Donnerstag, 18. Juni 2009

Filmtagebuch: Neuer Deutscher Film (I)

In der letzten Zeit habe ich mich etwas eingehender mit dem jüngeren deutschen Film auseinander gesetzt und kann mich den allgemeinen Hasstiraden nicht unbedingt anschließen. Hier nun meine ersten Kurz-Reviews zum deutschen Film, weitere folgen in Kürze:



Free Rainer – Dein Fernseher lügt (2007)
Ein einziges überproduziertes Hassobjekt von einem Film. Weingartners Machwerk nimmt sich dermaßen überheblich, das sich Arroganz des Regisseurs schon in den Anfangsminuten gänzlich entlarvt. Ebenso ungeschickt wie plump versucht sich der Film zunächst an satirischer Überzeichnung (Moritz Bleibtreus hirnverbrannt-trashige Autofahrt), fährt den Karren aber schon hier in den Dreck. Keine Pointe sitzt und die sensationslüsterne Optik des Trivialfernsehens zu kopieren erfüllt keinen tieferen Sinn. Nebenbei wird jede noch so sichere Pointe verfehlt und wenn man als Zuschauer schon ans Abschalten denkt, kommt es richtig dick. Der Hauptcharakter macht eine fixe Wendung zum idealistischen Revolutionär durch und von nun an legt das debile Drehbuch jede Aussage des Films direkt in den Mund des Hauptdarstellers. Der schleudert von nun an abgestandene, pseudo-linksintellektuelle Phrasen um sich und vollzieht mit einer Handvoll klischeehaft gezeichneten Hartz IV-Empfängern und zwei gleichgesinnten einen Wandel in Deutschland. Die Menschen werden zum Denken bewegt, sind doch gar nicht so blöd – und erleben eine Kulturrevolution. Ab jetzt gibt es dann absolut hochwertige TV-Unterhaltung – Beispiel gefällig? Ein Kandidat wirft einen Ball auf eine Leinwand und anschließend liest ein Prominenter aus einem zufällig ausgewählten Klassiker. Wer hier schon Kotzkrämpfe erleidet, der wappne sich für ein naives, utopisches Ende, das die eigenen „revolutionären“ Ideen (die nur ein abgeschmackter Aufguss der 68er-Gedanken sind) selbstherrlich feiert. Abgrundtief ekelhaftes Kino, für das Weingartner offensichtlich ein großes Budget anvertraut wurde – zu keinem Zeitpunkt lässt er wirkliche Ironie erkennen, Subtilität ist wohl ein Fremdwort für den jungen Regisseur, der auf der unerträglich hohlbirnigen Audiokommentar-Spur den Eindruck eines eitlen Pimpfes macht, der seine flache „Mediensatire“ tatsächlich für ein philosophisches Schwergewicht hält und uns wohl auch in Zukunft nicht in Ruhe lassen wird. Der Spagat zwischen greller Satire und betont ernst gemeinter Melodramatik gelingt im übrigen keineswegs, auch stilistisch stellt „Free Rainer“ also eine Katastrophe sondergleichen dar. Man beachte, wie geschickt der Film ein paar wenige unbekanntere (und wirklich schockierende) Fakten einstreut und damit wichtig und brisant erscheinen will – dabei zeugt dies höchstens von einer ordentlichen Recherche...(01/10)

