

Lolita (SWR)
Erzählerisch dichte Litaraturverfilmung von Stanley Kubrick. Nicht nur wegen Peter Sellers ein Klassiker...

Geschenkt ist noch zu teuer (ARD)
Harmlos-unschuldige Komödie mit einem jungen Tom Hanks. Jede Menge Slapstick und eine liebenswerte Story garantieren unverbindliche Unterhaltung ohne jeden weiteren Nährwert. Sympathisch, aber auch belanglos...

Mittwoch

Edward mit den Scherenhänden (Super RTL)
Bitter-süßes postmodernes Märchen von Tim Burton. Einfach zauberhaft und inszenatorisch perfekt...

Leaving Las Vegas (ARD)
Hart an der Grenze zum Kitsch inszeniert Mike Figgis sein schwermütiges Säufer-Drama mit Nicolas Cage in einer seiner besten Rollen. Nicht uninteressant aber trübsinnig und teilweise etwas ungelenk erzählt...

Der Pate von Mumbai (Arte)
Bollywood-Reihe auf Arte. Dieser Gangsterfilm scheint sich extrem an amerikanischen Vorbildern zu orientieren, wird aber von Kritikern hoch gelobt. Vielleicht einen Blick wert, auch wenn man mit Bollywood nichts anfangen kann – ich persönlich habe noch keinen einschlägigen Film gesehen...

Keoma (SWR)
Nihilistischer Italo-Western, gleichzeitig einer der letzten seiner Art. Als das Genre schon von zur genüge parodiert wurde und schon im Sterben lag, schuf Enzo G. Castillari überraschend noch einen der besten Vertreter seiner Gattung. Mit Franco Nero...

Donnerstag

Der Diamantencop (Sat.1)
Action-Komödie mit Martin Lawrence – albern, vorhersehbar und lahm.

Space Cowboys (Vox)
Clint Eastwood meint es ein wenig zu gut mit der Verklärung seiner ergrauten Stars. Der verspätete Trip ins All profitiert von spielfreudigen Darstellern alter Schule und deren kernigem Charme. Pathetisch und klischeehaft, von Eastwood aber unterhaltsam auf die Leinwand gebracht.

Meine Braut, ihre Schwiegereltern und Ich (ARD)

Ein gut gelauntes Ensemble macht diesen eigentlich unnötigen Aufguss des ersten Teils sehenswert. Temporeich, mit hoher Gag-Dichte und ebenso hoher Trefferquote, das Drehbuch ist aber schon sehr konstruiert um überhaupt einen neuen Konflikt zu erschaffen.

Freitag

Vier Dinos in New York (BR)
Spielberg und seine Dinosaurier. Nach der Produktion von „In einem Land vor unserer Zeit“ schon der zweite Zeichentrickfilm mit Dino-Thematik. Diesmal aber weniger melancholisch, actionreicher und moderner. Ob das jetzt besser ist, soll jeder für sich entscheiden aber Spaß machen kann der Film schon...

Auf Kriegsfuß mit Major Payne (RTL 2)
Militär-Propaganda für die ganz Kleinen mit Damon Wayans, der seine Sache hier ordentlich macht. Als Kind fand ich den gut und das scheint vielen so zu gehen. Seine Zielgruppe scheint der Film also zu erreichen...

Scream 2 (RTL 2)
Wäre nicht der dümmliche Twist zum Schluss, so würde diese grandiose Fortsetzung seinem Vorgänger auf Augenhöhe begegnen. Sehr witzig, gemein und streckenweise extrem spannend...

Pusher (Tele 5)
Das Debüt eines jungen Meister-Regisseurs. Wuchtig, authentisch und darstellerisch brillant, gehört „Pusher“ sicherlich zu den besten Debüt-Werken der Filmgeschichte. Bei allem Realismus hat der Film ästhetisch nichts mit dem Dogma-Kino zu tun, ebenso wenig mit dem tarantinoeskem „In China essen sie Hunde“. Gefolgt von zwei Fortsetzungen...

Silent Rage (Tele 5)
Mein Lieblingsfilm mit Chuck Norris. Die krude Mixtur aus Action, Horror und Thriller besticht vor allem durch atmosphärische Dichte und eine beachtliche Spannungskurve, die nur selten durch das Unvermögen des Hauptdarstellers ausgebremst wird...

Sonntag, 23. August 2009

Three The Hard Way - Drei eiskalte Profis (1974)



Zwei Jahre nach seinem erfolgreichen Zuhälter-Drama „Superfly“ und nur kurz nach dem wenig bekannten Western „Thomasine & Bushrod“ inszenierte Gordon Parks Jr., Sohn des Regisseurs von „Shaft“, seinen dritten Blaxploitation-Reißer. „Three The Hard Way“ kann als ein Highlight dieser filmischen Strömung gewertet werden, wenn er auch in die Kategorie 'unfreiwillige Komik' fällt. Schon die Besetzung mit den drei bekanntesten männlichen Stars des Blaxploitation-Kinos verspricht geballte Testosteron-Power: Eigentlicher Hauptdarsteller ist der ehemalige Football-Profi Jim Brown (dem Spike Lee bereits eine Dokumentation widmete), der durch Hauptrollen in „tick...tick...tick...“ und „Slaughter“ eine erfolgreiche Schauspielkarriere begann. Hier spielt er außerordentlich trocken den abgeklärten Musikproduzenten Jimmy, der durch Zufall an ein weltweites, rassistisches Komplott gerät. Ein böser arischer Industrieller samt Mad Scientist, plant die schwarze Rasse zu vernichten und das dazugehörige Mittel (das praktischerweise für weiße Menschen harmlos bleibt während es auf dunkle Haut tödlich wirkt) ist bereits vom erwähnten Wissenschaftler gefertigt. Glücklicherweise kann ein Opfer aus dem einem Gefangenenlager fliehen und so seinem alten Freund Jimmy vor dem schon begonnenen Holocaust warnen. Im Krankenhaus wird der Verletzte Ausreißer umgebracht, kurzerhand parken die Gangster mit einem Kranwagen (!) vor dem Krankenhaus, steigen durchs Fenster ein und erschießen den unliebsamen Zeugen. Um die Dramaturgie des Films dann in Gang zu bringen, entführen sie vollkommen grundlos die Freundin von Jimmy, der gerade im Studio an einer neuen Platte arbeitet.



Als er von der Entführung erfährt, kommt die Polizei (dargestellt durch einen hilflosen, natürlich weißen Beamten) als Hilfe nicht in Frage. So wendet sich der erfolgreiche Produzent lieber an seinen alten Freund Jagger Daniels, womit der zweite Hauptdarsteller, Fred Williamson, eingeführt wird. Ebenso charismatisch und cool wie Jim Brown verfügt dieser darüber hinaus über einnehmend sympathische Gesichtszüge und bringt mit lockeren Sprüchen einen lässigen Humor in den Film. Schon die Besetzung mit Fred Williamson, der seinen Durchbruch 1972 mit „Hammer“ feierte, kann nur ein Gewinn für jeden Blaxploitation-Film sein. Tatsächlich bleibt seine Performance die überzeugendste in „Three The Hard Way“, vielleicht auch aufgrund des nötigen Quentchens Selbstironie, das Williamson ausstrahlt – so folgt er bereitwillig, um seinem Freund beizustehen, nicht aber ohne in weiser Vorausahnung direkt die Knarre einzustecken. Diese ironische Distanz scheint zumindest dem dritten Hauptdarsteller zu fehlen, der nur kurz nach Williamson eingeführt wird. Um das Team zu verstärken, wenden sich die beiden Freunde an den den Kampfsport-Lehrer Mister Keyes – gespielt von Jim Kelly.

