Samstag, 29. August 2009

TV Tipps 29.08. - 04.09.09



Samstag

Echt Blond (Comedy Central)
Echt selten: Ein Film von Tom DiCillo im deutschen Fernsehen. Zwar handelt es sich hierbei um den schwächsten Film des virtuosen Independent-Regisseurs, was aber auf hohem Niveau gejammert ist. Vorzüglich besetzt und gespielt, schafft es der Film, eine spröde Beziehungs-Komödie und eine beißende Satire aufs Film-Business unter einen Hut zu bringen. Doppeldeutig, mit geschliffenen Dialogen versehen und überaus erwachsen erzählt...

Geliebte Aphrodite (Super RTL)
Milde, nichtsdestotrotz beschwingte und nachdenkliche Komödie von Woody Allen mit Helena Bonham Carter, Michael Rapaport und einer großartigen Mira Sorvino. Luftig-leicht und mit sommerlicher Leichtfüßigkeit inszeniert, bietet der Film über nette Unterhaltung hinaus eine ironische Dekonstruktion des griechischen Theater-Prinzips...

Shaft (Pro 7)
John Singleton war ja irgendwann mal das Wunderkind und der Hoffnungsträger des New Black Cinema. Waren schon seine frühen Filme unbeholfen und kitschig, so setzt er mit diesem Remake seinem Unvermögen ein leuchtendes Denkmal. Der Mann hat scheinbar nichts verstanden und katapultiert den schwarzen Film mal eben 30 Jahre in der Entwicklung zurück. Peinlicher Macho-Actionfilm auf dem Niveau eines schlechten Blaxploitation-Films...

Set it Off (Pro 7)
Und gleich noch einen Vertreter des Labels „New Black Cinema für Arme“: Gary F. Gray. Nach seiner peinlichen Kiffer-Komödie „Friday“ ist „SIO“ aber immerhin ein gewaltiger Schritt nach vorne. Vom schwarzen Kino verabschiedet sich der Hochglanz-Regisseur mit Pauken und Trompeten: Sein ausschließlich mit starken Frauen-Figuren besetzter Actionfilm ist sauber in Szene gesetzt und sehr unterhaltsam geraten...

Sonntag

Ein ehrenwerter Gentleman (Pro 7)
Bemühte Komödie mit Eddie Murphy in politischem Milieu. Dem Film fehlt jede Schärfe, sodass sich nach kurzer Zeit Langeweile breit macht. Zumal der Zuschnitt auf den Hauptdarsteller mal wieder extrem aufdringlich ist...

Ong-Bak (Pro 7)
Eigentlich ein unterdurchschnittlicher Hau-Drauf-Actioner aus dem fernen Thailand. Neben dem Exoten-Bonus funktioniert die Show eben als Vorstellung für Tony Jaa, der sich hier eine beachtliche Visitenkarte zusammen prügelt. Außer seinem Hauptdarsteller, dessen Kampf-Fähigkeiten mehr als beachtlich sind, bietet „Ong-Bak“ aber nur eine käsige Geschichte und altbackene Choreographien...

Larry Flint (Kabel)
Beeindruckendes Bio-Pic von Milos Forman, für das es nicht umsonst den Goldenen Bären gab. Stilistisch und darstellerisch nichts weniger als brillant, stilisiert der Film seine Hauptfigur etwas zu sehr als Held. Stört mich aber nicht weiter, da Männer wie Flint nun einmal Helden sind und auch als solche gewürdigt werden sollten. ;) Im Ernst, ich finde den mitreißend, tragisch und unbedingt sehenswert. Außerdem ist Courtney Love ein echter Besetzungscoup...

Montag

Feivel der Mauswanderer (SWR)
In aller Frühe kommt mal wieder der wunderbare Zeichentrickfilm von Don Bluth, produziert von Spielberg. Die abenteuerliche Immigranten-Geschichte geht zu Herzen, ist spannend und mit feinem Humor ausgestattet. Ein liebenswerter kleiner Klassiker, dem einige minderwertige Fortsetzungen folgten...

10 Dinge die ich an dir hasse (Kabel)
Mal wieder Shakespeare in der Highschool. Funktioniert dank der guten Darsteller und der erfrischend unangepassten Charaktere ganz gut, wird am Ende aber doch zum Brechmittel...