Die Bluthochzeit (2005)
Basierend auf einem belgischen Comic, fehlt dem Film jeglicher Sinn für das Absurde, sodass die groteske Ausgangssituation sich schnell abnutzt und spannungslos vor sich hin dümpelt. Den Dialogen fehlt jeglicher Sinn für humoristisches Timing, die kruden Geschmacklosigkeiten fallen allesamt harmlos und wenig erheiternd aus, die Figuren bleiben uninteressant und werden kaum ausgestaltet. Look und Erzähltempo sind viel zu sehr in der Realität verankert um den wahnsinnigen Zügen dieser Geschichte gerecht zu werden, weshalb Handlungsverlauf vor Unglaubwürdigkeiten und Logik-Löchern nur so wimmelt. Selbst die Zugpferde Armin Rohde (den ich sehr schätze) und Uwe Ochsenknecht (der immerhin ein solider Darsteller ist) lassen keine Spielfreude erkennen, passen sich an den behäbigen Stil des Films an und schalten wohl auf Autopilot. Wie das Ganze am Ende ausgeht interessiert dann wohl nur noch die Wenigsten, vor allem, weil bis zum Schluss jede Figur schablonenhaft bleibt. Wer dann eigentlich gestorben ist (und auf diese letztliche Eskalation schielt schließlich der gesamte Film), ist am Ende herzlich egal. Als überzeichnetes Portrait familiären Verfalls lassen sich Ansätze ausmachen (die wohl der mir unbekannten Vorlage entstammen, nehme ich jetzt einfach mal so an), die aber genauso wenig vertieft werden wie die Story verdichtet. (02/10)

Kurz und Schmerzlos (1998)

Das Kino-Debüt von Fatih Akin profitiert von dessen scharfer Beobachtungsgabe, die den inszenatorischen Details spürbare Authentizität verleiht. Jenseits bekannter Immigranten-Klischees beschreibt der Film die Lebensumstände dreier Freunde unterschiedlicher Herkunft exakt und emotional nachvollziehbar. Zum Ende hin verliert sich die Realitätsnähe in einer überflüssigen dramatischen Zuspitzung, deren tragischer Ausgang nicht den gewünschten Effekt erzielt sondern dem Film im Gegenteil viel an Kraft raubt. Als Auftakt einer künstlerisch wie kommerziell erfolgreichen Karriere kann man „Kurz und schmerzlos“ rückblickend einen gewissen Stellenwert nicht absprechen. Es ist der Film eines jungen Regisseurs, dessen Ziele schon erkennbar sind, auch wenn sie scheinbar noch nicht klar vor Augen lagen. In den besten Szenen inszeniert Akin bereits mit souveräner Leichtigkeit, was vor allem im Zusammenspiel der drei Hauptakteure sichtbar wird. Weniger gelungen sind gewollt kultige Einspieler wie ein fader Monolog mit dem Thema „der Tag, an dem ich aufgehört habe zu kiffen“. Das Ensemble überzeugt durchweg mit einer Schwachstelle: Ralph Herforth weiß überhaupt nicht zu überzeugen, wirkt überfordert und unfreiwillig komisch.(05/10)



Nordwand (2008)
Mit dem Bergfilm beschwört der erfolgreiche Videoclip-Regisseur Philipp Stölzl ein urdeutsches Filmgenre herauf, das längst in den Untiefen der Filmgeschichte verschollen schien. Stölzl lässt es sich nicht nehmen, sich ästhetisch auf die vorbelasteten Vorbilder von Leni Riefenstahl (wie schon in seinem umstrittenen Rammstein-Video „Stripped“) und Luis Trenker zu stützen und bildgewaltig jene Themen anklingen zu lassen, die wie geschaffen waren für die Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis und dementsprechend korrumpiert wurden: Opferbereitschaft, Kameradschaft, der Sieg der menschlichen Natur über ihre eigenen Grenzen. Bei allem Anachronismus vergisst Stölzl nicht, das Genre an sich zu reflektieren – dies geschieht elegant über eine Nebenhandlung, in der die journalistischen Bemühungen thematisiert werden, die beiden Gipfelstürmern zu arischen Heldenfiguren zu stilisieren. Diese klugen Beobachtungen werden leider etwas verwässert durch eine redundante Liebesgeschichte, die reichlich Pathetik in den ohnehin schon emotional aufgeladenen Stoff bringt. Nicht zuletzt durch die herausragende Kameraführung entstehen atemberaubende Bilder vor malerischer Kulisse – rein formell ist der Film ein Traum und wird auch den großen Vorbildern gerecht, braucht sich diesbezüglich ebenfalls nicht hinter einschlägigen Hollywood-Filmen verstecken. Eine Vertiefung der genre-dekonstruierenden Elemente findet leider nicht statt - dennoch ist „Nordwand“ ein packendes, kerniges und bildgewaltiges Filmerlebnis geworden, in dem das Scheitern von Beginn an fest steht und so in den Mittelpunkt rückt. Für den ultimativen Abgesang auf den Bergfilm reicht es zwar nicht, dennoch unterm Strich ein hervorragend inszeniertes und in den Hauptrollen sehr gut gespieltes Abenteuer mit tragischem Ausgang...(7,5/10)