Mister Keyes schlägt gerade eine Polizei-Truppe auf offener Straße zusammen, weil einer der rassistischen Cops ihm leicht blöd gekommen ist. Nach dieser Schlägerei, die mit peinlichen Zeitlupen ihre eher armselige Choreographie zur Schau stellt und dies noch mit trashigen Sound-Effekten garniert, ist das Team komplett. Jim Kelly ist mit Sicherheit weniger zum Filmstar geschaffen als seine beiden bereits eingeführten Kollegen. Zu unbeholfen seine Mimik, zu wenig kraftvoll seine Leinwand-Präsenz. Nichtsdestotrotz verfügt er über einen großen Wiedererkennungswert, dem er seinen Martial-Arts-Fähigkeiten zu verdanken hat. Nach einer Rolle neben Bruce Lee“ in „Enter The Dragon“ wurde aus Jim Kelly ein Kuriosum des Blaxploitation-Kinos, wie geschaffen für verrückte Crossover mit dem Kung-Fu-Genre aus Asien. Diese drei Haudegen nehmen es also mit jeder Armee auf und erleben im gesamten restlichen Film auch keinen Rückschlag. Kein Gegner ist ihnen gewachsen, jeder wird mühelos umgepustet oder eben weg geboxt. Jimmys Freundin hat keinen Zweifel, das die drei sie retten werden und zeigt keinen Moment Angst während ihrer Gefangenschaft.



Diese Unantastbarkeit der Helden wird mit voran schreitender Laufzeit zunehmend langweilig und eindimensional, was aber größtenteils abgefedert wird von unterhaltsamen Action-Einlagen. Viel eher überrascht der Eindruck, das die drei Hauptdarsteller sich mit ihrem Ego im Weg stehen und als Gruppe kaum harmonisch funktionieren. Während Williamson ein amüsantes Abenteuer zu erleben scheint, bleibt Jim Brown stets zurückhaltend – was durchaus ein heterogenes Kumpel-Paar ausmachen könnte. Zwischen den beiden steht aber kein Konflikt, keine Reibungsfläche. Jim Kelly und seine Kampfsport-Szenen (im ganzen Film benutzt er keine Schusswaffe, wirft diese sogar verächtlich weg, wenn sie ihm in die Hände geraten) untermauern den Eindruck, das hier einfach jeder sein eigenes Ding macht. Aus diesem Ungleichgewicht entsteht zwar durchaus Abwechslung, dennoch wollen sich die unterschiedlichen Schauspieler einfach nicht in eine Gruppe verwandeln, der man gemeinsam entwickelte Kräfte auch abnimmt. So besteht eine gesamte Sequenz aus einer Solo-Aktion von Jim Kelly, für die er sogar einen eigenen Sidekick zur Verfügung gestellt bekommt – einen seiner Schüler.



Auch zwischen ernsthafter politischer Absicht und überzogener Farce scheint sich Gordon Parks Jr. nicht so recht entscheiden zu können; ein Problem, das schon „Superfly“ anhaftete. So leitet die Anfangssequenz den Film überaus düster und brutal ein: Im bereits erwähnten 'Lager' werden Afroamerikaner in Zellen gefangen gehalten – erst später erfährt man von den Ausmaßen dieses Szenarios. Wenn sich der Gefangene auf seiner Flucht zwischen menschlichen Leichen verstecken muss und einen Wärter tötet, dann entfaltet sich angesichts der beklemmenden Kulissen eine unangenehme Atmosphäre. Auch im weiteren Film findet sich kein Glamour, keine optische Extravaganz. Die Stadtbilder sind trist, die gezeigten Räumlichkeiten karg eingerichtet. Diesem eher realistischen Look steht eine haarsträubende Story gegenüber, die eine Verschwörung im James-Bond-Format anbietet und einige skurrile Details beinhaltet. Eine wirklich bedrohliche Stimmung kommt aber nie auf, schon aufgrund der Zeichnung der Bösewichte: Wenn diese vor ihrer faschistischen Flagge (mit SS-Zeichen in der Mitte) salutieren, hängt diese nur impotent herunter – nichts glorioses oder anziehendes haben diese erbärmlichen Schurken. Das mag zum Konzept passen, ist innerhalb der Spannungskurve des Films aber keineswegs förderlich. Nach einem flotten Beginn, entwickelt sich die Geschichte eher unspektakulär und weitgehend ohne Höhepunkte. Auch der sexuelle Aspekt ist zurück geschraubt auf ein Minimum, was im Blaxploitation-Bereich heißen will: Einige entblößte Brüste sind zu sehen und die Hauptfiguren sind selbstverständlich Hengste – was aber für die Story gar keine Rolle spielt. Jim Kelly hält sich zurück, Jim Brown darf nicht weil er seiner entführten Frau treu bleibt und Fred Williamson erlebt als einiger ein kurzes und unwichtiges amouröses Abenteuer.



Auch wenn sich die Geschehnisse mit ansteigender Monotonie entwickeln und sich die Hauptdarsteller eher im Weg stehen als miteinander zu harmonieren, handelt es sich doch um ein gefälliges Spektakel. Gordon Parks Jr. Inszeniert knackig und mit einem guten Timing für Action und trockenen Humor - so sind die Verfolgungsjagden wesentlich temporeicher und versierter gefilmt als die erbärmlichen Kampf-Szenen mit Jim Kelly und auch die sparsam dosierten Pyro-Effekte hinterlassen einen guten Eindruck. Wie viele andere Blaxploiter, funktioniert „Three The Hard Way“ auch dank einem tollen Score, der entspannten Soul mit flippigem Funk verbindet und darüber hinaus auf leitmotivisch eingesetzte Sound-Effekte aufbaut. Nervöse, zischende und enervierend quietschige Geräusche verkünden mit ihrem Einsatz Unheil und Verderben. So ausgeklügelt das gerade am Anfang und am Ende erscheint, so unbeholfen werden die Kampfszenen akustisch gestaltet. Überhaupt lässt sich schwer sagen, ob „Three The Hard Way“ sich nun ernst nimmt oder sich darüber im Klaren ist, welch hanebüchener Blödsinn hier ganz nüchtern verkauft wird. So comic-artig die Geschichte auch anmuten mag, von der grellen Überzeichnung eines „The Human Tornado“ ist der Film noch meilenweit entfernt. Letztlich bleibt er ein Zwitterwesen aus Parodie und Naivität, findet keine erkennbare Linie und nutzt sein wahnsinniges Thema nicht konsequent genug aus. Ein Werk der verschenkten Chancen also, das aber Spaß machen kann und für Genrefans Pflichtprogramm sein sollte – als Einstieg in die bunte Blaxploitation-Welt aber nur bedingt geeignet.