Mulholland Drive (Tele 5)
Unheilvolles Meisterwerk von David Lynch, dessen virtuose Montage und doppelbödiges Drehbuch ein definitiver Höhepunkt für den gefeierten Regisseur darstellen. Sein entrückter Alptraum ist mit Worten kaum zu erfassen und schon gar nicht von mir.

Dienstag

Dörtes Dancing / Einer wie Keiner (Pro 7)
Die „Funny-Movies“ aus der eigenen Pro 7-Schmiede, besetzt mit jedem noch so peinlichen Halbprominenten – habe zur Erstausstrahlung kurz reingeschaut. Da sehen selbst die Scary Movies wie Meisterwerke aus und das will schon was heißen. Schade um Marco Petry (Regisseur bei „Eine wie Keiner“), der mit „Schule“ ein großes Talent erkennen ließ und für mich ein Hoffnungsträger der deutschen Komödie war. Hoffentlich schafft es Petry zurück ins Kino, für solche Auftragsarbeiten ist er zu schade...

Im Jahr des Drachen
Kompromisslos-kontroverser Reißer von Michael Cimino, dem hier nicht zum ersten mal unhaltbare Rassismus-Vorwürfe gemacht wurden. Mickey Rourke in einer Glanzrolle als zynischer Antiheld macht den harten und spannenden Film fast schon wieder modern...

Mittwoch

Die nackte Kanone
Immer wieder schön zu sehen, das Parodien früher auch mal ins Schwarze getroffen haben. Kann das Genre eigentlich nicht so sehr ab, da neben Mel Brooks kaum mal jemand einen intelligenten Vertreter inszeniert hat. Diese erste Kanone hier ist eine dieser Ausnahmen, die nachfolger schon nicht mehr...

2 hinreißend verdorbene Schurken
Elegante Komödie alter Schule mit Steve Martin und Michael Caine. Unterhaltsam und sehenswert...

Ein Cop und ein Halber
Burt Reynolds als verknöcherter, griesgrämiger Bulle, dem ein kleiner schwarzer Junge an die seite gestellt wird weil der einen Mord beobachtet hat und nur mit seiner Zeugen-Aussage raus rückt, wenn er mal Polizist sein darf. So unfassbar dämlich wie es klingt, ist es leider auch. Peinlich, bieder, unlustig. Ein Film zum weglaufen...

Bone Snatcher
Armseliger B-Horror, der trotz netter Schauplätze keinerlei Atmosphäre entwickeln will. Worum es ging, habe ich völlig vergessen...

Die City-Cobra
Faschistischer Cop-Film mit Sylvester Stallone auf dem Höhepunkt seines kommerziellen Erfolges. Der dreckige Look dieses typischen Cannon-Films kann gefallen, was aber nicht die langatmige Erzählweise entschuldigt. Kurios und schweinebrutal, aber alles andere als gut. Bei den Himmelhunden gibt es eine fundierte Kritik zu lesen...

Donnerstag

Spy Game / Last Boy Scout (Vox)
Tony Scott Double-Feature. Ersteren halte ich für einen schicken Blender, der tatsächlich versucht, intelligent und clever auszusehen. Niedlich, aber gescheitert. „Last Boy Scout“ gefällt mir sehr gut, das ist für mich exzellentes Action-Kino, das in etwa zu gleichen Teilen aus Scotts MTV-Ästhetik und dem schroffen Charme der 80er-Genrefilme besteht.

Freitag

Bodyguard (RTL II)
Hochglanz-Schmonzette von Lawrence Kasdan, dem in ein paar Jahren die Wiederentdeckung als kluger Autorenfilm bevor steht. Die viel gescholtene Whitney singt übermenschlich und spielt sich selbst respektabel, wenn auch stark idealisiert. Großes Kino, wenn auch kein großes Erzählkino...