Ghetto (2006)
Möchtegern-bildungsbürgerliche Geschichtsstunde, trocken wie ein altes Stück Zwieback. Völlig überforderte Darsteller latschen durch triste Originalkulissen und sollen dabei Geschichte lebendig werden lassen. Die statische und einfallslose Stilistik ermüdet schon nach kurzer Zeit und auch erzählerisch hat der Film rein gar nichts zu bieten. Was in der Vorlage auf der Bühne vielleicht noch funktionieren mag, verkommt hier zum eintönigen Gedenkfilm zur Erinnerung an das Schicksal der litauischen Juden. Das respektable Ansinnen, diesen weniger bekannten Teil der Geschichte ins Licht der Aufmerksamkeit zu rücken, reicht längst nicht aus um den Film zu tragen. In seiner bemühten, letztlich aber zu galtten Umsetzung, schwimmt der Film im Fahrwasser von Mainstream-Vergangenheitsbewältigung wie „Schindlers Liste“ und versagt als ernst zu nehmende Auseinandersetzung völlig. Spätestens wenn die Ereignisse am Ende ihren unvermeidlich tragischen Lauf nehmen, verliert der Film jede Substanz und verkommt zur kalten Farce...(03/10)

Mein Führer (2007)
Vieles an diesem stimmt, vieles allerdings nicht. Um es kurz zu machen: Dani Levy zieht sprichwörtlich den Schwanz ein und verschenkt sämtliche kontroverse Schärfe, die in der ursprünglich geplanten Fassung durchaus reichhaltig vorhanden war zugunsten einer eher harmlosen Komödie, die leider mit einer bitterlich misslungenen Sequenz endet. Vorher hat man es aber immer noch mit einem prächtig ausgestatteten und vorzüglich gespielten Film zu tun, mit Helge Schneider in seiner ersten echten Rolle. Alleine der Hautdarsteller ist es wert, sich „Mein Führer“ anzusehen, so wunderbar nuanciert und ambivalent zeichnet dieser den demoralisierten Diktator. Auch Ulrich Mühe zeigt eine brillante Leistung, da gibt es nichts. Insgesamt aber leider ein Film, dem all die verspielten Chancen zu Gesicht stehen, der aber auch den besten komischen Hitler seit Chaplin zu bieten hat. Sehens- und diskussionswert, was sicher nicht das schlechteste ist, was sich über einen Film sagen lässt...(06/10)



Wolke 9 (2008)
Das viel beachtete und im Feuilleton umjubelte Meisterstück von Andres Dresen hat für mich alle Erwartungen erfüllt. Dem Tabu-Thema „Sexualität“ im Alter begegnet er ohne Verkrampfungen oder Kino-typischen Eskapismus. In den drei Hauptrollen absolut uneitel und einfühlsam gespielt, kinematografisch extrem nüchtern und naturalistisch gefilmt. Das gilt sowohl für explizite Sex-Szenen als auch für intensive, authentisch geführte Dialogpassagen, die größtenteils improvisiert wurden. Ohne schmückendes Beiwerk wie Hintergrundmusik oder künstlich erhöhtes Tempo begleitet der Film seine Figuren bis in die intimsten Momente, was zugleich schonungslos und ergreifend ist. Stilsicher, unprätentiös und in all seiner bitteren Tragik schmerzlich lebensnah...(09/10)