5,5

Hier der Trailer, den ich auf youtube nicht finden konnte:

Donnerstag, 20. August 2009

Inglourious Basterds (2009)

Achtung: Kritik enthält einige Spoiler!!



Es gehört schon eine gehörige Portion Mumm dazu, einen Film wie „Inglourious Basterds“ auf die Leinwand zu bringen – doch Tarantino hat mit jedem Film aufs Neue bewiesen, das er nichts beweisen muss und sich schon gar nicht einer Erwartungshaltung des Publikums anbiedert. Wieder wird Skeptikern kaum etwas übrig bleiben als die Waffen zu strecken, dem neuen Film des gefeierten Kultstars Respekt zu zollen und anzuerkennen, das hier jemand am Werk ist, der Kino als Handwerk sowie als Leidenschaft vollends verstanden zu haben scheint. Nur so lässt sich erklären, mit welcher Virtuosität jede einzelne Szene inszeniert ist und wie leicht dem Regisseur dies von der Hand zu gehen scheint. Kein Zweifel, nur bei den ganz Großen kann es so einfach aussehen.



„Inglourious Basterds“ bringt nicht nur die Kaltschnäuzigkeit mit, die Nazi-Schergen als Pulp-Bösewichte zu zeichnen und das geschichtlich so sensible Thema der Judenverfolgung im Dritten Reich bewusst im Sinne zynischer Unterhaltung auszuschlachten. Das Trivial-Epos erdreistet sich darüber hinaus, ganz ohne Gewissensbisse, die Geschichte signifikant umzuschreiben und sowohl Hitler als auch Goebbels mitsamt der restlichen Nazi-Prominenz im Kugelhagel sterben zu lassen. Dieses revisionistische Detail wird mit souveräner Selbstverständlichkeit vollzogen und hebt die Künstlichkeit der Groschenroman-Story explizit hervor, die sich lose am italienischen Exploitation-Kultfilm „Ein Haufen verwegener Hunde“ mit Fred Williamson orientiert.

Nur jemand wie Tarantino kann es sich wohl erlauben, einen derartig aus dem Kontext gehobenen Film zu erzählen, der sich rein kinematografisch definiert und sich vehement jeder ideologiekritischen Leseart verwehrt. „Inglorious Basterds“ will nicht zu Tode analysiert und interpretiert, sondern als audiovisueller Rausch genossen werden, als Trip in das eskapistische Wunderland des Kinos. Hier ist es dann auch möglich, Goebbels als psychisch labilen Lustmolch darzustellen und Hitler als einfach gestrickten Machtmenschen, der sich selbstverliebt porträtieren lässt mit der Reichsflagge als Umhang. In der betreffenden Szene ähnelt Hitler einem ins Gegenteil verkehrten Trash-Superman des Nationalsozialismus, inklusive buntem Cape – doch dieser geifernde, hässliche alte Mann zeigt keine Spur von heroischer Größe sondern ist reine Karikatur.



Auch wenn sich Hitler von allen Figuren der Geschichte wohl am besten eignet für Spott und Parodie, geht Tarantinos Ansatz noch einen entscheidenden Schritt weiter: Wenn der Führer und sein Propagandaminister zum Schluss gut sichtbar in Fetzen geschossen werden, dann nimmt ihnen die perfide Inszenierung jede verbliebene Menschlichkeit und jeden Respekt vor ihrem Tod. Sie werden vereinnahmt vom Exploitation-Kino, das bei Tarantino selbstredend eine besondere artifizielle Note erhält und mit oft zitierten Vorbildern des Regisseurs wenig gemein haben. Dennoch ist jede Bildkomposition ein Kniefall vor Sergio Leone, vor dessen epochalen Western sich Tarantino schon seit „Kill Bill Vol. 2“ aber keineswegs mehr verstecken muss. Unverhohlen zitiert der Film auch ausgiebig die faschistische Ästhetik der Propaganda-Werke von Leni Riefenstahl, doch durch die absolute Entbindung des Geschehens von der verbürgten Geschichtsschreibung nimmt sich Tarantino ganz frech jede künstlerische Freiheit, ohne politische Korrektheit berücksichtigen zu müssen.

Einmal mehr erweist sich der Kultregisseur als Meister der Montage und der feinsinnig geschriebenen Dialoge, deren Lakonie immer noch wie aus dem Ärmel geschüttelt wirkt, die sich inhaltlich aber enorm weiter entwickelt haben. Das gleiche gilt für die sichere Hand bei der Typ-Besetzung jeder noch so kleinen Rolle – selbst Til Schweiger, Mike Myers oder Eli Roth fügen sich trotz ihrer limitierten Fähigkeiten nahtlos in das eindrucksvolle Ensemble. Eine besonders intensive Leistung zeigt der in Cannes mit dem Darstellerpreis prämierte Christoph Waltz, der als verschlagener und hoch intelligenter „Judenjäger“ eine Figur von ausgeprägter seelischer Abartigkeit schillernd und charismatisch-anziehend anlegt. Auch August Diehl und die betörend schöne Französin Mélanie Laurent können sich zusätzlich hervor tun, was aber nicht die Gesamtleistung des Ensembles schmälern soll.



Jede Geste, jede mimische Regung, jede noch so unscheinbare Nuance wird von Tarantino versiert zu einem makellosen Meisterwerk verdichtet, das diesen inflationär verwendeten Begriff in vollem Umfang verdient. Denn nur ein Meister kann ein solches Werk schaffen – einen Film, der sich sein eigenes Paralleluniversum schafft, in dem das Kino alles möglich macht. Eine Was-wäre-wenn-Geschichte wird allerdings nicht erzählt, am Ende ist einfach alles machbar. So wie es im Kino eben sein sollte.

Von jeder moralischen Verpflichtung befreit und aller historischer Vorgaben entledigt, gelingt Tarantino ein Film, der nicht durch die Summe einzelner Qualitätsmerkmale ins Auge fällt sondern ein ästhetisch kohärentes Gesamtwerk darstellt, das mit einer seltenen Geschlossenheit und Dichte brilliert. Jedes weitere Wort wäre überflüssig, denn selten hat ein Film so allumfassend für sich selbst gesprochen...

10/10

Dienstag, 18. August 2009

Transformers 2 (2009)




Mit „Armageddon“ und „The Rock“ hat Michael Bay bewiesen, das sein „Stil“ (Hochglanz-Werbebilder mit einem kräftigen Schuss Pathos) durchaus sinnvolle Anwendung finden und zugleich Spaß bereiten kann. Speziell ersterer glänzt mit einem bunt durchmischten, bis in die kleinste Nebenrolle prominent besetzten, Ensemble und der nötigen Selbstironie. Die beschränkt sich in „Transformers II“ lediglich auf ein deutlich sichtbares „Bad Boys“-Plakat – ähnlich wie der Humor auf platteste Zoten reduziert ist. Da sieht man zwei kleine Hunde beim Vögeln und soll das nun witzig finden. Auch die bemühten, niemals charmanten Sprüche der Roboter, offenbaren deutlich das angepeilte Niveau – diese Konzentration auf den allerletzten gemeinsamen Nenner scheint aber durchaus anzukommen, urteilt man nach dem Gejohle im voll besetzten Kinosaal.