Footloose (Das Vierte)
Netter Tanzfilm mit rauchendem, rebellischen Helden. Leider auch mit schrecklicher Musik und missglücktem Finale. Mochte ich mal sehr gern, ist aber was für Kinder... ;)

Pusher 2 (Tele 5)
Vor zwei Tagen gesehen und schwer begeistert. Auch wenn er erste Teil nicht erreicht oder gar übertroffen wird, bleibt Refn seiner authentischen Milieu-Schilderung treu, ohne dabei aber auf filmtechnische Raffinesse zu verzichten. Ein Gegenentwurf zum „coolen“ Gangsterfilm mit schmerzhaften Gewalt-Ausbrüchen.

Scream 3 (RTL 2)
Der Abschluss der Trilogie hat die Vorzeichen geändert und ist nur noch komödiantische Satire mit einem kleinen Schuss Thriller-Spannung. Das Ende ist dämlich, die Pointen sitzen nur noch halb so sicher, die Charaktere verkommen langsam aber sicher zu Witzfiguren. Keineswegs schlecht aber der hier gesetzte Schlusspunkt war nötig...

Punk! (Pro 7)
Schrill, laut und bunt präsentiert sich dieses skurrile Filmchen, in dem Subkultur und Lebensgefühl nicht vorgeführt werden, wohl aber skurrile Überzeichnungen erhalten. Matthew Lillard (eigentlich die Pest) kann hier seine hyperaktiven Gesichtskrämpfe mal sinnvoll einsetzen und erweist sich als Idealbesetzung für die ausgeflippte Hauptfigur. Bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt, unter anderem mit Til Schweiger, Devon Sawa und Jason Segel...

Kommentare:

  1. Unheilvolles Meisterwerk von David Lynch, dessen virtuose Montage und doppelbödiges Drehbuch ein definitiver Höhepunkt für den gefeierten Regisseur darstellen. Sein entrückter Alptraum ist mit Worten kaum zu erfassen und schon gar nicht von mir.

    jawoll, jawoll, JAWOLL! So und nicht anders. Mein absoluter Lieblingsfilm!

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  2. Diese Woche sieht's ziemlich mau aus. Freu mich eigentlich nur auf den von Dir unterschlagenen Volver, den ich noch nicht kenne.

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  3. @C.H.

    Gehört auch in meine Favoritenliste. Einen absoluten Liebling habe ich aber nicht (mehr)...

    @Sarge:
    Ja, den hab ich unterschlagen. Kenne den aber noch nicht und will so wenig wie möglich Filme erwähnen, die ich noch nicht gesehen hab. Mache da nur Ausnahmen für eher rare Sachen wie den Melville vor kurzem...

    Mein Tip der Woche ist aber ganz klar "Echt Blond", denn der kommt nicht alle Tage...

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  4. Sehr schön. Gerade deine Worte zu Naked Gun und Scream 3. Beim Lynch bin ich mittlerweile ein wenig skeptisch, obwohl er schon ein außergewöhnlich guter Film ist. Straight Story gesehen?

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  5. Die Entwicklung, die ""The Naked Gun" losgetreten hat, ist ja durchaus sehr unheilvoll und hat das Genre zu Grabe getragen. Mittlerweile ist eine Parodie nur noch eine Sketch-Abfolge, in der bekannte Schlüssel-Szenen vermurkst werden. Ändert natürlich nichts an der unbestrittenen Qualität des Originals...

    Bei Lynch bin ich nicht deshalb nicht skeptisch, weil mich seine Filme immer von Beginn an einfangen und lange nach dem Abspann nicht mehr los lassen. Wenn man derartig heimgesucht wird von der Stimmung des Films, dann muss da jemand was richtig gemacht haben oder? :)

    Zu "Straight Story": Gesehen. Mag den Film sehr gern, (auch aber) nicht nur als Gegenentwurf zu den düsteren Abgründen der anderen Lynch-Werke.

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  6. Sorry, hatte mich falsch ausgedrückt. Meine Skepsis bezog sich lediglich auf Mulholland Drive. Lynch hat meinen Filmgeschmack insgesamt viel zu sehr beeinflußt, als daß ich ihm skeptisch gegenüber stehen könnte.

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  7. Hab "Mulholland Drive" nicht so oft gesehen wie etwa "Lost Highway", halte ihn aber bisher für ähnlich brillant. Mir fallen kaum Filme ein, die mir ein derartiges Unbehagen bereiten - außer vielleicht einige Filme von Cronenberg...

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