Kirschblüten (2008)
Vielleicht der bisher beste Film von Doris Dörrie. Psychologisch sehr genau gezeichnete Figuren helfen über so manchen allzu bemühten Dialog hinweg. Ohne langweilig zu werden oder das schwermütige Thema sentimental zu verklären, gelingt Dörrie eine glaubwürdige Reflexion allgegenwärtiger Fragestellungen rund um Alter, Verlustkompensation und spirituellen Abschied. Obwohl die Sezierung familiärer Reibereien teilweise punktgenau ausfällt widmet sich der Film einfach zu lang diesen Teilaspekten, auf denen aber klar ersichtlich nicht der Schwerpunkt liegt. Erst die Verlagerung des Handlungsortes nach Japan fördert auch die metaphysischen Anliegen zu Tage, die dann leicht zu kurz kommen. Mit dem Ortswechsel lösen farbenfrohe Aufnahmen von lyrischer Schönheit die zuvor karg gehaltenen Kulissen ab, mit dem die jahrelang eingefahrene Tristesse der deutschen Heimat eingefangen wurde. Mit der übermäßig symbolischen Bildsprache meint es der Film manchmal zu gut, gehört aber dennoch zu den besten deutschen Filmen seines Jahrgangs...(07/10)

Kurzfilme:

Menschenkörper (2004)
Kafka ist unverfilmbar und daran scheitert auch „Menschenkörper“, eine modernisierte und freie Adaption der Kurzgeschichte „Ein Landarzt“. Zu sehr hangelt sich die bizarre Story an der Vorlage entlang und gelangt zu einem unbefriedigenden, aufgebläht-bedeutungsschwangerem Ende. Bemerkenswert ist aber die formale Professionalität – Ausleuchtung, Kameraführung, Schnitt und atmosphärische Entwicklung erreichen ein sehr hohes Niveau für eine Produktion dieser Größe...(04/10)

My Little Boy (2007)
Entstanden als Studentenfilm an der IFS in Köln, hat dieses trockene Schwulendrama nicht wirklich etwas zu erzählen. Wie auch in „Ghetto“ reicht es einfach nicht, ein relativ vernachlässigtes geschichtliches Kapitel aufzugreifen (hier die Verfolgung von Homosexuellen im Dritten Reich) um dem Zuschauer eine nahe gehende Geschichte zu vermitteln. Solide gespielt, bleiben die beiden Hauptfiguren simple Schablonen, der emotionale Konflikt lässt kalt. Leidlich interessant ist die Gegenüberstellung leidenschaftlicher Selbstanerkennung und der daraus resultierende Flucht- und Freiheitsdrang im direkten Vergleich zum opportunistischen Rückzug in den Untergrund und damit die alltägliche öffentliche Selbstverleugnung. Unterm Strich für einen frühen Gehversuch akzeptabel aber ohne jede Relevanz...(2,5/10)

Montag, 15. Juni 2009

Taboo I & II (Kirdy Stevens)

Da ich mich schon lange keinem Pornofilm gewidmet habe hier nun ein kleines Double-Feature zu zwei besonders geschmackvollen Genre-Beiträgen. Vielleicht gibt es zu beiden Filmen (oder zumindest zum ersten) demnächst auch mal etwas ausführlicheres...



Taboo (1980) & Taboo II (1982)