Zumindest möchte man aber meinen, das „Transformers II“ im Kino gesehen werden will, mit Schauwerten beeindruckt, die für aufdringliche Propaganda und das Weglassen einer schlüssigen Dramaturgie entschädigen. Und wie erwartet, feuert Bay aus allen Löchern, reiht eine martialische Zerstörungsorgie an die nächste, lässt einmal mehr die verblüffenden Computer-Tricks die Hauptrolle übernehmen. Im Vergleich zum Vorgänger, der rein visuell neue Maßstäbe gesetzt und die Möglichkeiten des Mediums neu abgesteckt hatte, haben diese aber keine entscheidende Evolution durchlaufen, was nur zwei Jahre später auch keine Überraschung ist. So knüpft der zweite nahtlos an den ersten Teil an, geht aber noch verschwenderischer mit tosender Action um.

Bereits nach einer Stunde geht das ermüdende Dauergefecht aber schwer auf die Nerven, vor allem, weil Michael Bay auch den letzten Rest Interesse für Spannungsaufbau oder Storytelling über Bord geworfen hat.

Ähnlich wie in der inszenatorischen Katastrophe „Bad Boys 2“ findet der Film keine Linie, keine Mitte, keine Höhepunkte und – am schlimmsten von allem – kein Ende. Noch bevor der eigentliche Konflikt überhaupt richtig eingeleitet ist, hat man sich bereits satt gesehen an transformierenden Robotern und anhaltenden Explosionen. Wenn man nach der schwachsinnigen Pre-Title-Sequence noch nicht den Saal verlassen hat...

Eigentlicher Held sind – wie schon im ersten Teil – nicht etwa die Roboter sondern vielmehr das US-Militär, dessen Technologie ebenso glanzvoll ins Bild gerückt wird wie der glänzende Stahl der titelgebenden Spielzeuge. Nicht selten wirken die gesamten Handlungen wie um das Army-Equipment herum konstruiert – auch der selbstverständliche Eintritt in die Dienste der Vereinigten Staaten könnte aufdringlicher kaum formuliert werden, vor allem, wenn auch noch erwähnt wird, wie schlecht und primitiv der Mensch doch sei.

Neben „Pearl Harbor“ und „Bad Boys II“ also der dritte Totalausfall des viel gescholtenen Michael Bay. Ein weiterer Beweis für den kulturellen Verfall des jugendlichen Zielpublikums, die offensichtlich jeden noch so verkorksten Müll abfeiern, so lange es ordentlich kracht bzw. ein paar heiße Chicks mitspielen. Ein Armutszeugnis, die entsetzlichen Defizite immer wieder mit den gleichen Argumenten weg waschen zu wollen: Es handelt sich schließlich nur um Popcorn-Kino oder reine Unterhaltung, über die nicht nachgedacht werden soll und darf.

Auf der anderen Seite rümpfen Cineasten wahrscheinlich schon vorher verächtlich die Nase, was einem Dialog zwischen „anspruchsvollem“ und „anspruchslosem“ Kino sicher nicht förderlich ist. Der Film ist natürlich trotzdem ein einziges Brechmittel...

01/10


Der Text ist direkt nach dem Kinobesuch entstanden und daher schon etwas älter. Hatte mir eigentlich noch eine Erweiterung vorgenommen, habe da aber ehrlich gesagt keine Lust mehr drauf. Der Film ist einfach zu schlecht um sich noch weiter damit zu beschäftigen - außerdem gibt es ja bereits unzählige Reviews, in denen alles gesagt wird. Trotzdem wollte ich den Text nicht löschen, damit hat mir der Kinobesuch wenigstens einen Blog-Eintrag gebracht...

Aber was macht die Filme von Michael Bay so anziehend und erfolgreich? Hier der Versuch einer Analyse dieser Problematik: ;)

Pariah - Social Outcasts (1997)

Noch vor der Blaxploitation-Reihe ein paar Worte zum relativ unbekannten Film "Pariah" aka "Social Outcasts", der nun mit über zehn Jahren Verspätung in Deutschland auf DVD erschienen ist. Den Film möchte ich nachdrücklich empfehlen, von der deutschen Erstveröffentlichung aber dringend abraten. Die Synchronisation habe ich gar nicht nicht erst begutachtet da anscheinend über 15 Minuten fehlen. Derartig verstümmelt macht die Veröffentlichung natürlich keinen Sinn...



Nachrichten aus der ideologischen Endzeit

Viele Filme haben sich daran versucht, einen Blick in die verblendete Weltanschauung eines Neonazis zu werfen oder aber die Mechanismen einschlägiger Organisationen zu untersuchen. Ironischerweise wurden fast alle diese Werke (als deren bekannteste Vertreter wohl „Romper Stomper“ und „American History X“ gelten dürfen und deshalb hier als exemplarische Beispiele heran gezogen werden) zu Kultfilmen in der rechtsradikalen Szene, deren Anhänger es immer wieder fertig bringen, jede noch so eindeutige Aussage ins Gegenteil und damit massiv falsch zu interpretieren. So ist die von Edward Norton gespielte Hauptfigur in „American History X“, Derek Vinyard, eine Ikone für viele Neo-Nazis, wenn auch eine fiktive. In erster Linie mag diese beständige Fehlinterpretation ihren Ursprung in der Tatsache finden, das die genannten Filme eine nüchterne Herangehensweise an die rassistische Ideologie wagen und dabei auch der Verführung und Faszination für anfällige Menschen Aufmerksamkeit schenken.

Dementsprechend bedienen sich beide Filme einer schillernden Hauptfigur – sowohl Derek Vinyard als auch Hando aus „Romper Stomper“ (gespielt von einem noch jungen und relativ unbekannten Russell Crowe) sind alles andere als tumbe Schläger. Beide sind gebildet, redegewandt und charismatische Führungspersönlichkeiten. Gleichwohl diese ambivalente Charakterzeichnung von Nöten ist, birgt sie eben auch die Gefahr der Anziehungskraft, der ein Zuschauer mit geringem Reflektionsvermögen nur allzu leicht erliegen kann. Das alles hat aber nur wenig mit „Pariah“ gemein, soll aber veranschaulichen, wie signifikant die Unterschiede in der Figuren- und Handlungskonstruktion sind. Randolph Kret verfolgt andere Ziele und begegnet dem Phänomen Rechtsradikalismus auf vollkommen andere Weise.



Zunächst einmal fehlt die angesprochene Hauptfigur, die den Verlockungen der Ideologie ein Gesicht gibt und diese mit geschickter Rhetorik vorträgt. Auch die Frage nach dem Ursachen interessiert Kret, der mit „Pariah“ seinen einzigen Film inszenierte, nicht einmal am Rande. Mitleidlos zeigt der Film seine Figuren als ausgestoßene Verlierer ohne Zukunft, die sich in einer endlosen Spirale aus Gewalt und Gegengewalt befinden. Daraus resultiert eine absolute Unmöglichkeit, das Gezeigte in irgendeiner Weise zu glorifizieren. Äußerlich wird daher fast auf jede Ästhetisierung verzichtet, der Look ist trist, trostlos und an wenig einladenden Originalschauplätzen sehr naturalistisch gefilmt – eine emotionale Distanzierung wird so unmöglich gemacht. Vordergründig geht es dabei um eine plakative Rachegeschichte.


Plot:Steve (Damon Jones) und seine afroamerikanische Freundin Sam (Elexa Williams) werden fortwährend belästigt und mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert, sowohl auf Seiten der weißen als auch der schwarzen Leute. Nach einem gemeinsamen Abend wird das Paar in einer Tiefgarage von einer Gruppe brutaler Nazi-Skinheads überfallen. Sam wird mehrfach vergewaltigt während Steve zusehen muss – noch in der gleichen Nacht nimmt sich die traumatisierte und gedemütigte Frau in der Badewanne das Leben. Für Steve bricht eine Welt zusammen.

Sieben Monate später hat sich der verbitterte Steve einem Racheplan zugewendet und sich äußerlich in einen radikalen Nazi-Skin verwandelt, inklusive Glatze, szenetypischer Kleidung und einschlägiger Tätowierungen. So will sich Steve in die Gruppe integrieren, die den Tod seiner Freundin auf dem Gewissen hat und von innen heraus brutale Rache nehmen. Doch die Aufnahme in die Clique verläuft alles andere als reibungslos...

Was sich abgedroschen und plump anhört, entwickelt seinen Reiz gerade aus dem Verzicht, sich an analytisch komplexen Diskursen zu versuchen. So ist nur in den seltensten Fällen überhaupt die Rede von nationalsozialistischen Ideen – nur am Rande wird von „Reinheit der Rasse“ gefaselt, die Ideologie funktioniert ausschließlich als Katalysator für unbestimmten Hass. Die Wut auf Schwule, Afroamerikaner und Juden ist hier wenig bis gar nicht in einem gedanklichen Konzept verwurzelt. Um die Perspektivlosigkeit zu verdeutlichen beschwört „Pariah“ eine endzeitliche Atmosphäre herauf – nur schwer vorstellbar, das sich die Figuren dem urbanen Niemandsland entziehen können, in dem sie ihr leidenschaftsloses Dasein fristen.



Ständig kommt es zu Gewalt-Eskalationen zwischen den Nazi-Skins und einer verfeindeten Gang von jungen schwarzen Verlierern. Keiner scheint einer geregelten Arbeit nachzugehen, soziale Kontakte finden ausschließlich unter „den eigenen Leuten“ ab. Angst vor dem Gefängnis scheint niemand zu haben, hemmungslose Gewalt ist das einzige Mittel, mit dem der Krieg hier geführt wird. Als Sam vergewaltigt wird, ist es für Steve nicht einmal eine Möglichkeit, zur Polizei zu gehen – ebenso wenig für die Homosexuellen, die am Ende einen Überfall auf einen der ihrigen mit der gleichen archaischen Gewalt vergelten. Die Polizei scheint nur am Rande zu existieren, findet in der hier geschilderten Parallelwelt keinen Platz – auch diese Zuspitzung erinnert eher an „Mad Max“ als an eine Milieustudie.

Trotz der reduzierten visuellen Machart erlaubt sich Randolph Kret einige ausdrucksstarke Sinnbilder, die ebenfalls auf den eingeschränkten Blick auf die Welt hinweisen, den die Figuren mit ihrem schwarz/weiß-Denken geschaffen haben. So befinden sich am Fenster des Aufenthaltsraumes, in dem die Skins die meiste Zeit abhängen, Gitterstäbe, die sich als Schatten auch durch das gesamte Zimmer ziehen und sich direkt auf den Gesichtern und Körpern niederlassen. Deutlicher könnte Kret kaum sein: Die Skins befinden sich bereits in einem Gefängnis – ein Gefängnis, das ihnen jede Chance für die Zukunft raubt, soziale Isolation bedeutet und in dem grundsätzlich nur weiterer Hass anwachsen kann.

Einen Blick über den Tellerrand dieser Einbahnstraße wird nur am Rande erwähnt, bis auf Steve und Sam als glückliches Paar am Anfang und Sams bürgerliche Schwester (die mit der Handlung aber kaum zu tun hat) werden keine „normalen“ Leute gezeigt sondern ausnahmslos subkulturelle Zusammenschlüsse verschiedener Minderheiten. Neben den schwarzen Gangs und den Nazi-Skins sind dies eigentlich nur die Homosexuellen, von denen aber genauso wenig einzelne Charaktere beleuchtet werden wie auf Seiten der Afroamerikaner.



Da aber kein eigentliches Gedankengut besteht, das die Skinheads vereint existiert in deren Welt nur eine diffuse Idee davon, wen man zu hassen hat und wen eben nicht. Das Motiv der Ausgeschlossenheit aus der Gesellschaft wird ins Zentrum des Interesses gerückt, was schon der Titel verdeutlicht. Der Begriff „Pariah“ wird im indischen Kastensystem für die Außenseiter verwendet – nicht etwa die niederste Kaste, sondern Menschen, die sich außerhalb des Systems befinden, als „unberührbar“ gelten und wie der letzte Abschaum behandelt werden. In dieser Hinsicht macht der Film keine eindeutigen Aussagen und verurteilt jene Versager auch nicht, die er dem Zuschauer zeigt. Ob die geistig verwahrlosten Männer und Frauen Opfer äußerer Bedingungen waren oder ihren sozialen Abstieg selber verschuldet haben, wird nicht klar und ist auch nicht wichtig. „Pariah“ fragt nicht danach, wie die Menschen wurden wie sie sind und bietet auch keine Lösungsansätze an.

Die authentisch geschriebenen Dialoge gleichen der Vulgärsprache in „Menace II Society“, der einen ähnlichen urbanen Alptraum beschreibt. Auffällig ist der inflationäre Gebrauch von Schimpfwörtern, welche die kurz angebundenen Sätze regelrecht zusammenhalten. In jedem Wort und jeder begleitenden Geste schwingt Provokation, Aggression und Geltungsbedürfnis mit, ein konstruktives Gespräch wird im ganzen Film nicht geführt – auch nicht von Hauptfigur Steve, für die es nur Rache als Ausweg geben kann. Das diese Rache nicht zu einer Katharsis führt, keine versöhnliche „Gerechtigkeit“ herbei führt, unterstreicht nur den erbarmungslosen Charakter dieses düsteren und unbequemen Films.

09/10

Hier der ziemlich irreführende weil reißerische Trailer, der überhaupt nicht zum Grundton des Films passt:

Montag, 17. August 2009

TV Tipps 17.08. - 23.08.09



Montag

Der zweite Atem (ARTE)
Gangsterfilm mit Lino Ventura vom großen Stilisten Jean-Pierre Melville. Kann eigentlich nur gut sein und da Arte erstmals die ungekürzte deutsche Fassung sendet (sagt die Fernsehzeitung) handelt es sich schon fast um ein Ereignis im tristen TV-Alltag...