Schon der Titel kündigt eine Kontroverse an, die der Film auch mühelos einzulösen versteht. Zwar gab es im amerikanischen Pornofilm schon haufenweise nachgestellten Inzest zu sehen, doch stets in einem rüden Kontext. So war es vor „Taboo“ meist ein Vergewaltigungs-Szenario, Redneck-Sujet oder ein Sicko-Schockmittel – Regisseur Kirdy Stevens geht aber wesentlich weiter und inszeniert den (natürlich auch hier nur vorgegebenen) Inzest als sinnlichen und lustvollen Akt mit beiderseitigem Einverständnis. Bis sich Mutter und Sohn am Ende aber der Lust hingeben und aufhören, ihre Gefühle zu bekämpfen, lässt sich der Film viel Zeit um erotische Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren aufzubauen und so gerät der eigentliche Tabubruch umso glaubwürdiger. Gerade weil sich beide Parteien über die Unmoral bewusst sind, mit sich hadern und auch gesellschaftliche Restriktionen fürchten, wirkt dieser sleazige Klassiker wesentlich stärker und nachhaltiger als ein beliebiger Inzest-Schinken, mit dem einfach ganz lapidar jeder mit jedem schläft. Kirdy Stevens glückt in „Taboo“ der am meisten ökonomische Tabubruch der Pornogeschichte – zwei eigentlich gewöhnliche Hetero-Szenen erhitzen die Gemüter, projizieren einen absurden ödipalen Wunschtraum auf die Leinwand und lösten einen handfesten Skandal aus. Übrigens bleibt es in diesem ersten Teil einer schier endlosen Reihe (von denen die ersten vier Fortsetzungen und Teil 7 noch von Kirdy Stevens stammen) der Sex zwischen Mike Ranger und Kay Parker der einzige „Inzest“ - nachdem der Film bis dahin Geduld beweist, folgt das zweite inzestuöse Schäferstündchen nur kurz nach dem ersten und macht dramaturgisch nur wenig Sinn.

Wer den letzten Satz belächeln mag weil es sich um einen Pornofilm handelt, sollte berücksichtigen, das man es hier durchaus mit Spielfilmqualität zu tun hat. Wer ein Herz für Exploitation und Bahnhofskino-Filme hat, der sollte sich diesen schmutzigen kleinen Kultfilm keinesfalls entgehen lassen. Drehbuchautorin Helene Terrie (welche die „Taboo“-Reihe noch bis zum sechsten Teil begleiten sollte und auch anderweitig mit Regisseur Stevens zusammenarbeitete) gelang ein stringentes Skript mit überschaubarer Personen- und Schauplatz-Anzahl und konzentriert sich sichtbar auf eine glaubwürdige (oder zumindest vorstellbare) Psychologisierung der Figuren. Sowohl Mutter als auch Sohn werden sinnvoll in ihr privates Leben eingebettet, ohne den Fokus ausschließlich auf korpulierende Körper zu setzen. Kurzweilig und straff erzählt, lässt der Film sein Thema lange in der Luft schweben – bezeichnend, das die Inzest-Sequenzen äußerst warm ausgeleuchtet sind und einen sehr soften, fast romantischen Charakter besitzen.



„Taboo" profitiert natürlich ungemein von der starken Hauptdarstellerin Kay Parker, die nicht nur aufgrund ihrer üppigen Erscheinung eine Idealbesetzung ist. Ihr reifer Charme und der liebevoll-zärtliche Umgang mit ihrem Filmsohn verleiht ihr eine perverse mütterliche Erscheinung, was von der berüchtigt-großen Oberweite des Genre-Stars noch unterstrichen wird. So geriet ihr Part in „Taboo“ zur Rolle des Lebens für Kay Parker, die sogar ihre Autobiografie nach ihrem bekanntesten Film benannte. Parker war für ihr bemerkenswertes schauspielerisches Talent bekannt und damit in der Pornobranche neben Marilyn Chambers ein Unikum. Unter dem bewusst ernst gehaltenen Grundton des Films scheint aber deutlich erkennbar eine schelmische Ironie heraus, die subtil daran erinnert, das man das Ganze bloß nicht zu ernst nehmen sollte...

Nachdem der erste Teil einen ausgewachsenen Skandal in den Vereinigten Staaten auslöste (der erst übertroffen wurde durch die Enthüllung von Traci Lords' Minderjährigkeit) und für mehrere Jahre im Gespräch war, musste ein Nachfolger her. Zwei Jahre hat es gedauert bis Stevens und Terrie ihren großen Erfolg fortsetzten, doch der zweite Teil hatte nur noch wenig mit dem Original gemein. Schon in der Eingangssequenz wird klar, das eine völlig andere Herangehensweise präsentiert wird als im fast schon seriösen Vorgänger, der fast ausschließlich „normale“ Hardcore-Szenen beinhaltete und viel Zeit für Dialoge und Erzählung einer Geschichte übrig hatte...