Dinotopia 1 (Super RTL)
Teure TV-Mini-Serie, in der auch Terry Jones seine Finger im Spiel hatte. Trotz der beeindruckenden Landschaftsaufnahmen und aufwendigen Kulissen bleibt das Ganze aber eben nur Fernseh-Kost mit dröger Dramaturgie. Die skurrile Story um eine zivilisierte Ko-Existenz zwischen menschen und intelligenten Dinosauriern bietet Platz für Humor, Action und Spannung und ist ungeachtet aller Defizite zumindest im ersten teil unterhaltsam geraten. Die weiteren Folgen laufen Morgen und Übermorgen...

Dienstag

2 Missionare (Kabel)
Kein Evergreen mit Spencer und Hill, dennoch eine flott erzählte und herrlich einfach gestrickte Komödie. Geht eigentlich immer, ist aber auch kein „Zwei wie Pech und Schwefel“...

Pale Rider (Tele 5)
Mythisch überhöhter Abgesang auf das Western-Genre von Clint Eastwood, der an sein frühes Meisterwerk „Ein Fremder ohne Namen“ anknüpft. Auch wenn Eastwood hiermit erstmals die seriöse Kritik auf sich aufmerksam machte, wird der Film rückblickend sträflich vernachlässigt...

The Replacement Killers (Kabel)
Einfacher Actionfilm, der sich ganz dem Kino von John Woo verpflichtet fühlt, dieses bis ins Detail nachstellt und daraus auch keinen Hehl macht. Überraschend gelungen, aber eben nur gut geklaut...

Psycho (NDR)
Hitchcocks vielleicht effizientester und am ehesten auf den Punkt gebrachter Film, allerdings bei weitem nicht mein Liebling und wohl auch nicht der beste vom Meister...

Mittwoch

Werner – Volles Rooäää (Kabel)
Erster wirklich misslungener Werner-Film, der einfach nicht mehr ins Kino gehört. So charmant und milieugenau die Comics auch sein mögen, erzählerische Dichte will sich einfach nicht einstellen....

In & Out (BR)
Vor gefühlten tausend Jahren im Kino fand ich den sehr amüsant, seitdem nie wieder gesehen...

Muxmäuschenstill (HR)
Beißende Satire, die bitterböse mit deutschen „Tugenden“ abrechnet und das Ganze in einer unverstellten Homevideo-Optik präsentiert, der man sich schwer entziehen kann. Auch wenn das Ende ein wenig entgleist wirklich sehenswert...

Donnerstag

Das Geisterschloss (Sat.1)
Oberflächlicher Mainstream-Horror, dem jeder Sinn für Subtilität fehlt. Das Geisterhaus-Setting wird vollends verschenkt zugunsten aufdringlicher Effekte, die ihre Funktion nur selten erfüllen...

Johnny English (Vox)
Nervtötende Agenten-Parodie mit dem unerträglichen Rowan Atkinson, der seine infantilen Grimassen anscheinend urkomisch findet und mal wieder einen „Film“ drum herum kurbelt. Zum Kotzen schlecht...

Freitag

Scoop (ZDF)
Sehr mildes Spätwerk von Woody Allen, der auch als idealer Einstieg in dessen Gesamtwerk geeignet ist. Auch wenn die gedankliche Tiefe seiner bedeutenderen Filme nur gestreift wird, eine der besten Komödien des neuen Jahrtausends. Wunderbar geschlossen erzählt und vorzüglich gespielt...

Samstag

Mrs. Doubtfire (Vox)
Allmählich liegt schon fingerdicker Staub auf dieser erzkonservativen Pro-Familia—Komödie mit Robin Williams in Frauenkleidern. Fand ich als Kind klasse aber selbst da war mir schon die Moral am Ende zu sülzig aufgetragen...

Asterix in Amerika (Sat.1)
Nach „Asterix erobert Rom“ der erste Teil der Reihe, der nicht auf einer Comic-Vorlage basiert. Merkt man dann leider auch an mangelhaftem Timing, fehlendem Witz und an der lieblos konstruierten Story, die nichts weiter als ein müdes Abziehbild des Bandes „Die große Überfahrt“ ist. Kann man sich schenken, fand ich schon vor Urzeiten im Kino blöd...

Grasgeflüster (BR)
Vergnügliche Feel-Good-Komödie aus England, die nicht viel mit dem Label „Kifferfilm“ zu tun hat. Glücklicherweise, denn hier gibt es eine schöne Story mit ernsten Zwischentönen, starke Schauspieler und warmherzigen Witz...

Scary Movie 2 (Pro 7)
Noch beschissener als der erste Teil. Die Wayans-Brüder können einfach keine Filme drehen...

Frankenfish (Pro 7)
Warum dieser B-Schrott so abgefeiert wurde, kann ich mir nicht erklären. Schlechte CGI-Effekte, schleppende Handlung, wenig Action – wer auf diesen Direct-to-DVD-Kram abfährt kann aber einschalten...


Sonntag

Apocalypto (Pro 7)
In der ersten Hälfte gelingt Mel Gibson ein stark bebilderter Naturfilm, der sich leider einer allzu konventionellen Dramaturgie zuwendet und so einiges an Glaubwürdigkeit verliert...

Banana Joe (Das Vierte)
Solo-Auftritt von Bud Spencer. Relativ unspektakulär und gewohnt trivial, versteht es Regisseur Corbucci doch, aus der langweiligen Geschichte einen gewissen Schwung heraus zu kitzeln...

Tommy (3Sat)
Visuell bestechende Verfilmung der gleichnamigen Rock-Oper von The Who, denen mit dem Album einer der wichtigsten Beiträge zur Geschichte der Rockmusik gelang. Die Verfilmung ist jedenfalls ein Augen- und Ohrenschmaus sondergleichen mit vielen skurril besetzten Stars...

Being John Malkovich (Tele 5)
Die echte Postmoderne. Eins der besten Drehbücher der 90er-Jahre und immer wieder ein irres Filmerlebnis. Abgefahrenes Kino, das sich keineswegs an den eigenen cleveren Wendungen ergötzt sondern echte emotionale Tiefe besitzt...


Anmerkung: Nach langer Zeit habe ich mich endlich noch zu den TV-Tipps aufgerafft. Die Sendezeiten habe ich aus Faulheit weg gelassen - die kann man aber auch selbst nachsehen, Titel und Tag sind ja angegeben... ;)

Sonntag, 16. August 2009

Animierte Kurzfilme: Fantasmagorie (1908)

Als die gezeichneten Bilder laufen lernten. Ein klitzekleiner Meilenstein von Émile Cohl, der sich leider nur in sehr schlechter Qualität erhalten hat und als frühester vollständig animierter Film gilt, der die Zeit überstanden hat...

Samstag, 15. August 2009

West and Soda - Der Wildeste Westen (1965)



Plot: Der Cowboy Johnny hat sich eigentlich von der Waffengewalt verabschiedet, doch als es ihn in eine kleine Stadt mitten in der Prärie verschlägt, ist schon bald seine Hilfe als Revolvermann gefragt. Hier lernt Johnny die liebreizende Farmersfrau Miss Clementine kennen, die von Rancher Thugs und dessen Schergen tyrannisiert wird, da Thugs hinter dem Land der jungen Frau her ist. Schnell verliebt sich Clementine in den fremden Johnny, in dem sie einen Beschützer sieht – und auch wenn sich der Cowboy nicht auf eine feste Beziehung einlassen will, eilt er zur Rettung als sie von Thugs entführt wird...