„Taboo II“ ist im Prinzip eine anarchische Parodie, nimmt das Thema keinesfalls ernst sondern zieht unbeirrt wie augenzwinkernd eine völlig abstruse Personenkonstellation auf, um alle erdenklichen inzestuösen Kombinationen zu bieten. Hier treiben es Bruder und Schwester, Vater und Tochter, Mutter und Sohn – alles lose verbunden zum Vorgänger, denn es spielt sich in einem Nachbarort ab. Das Gerücht um den Tabubruch zwischen Mutter und Sohn erreicht eine Familie, die plötzlich ganz ungeahnte Vorlieben entwickelt. Was sich dämlich und uninspiriert anhören mag, wird von Kirdy Stevens gekonnt aufbereitet, heiter und jederzeit schwer unterhaltsam. Hatte der ersten Teil einen neuen Trend losgetreten, so lotet dieser zweite Teil eben diese neuen Möglichkeiten aus und wendet das obligatorische Überbietungs-Konzept an. Im Gegensatz zum Original geht es hier fast nur um interfamiliären Sex, der nun völlig auf einen glaubwürdigen Unterbau verzichtet. Zwar weist auch „Taboo II“ noch echte Spielfilmhandlung mit überlegter Dramaturgie-Führung auf, funktioniert aber eben als Komödie und Gegenentwurf zum Vorgänger. Besonders deutlich äußert sich dieser signifikante Stimmungswechsel in der Dialogführung, die hier eindeutig komödiantischer Natur ist und ihr Trash-Potential kalkuliert ausspielt ohne an dreckigem Charme zu verlieren.

Beide Filme glänzen auch durch tollen Musikeinsatz und verfügen jeweils über einen originellen Titelsong. Extrem hoher Kultfaktor und vier von fünf Schwänzen nach oben...

(Review ist auch erschienen bei Pornoklassiker.de)

Sonntag, 14. Juni 2009

TV Tipps 15.06.-19.06.09



Da meine Internet-Verbindung wieder stabil zu sein scheint verspreche ich jetzt mal ganz vollmundig (und trotz privater wie finanzieller Probleme) eine Auferstehung dieses Blogs und damit mindestens ein Posting pro Woche. Angefangen mit den TV-Tipps, die eigentlich auch mal von Lance Hardwood kommen sollten aber der hat ja als Vertretung jämmerlich versagt. Außerdem bietet 3Sat nun eine kleine Reihe mit Filmen meines Lieblingsregisseurs Woody Allen, was ja ein kleiner Grund zum Feiern ist...

Montag, 15.06.

20:15 – 22:15 Cop Land (Kabel Eins)

Finsteres Cop-Drama mit dickem Stallone und auch sonst tollen Darstellern. Rambo himself liefert eine seiner besseren 90er-Vorstellungen ab, während die fatalistische Storyentwicklung etwas zu sehr auf Eskalation abzielt und einen reißerischen Beigeschmack bekommt, der den dramatischen Ansprüchen von Regisseur Mangold nicht förderlich ist...

00:00 – 01:55 Lili Marleen (HR)

Leiser noch nicht gesehen, bestimmt aber einer der interessanten Fassbinder-Filme – und im Anschluss gibt’s noch DIE EHE DER MARIA BRAUN...

Dienstag, 16.06.

20:15 – 21:50 Im Bann des Jade Skorpions (3Sat)

Woody Nr.1 – Kenntnisreiche und hervorragend gespielte Hommage an den Film Noir, getragen von einem gediegenen Jazz-Soundtrack und feinsinnigem Humor. Ganz im Stil klassischer Screball-Comedys glänzt der Film durch scharfzüngige Dialoggefechte, flotte Erzählweise und intelligent gestreute Filmzitate...