Bruno Bozzetto machte schon mit seinen frühesten Kurzfilm-Arbeiten auf sich aufmerksam, fand Beachtung bei internationalen Festivals (darunter sogar das renommierte Festival in Cannes) und lernte Größen der Zeichentrick-Kunst wie Normen McLaren kennen, von dessen abstrakten Cartoons sich Bozzetto noch heute stark beeinflusst zeigt. Nachdem er Anfang der 60er-Jahre schließlich seine Kultfigur Herr Rossi kreierte, die ihn noch über viele Jahre begleiten sollte, stieg Bozzetto zum Star-Zeichner auf und war schon bald Aushängeschild des italienischen Animationsfilms.



1965 sollte sich für Bozzetto die Chance ergeben, den ersten Zeichentrick-Langfilm Italiens nach langen Jahren (und erst den dritten überhaupt) zu inszenieren und „West and Soda“ wurde ein zufrieden stellender Erfolg an den Kinokassen – neben internationaler Vermarktung entwickelte sich die Western-Parodie schnell zum Hit im italienischen Fernsehen.

Eine sehr kurze Pre-Title-Sequence zeigt Eindrücke der kargen Prärie, deren Landschaftsbild nur von Felsen und endlosem Sand geprägt scheint. Eine Kutsche reist durch diese lebensfeindliche Umgebung und wird von einer Gruppe Indianer angegriffen. Im schmucklosen Vorspann erklingt dann bereits ein epischer Score, der sich unbefangen auf Morricone beruft und dessen Klangwelten gekonnt imitiert.



Auch wenn keine expliziten erotischen oder gewalttätigen Details zu sehen sind, eignet sich der Film kaum für ein junges Publikum mit noch ungeschultem Auge. Viel zu sehr setzt der Humor auf einen gewissen Kenntnisreichtum beim Zuschauer, was Stereotypen des Genres betrifft – Bozzetto schafft dabei nicht den Spagat (wenn er ihn überhaupt angestrebt hat, zahlreiche leicht verständliche Slapstick-Gags sprechen dafür), den Morris mit seinem Lucky Luke so formvollendet gemeistert hatte, nämlich sowohl ein erwachsenes als auch ein kindliches Publikum auf unterschiedlichen Ebenen zu unterhalten. Das allerdings auch nur auf dem Papier, ein Kinofilm setzt selbstverständlich ganz andere Mittel voraus als ein Cartoon oder ein Comic-Heft.

In überwiegend rotbraunen und schmutzig-gelben Farben parodiert „West and Soda“ den Italo-Western, als er gerade den Kinderschuhen entwachsen war und als Strömung ihre großen Höhepunkte noch vor sich hatte. Damit nimmt der humoristische Ton eine Vorreiterstellung ein hinsichtlich der späteren, eher komischen Genrevertreter, deren Erfolg maßgeblich von Bud Spencer und Terence Hill initiiert wurde. Prinzipiell zieht der Film eher die Stereotypen des Western-Genres im Allgemeinen durch den Kakao und macht sich die derzeit wachsende Begeisterung der italienischen Filmindustrie für das Genre zu nutze.



Bozzettos Hang zu minimalistischer Hintergrundgestaltung und eher hässlichen Figuren, jenseits aller Schönheits-Ideale, passt vorzüglich zum gewählten Setting – verblüffend atmosphärisch geraten die Impressionen von endloser Weite, die zwielichtige Stimmung im Dorf und auch das finale Duell. Ungeachtet der streckenweise armseligen Animationen ist Bozzettos Werk als Meilenstein im europäischen Zeichentrickfilm zu werten – vor allem, weil Bozzetto sich seiner begrenzten Möglichkeiten bewusst ist und damit das Abstrakte, das grafische in seinen Animationen auch bewusst heraus stellt.

Damit und mit seinem kruden Humorverständnis hebt sich „West and Soda“ weit ab vom Gros der zeitgenössischen Produktionen, auch wenn er technisch jederzeit unterdurchschnittlich bleibt. Bozzetto inszeniert hier einen kompromisslos individuellen Film, der in jeder Szene als Werk seines Machers erkennbar bleibt – ohne jede Anbiederung an den großen Disney-Konzern. Keine Spur von Sentimentalität, garstiger Witz steht auf dem Programm, der auch über den versierten Einsatz der Soundeffekte entwickelt wird.

Jenseits der historischen Bedeutung (die kaum angemessen gewürdigt wird) offenbaren sich aber auch Schwächen inhaltlicher Natur: die meist treffsicheren Seitenhiebe gegen Genre-Klischees und die Bloßlegung der Gewalt-Stilisierung bleiben die einzigen Aspekte, denen sich Bozzetto zu nähern scheint und lässt den gesamten Film als skizzenhafte Karikatur auf den Zuschauer los. Wirkliche Anteilnahme am eigentlichen Geschehen kommt nie auf, dafür ist die Rahmenhandlung zu konventionell und traditionellen Strickmustern verpflichtet. Ein wirklich runder Film ist „West and Soda“ also keineswegs geworden, eine Reihe kurzer Cartoons im Western-Setting hätten womöglich besser funktioniert. Dennoch ist Bozzetto einen waghalsigen und wichtigen Schritt gegangen und aus heutiger Sicht bleibt sein erster Langfilm in erster Linie ein Faszinosum für Freunde des Zeichentrick-Kinos.

5,5/10

Hier die finale Sequenz mit dem obligatorischen Duell. Kann nur begrenzt als Spoiler betrachtet werden weil das Ende vorhersehbar ist und die Kenntnis keineswegs den Film versaut:

Donnerstag, 6. August 2009

Review-Reihe: Blaxploitation

Nach meiner Animationsfilmreihe (schließe ich morgen oder übermorgen mit WEST AND SODA ab) mal was ganz anderes: Drei schmissige Blaxploitation-Streifen und mal nicht die allseits bekannten wie SHAFT, SUPERFLY oder FOXY BROWN...

Don't Play Us Cheap (1973)


Ein Musical vom Begründer der Blaxploitation-Strömung, Melvin van Peebles. Der hatte noch Ambitionen und vor allem was zu sagen, gehört nicht in die Trash-Schublade...

Three the Hard Way (1974)


Die hinreißend größenwahnsinnige Storyline spricht für sich, treibt alle Blaxploitation-Klischees auf die Spitze, wartet mit einem All-Star-Cast auf und sich nimmt sich scheinbar auch noch selbst ernst...

Dolemite (1975)

Das Schauspiel-Debüt des Komikers und Musikers Rudy Ray Moore, der die in den Blaxploitern gepflegten Klischees schon auf der Bühne dankbar als Stand-Up-Programm verarbeitet hatte und seine Kunstfigur "Dolemite", einen Kung-Fu kämpfenden Pimp, erfolgreich ins Kino bringt...