23:00 – 00:45 Anything Else (3Sat)

Woody Nr.2 – Jason Biggs ist toll in der Hauptrolle, ebenso überzeugend der restliche Cast. Obwohl gewohnt tiefsinnige Einsichten (hier vor allem über die philosophische Funktion von Witzen) gewährt werden und auch ANYTHING ELSE ein sehr persönlicher Film ist, so macht die wenig clevere Handlung doch einen weniger inspirierten Eindruck. Allen entwickelt in seiner Komödie kein Tempo und ergeht sich zu oft in redundanten, wenn auch wie immer brillant geschriebenen Dialogen.

Mittwoch, 17.06

20:15 – 21:50 Sechs Tage, Sieben Nächte (ZDF)

Schwungvolle Screwball-Komödie alter Schule mit einem herrlich raubeinigen Harrison Ford und wunderschönen Drehorten. Ein angenehm luftiger Sommerfilm, der vor allem eins bietet: Gute Unterhaltung...

22:25 – 23:45 Schatten und Nebel (3Sat)

Woody Nr. 3 – Einer der wenigen reinen Studio-Filme von Woody Allen, der erfolgreich der Ästhetik des deutschen Expressionismus huldigt und eine kafkaeske Geschichte atmosphärisch und pointenreich entwickelt. Bis in die kleinste Nebenrolle grandios besetzt...

23:00 – 00:25 RoboCop (SWR)

Wegweisender Sci-Fi-Action-Meilenstein. Kompromisslos brutal, zeichnet Verhoeven ein zutiefst pessimistisches Zukunftsbild, das viel Raum lässt für zynische Medienkritik. Einer aus den Fugen geratenen Gesellschaft begegnet das Drehbuch nicht mit stumpfer Gegengewalt-Rechtfertigung...

Donnerstag, 18.06.

22:25 – 23:40 Zelig (3Sat)

Woody Nr. 4 - herausfordender, sperriger und in seiner gedanklichen Komplexität sehr anspruchsvoller Film, indem sich Allen als inszenatorisches Genie zeigt und unterschiedlichste Techniken in einer durchdachten Montage zu einem wahren Mosaik zusammenführt. Ein ganz großer Film, viel zu unbekannt und oftmals übergangen, auch von Seiten der seriösen Kritik.

Freitag, 19.06.

20:15 – 22:40 Das fünfte Element (Pro 7)

Knallbunte Zukunftsvision von Luc Besson, die leider sichtbar überambitioniert geraten ist und an allen Ecken und Enden aus dem Ruder läuft. Trotz reizvoller Dekors und erfrischend humorvollem Unterton scheitert der Film vor allem aufgrund der unzumutbaren Milla Jovovich. Die hat dann ja dem „Johanna“-Film von Besson endgültig das Genick gebrochen mit ihrem Anti-Schauspiel...

20:15 – 22:20 Wallace und Gromit: Der große Alles-Käse-Abend (S-RTL)

Alle vier Kurzfilme um die englischen Kultfiguren aus Knete. Immer wieder schön, auch wenn AUF LEBEN UND BROT nicht mehr den originären Charme der Vorgänger aufweist. Trotz allem ist auch der jüngste Streich sehenswert und bietet erstmals ein amouröses Abenteuer für den schweigsamen Hund Gromit...

22:25 – 00:10 Hannah und ihre Schwestern (3Sat)

Woody Nr. 5 (was für ne geile Woche)- Bemerkenswert dicht gestrickter Ensemblefilm. Zu Herzen gehend, wunderbar komisch und völlig unter Wert verkauft. Ein kleines Meisterwerk...

02:10 – 04:30 U-Turn (RTL II)

Oliver Stone mal ganz ohne Politik, Zeigefinger und Pathos, dafür wie gewohnt visuell verspielt. Mir gefällt diese dreckige, anti-moralische Pulp-Story sehr gut, auch wenn der Film natürlich nicht viel zu erzählen hat und weniger von seiner abgründigen Geschichte als von seinen skurrilen Figuren profitiert...