Mister Feuerstein lebt gefährlich (1966)



Plot: Der Geheimagent Rock Slag wird von Gangstern verfolgt und durch einen Sturz aus großer Höhe vermeintlich ausgeschaltet. Als hart gesottener Profi ist er aber nur verletzt und wird ins Krankenhaus von Bedrock eingeliefert. Zur gleichen Zeit bereiten sich Fred Feuerstein, sein bester Freund Barney und ihre Frauen auf den anstehenden, gemeinsamen Urlaub vor – als Fred und Barney die Tiere zum Gewahrsam beim Tierarzt gebracht haben, nimmt Fred eine gefährliche Abkürzung und baut prompt einen Autounfall – er wird zur gleichen Zeit ins heimische Krankenhaus gebracht wie Rock Slag, dem Fred zu allem Überfluss ähnelt wie einem Zwillingsbruder. Hier wird der Chef von Rock Slag auf diese Ähnlichkeit aufmerksam und unterbreitet Fred das Angebot, den verletzten Rock im Kampf gegen den Super-Verbrecher „Die Grüne Gans“ zu ersetzen.

Begeistert von der Idee, ein aufregendes Leben als Agent zu führen und im Auftrag der Regiseung Verbrecher zu stellen, nimmt Fred an, zumal sämtliche Spesen bezahlt werden. Die Reise führt ihn nach Paris und Rom – der geplante Camping-Trip mit Freunden und Familie wird nun ersetzt durch diese große Reise. Allerdings hat Fred geschworen, seine Mission streng geheim zu halten und ist daher hin und her gerissen zwischen Urlaub und verdeckter Verbrecherjagd...




„The Man Called Flintstone“ ist ein Kinofilm um die Familie Feuerstein, nach Einstellung der Serie so etwas wie ein Abschiedsgeschenk für die Zuschauer, aber auch für die Figuren, die schon zu diesem Zeitpunkt fester Bestandteil amerikanischer Popkultur waren. William Barbera und Joseph Hanna inszenierten damit ihren zweiten Langfilm nach „Hey There, It's Yogi Bear“ und beweisen erneut, das Spielfilm-Dramaturgie überhaupt nicht ihre Domäne ist. Nach jahrelanger erfolgreicher Arbeit bei MGM, in denen das Duo fast ausschließlich mit der eigenen Reihe um Tom und Jerry beschäftigt war, glückte ihnen mit dem Aussterben des Kino-Cartoons mühelos der Übergang in das neue Medium Fernsehen. Rasch gelangen Erfolge wie „Yogi Bär“, „Die Jetsons“, „Scooby-Doo“ und viele weitere Kult-Serien, in denen das Kreativ-Duo seine größte Stärke ausspielen konnte: die Charakterentwicklung einprägsamer und sympathischer Figuren mit hohem Identifikationsfaktor. Über allen Arbeiten, die Hanna und Barbera nach ihren MGM-Jahren für das Fernsehen entwickelten, nimmt bis heute die Familie Feuerstein einen herausragenden ersten Platz ein. Bis Matt Groening Jahrzehnte später mit den anarchischen Simpsons alle Rekorde brechen sollte, waren die „Flintstones“ lange Jahre die erfolgreichste Zeichentrickserie überhaupt. Mit einem Kinofilm nach fünf überaus erfolgreichen Staffeln einen würdigen Abschluss zu präsentieren, misslingt gründlich, einfach weil das 20-minütige Format der Serie so gar nicht mit den Normen eines Langfilmes zu vereinbaren ist.

Nach einem gelungenen Vorspann, der ganz im James-Bond-Stil gehalten ist und sogar mit dem brillanten Titelsong eine elegante Analogie schafft zu eben jener Filmreihe, macht bereits die folgende Eingangssequenz klar, das man es nicht mit einer gewöhnlichen Storyline aus Bedrock zu tun hat. Fred Feuerstein hängt lässig zwei zwielichtige Gestalten in einer rasanten Autoverfolgungsjagd ab, in der bereits die aus den Bondfilmen bekannten technischen Gimmicks zum Einsatz kommen, hier in Form von integrierten Steinschleudern und extrem biegsamen Karosserien. Am Ende der Szene wird klar, das es sich um einen Doppelgänger handelt, der darüber hinaus als berüchtigter Geheimagent tätig ist – auch die anschließende Verwechslungsgeschichte inklusive der international agierenden Organisation, welche die gesamte Welt bedroht ist eine akkurate und in sich funktionelle Parodie auf James Bond. Über Referenzen und Zitate kommt der gesamte Film dann aber nicht hinaus, es fehlt Eigenständigkeit, das rechte Tempo und ein Spannungsbogen als Fundament der auf Dauer eher drögen Story.



Neben dem bereits erwähnten Titel-Thema, das auch instrumental während des Films erklingt, sind auch ganz und gar deplatzierte Gesangseinlagen eingebaut, die weder atmosphärischen noch dramaturgischen Sinn ergeben. Diese Szenen fühlen sich an wie Fremdkörper und wollen sich überhaupt nicht in die Konzeption des restlichen Films einfinden, funktionieren platt gesagt als Füllmaterial um die Laufzeit auf stramme 90 Minuten zu hieven. Spätestens wenn dann selbst die Babys Pebbles und Bam-Bam ein süßliches Liedchen anstimmen und durch eine verkitschte Traumlandschaft schweben wird klar, das nicht viel übrig ist vom mitunter derben Charme der Serie. Viele einzelne Episoden hatten inhaltlich eine bessere Grundlage, ein würdiger Abtritt sieht ganz anders aus – dementsprechend verhalten war der Erfolg an den Kinokassen, in den Folgejahren entwickelte sich der Film dennoch zum Evergreen im amerikanischen Fernsehen; also dort, wo der Film eigentlich von Anfang an hingehört hätte. Für einen Kinofilm ist der Plot einfach zu wässrig und unergiebig, ein 60-minütiges TV-Special mit der gleichen Geschichte hätte den gleichen Effekt erzielt.



Auch optisch macht der Film nicht viel her sondern setzt wie die Serie auf sehr reduzierte Animationen, einfach gehaltene Figuren und Hintergründe. Zudem fehlt es ein wenig an den so beliebten Anachronismen, aus der die Serie einen Großteil ihres Reizes bezogen hat – was nicht zuletzt daran liegt, das der Film stärker auf die jüngsten Zuschauer zugeschnitten ist. Die leicht chauvinistische und im Kern erzkonservative Aussage hat sich aber in den Film „gerettet“ - was aber schon aufgrund der gleichen Personenkonstellation und der daraus resultierenden Rollenverteilung unvermeidlich war. Die so fantasievoll wie detailreich erdachte Welt Bedrock kommt hier ein wenig zu kurz und macht Platz für eine groß angelegte Bondparodie. Alle Gags außerhalb dieses Kontextes werden vernachlässigt und in den Hintergrund gedrängt, was in Verbindung mit den nervtötenden Musikeinlagen auf Dauer einfach zu monoton ist. Letztere sind aber der eigentliche Grund, warum „The Man called Flintstone“ nicht funktionieren will – zu uninspiriert, einfallslos und kindisch sind die betreffenden Sequenzen geraten.

Fazit: Die Flintstones gehören nicht ins Kino. Jedenfalls nicht so. Kurioserweise zeigte erst die Realverfilmung mit John Goodman wie der Hase läuft...

04/10

Hier gibt es den gesamten Film in zehn Teilen zu sehen.