04:30 – 06:25 Block Party (RTL II)

Zur besten Sendezeit gibt es die TV-Premiere zum brillanten Konzertfilm von Michel Gondry. Obwohl es um eine gigantische Party von David Chappelle dreht, hält sich dieser enorm zurück und nutzt den Film keineswegs zur Selbstdarstellung. Die Musikeinlagen, darunter der erste gemeinsame Auftritt der Fugees seit vielen Jahren, gehen unter die Haut und sind auf intime Weise eingefangen.

Montag, 18. Mai 2009

Top 5: Die begehrenswertesten Frauen aus Film und TV

Statt neuen Texten kann ich hier leider nur Listen und Kurzfilme präsentieren. Meine PC-Probleme sind noch nicht behoben. Glaubt mir, es kotzt mich wesentlich mehr an als euch. Anyway, hier nun meine Top 5 der aktuell begehrenswertesten Frauen der Film- und Fernsehwelt.


1. Julie Delpy
Weil die hinreißende Französin es mir schon in ihren ersten bekannten Rollen angetan (HOMO FABER, KILLING ZOE etc) hat. Ihre typisch französische Weiblichkeit hat etwas zartes, unberührbares und schon fast zerbrechliches, Intelligenz und Kreativität stehen ihr ins porzellanartige Antlitz geschrieben. Trotzdem bleibt sie stets eine selbstbestimmte Frau, die so gar keinen Schutz nötig zu haben scheint. Meine klare Nummer 1...


2. Scarlett Johansson
wegen ihrer üppigen Körperlichkeit, die beste Erinnerungen an Marilyn Monroe und andere klassische Hollywood-Diven weckt...


3. Cobie Smulders
weil das HOW I MET YOUR MOTHER-Sahneschnittchen unwahrscheinlich sympathisch und sexy ist. Ihr kerniger Akzent trägt viel zu ihrer Ausstrahlung bei, die im besten Sinne als sophisticated bezeichnet werden darf...



4. Lucy Liu
weil sie (ähnlich wie Michelle Pfeiffer)mit jedem Jahr schöner, weiblicher und sinnlicher zu werden scheint und alle begehrenswerten Eigenschaften einer Frau abzudecken scheint. Egal, ob man sich eine Domina, ein Zuckerstück oder eine Business-Frau wünscht - Lucy Liu ist in jeder Rolle vorstellbar...



5. Rosario Dawson
wegen ihrer bodenständigen Natürlichkeit und ihrem ganz bescheidenen Umgang mit ihren körperlichen Reizen. Larry Clark hat eben ein verdammt gutes Auge...

Animierte Kurzfilme: Fifty Percent Grey (2001)



10/10

Montag, 27. April 2009

Meine Lieblingswestern: Top 20

01. Abgerechnet wird zum Schluss (Sam Peckinpah)

02. Der Mann der Liberty Valance erschoss (John Ford)

03. Erbarmungslos (Clint Eastwood)

04. Töte, Django (Giulio Questi)

05. Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (Andrew Dominik)

06. Vier Fäuste für ein Halleluja (Enzo Barboni)

07. Dead Man (Jim Jarmusch)

08. Johnny Guitar (Nicholas Ray)

09. Der schwarze Falke (John Ford)

10. Der mit dem Wolf tanzt (Kevin Costner)

11. Zwei glorreiche Halunken (Sergio Leone)

12. Little Big Man (Arthur Penn)

13. Django (Sergio Corbucci)

14. Heaven's Gate (Michael Cimino)

15. Pat Garret jagt Billy The Kid (Sam Peckinpah)

16. The Shootist (Don Siegel)

17. Brokeback Mountain (Ang Lee)

18. Duell am Missouri (Arthur Penn)

19. Ein Fremder ohne Namen (Clint Eastwood)

20. The Wild Bunch (Sam Peckinpah)

Samstag, 25. April 2009

TV-Tipps 25.04. -01.05.09




SAMSTAG, 25.04.

20:15 – 22:15 Wild Wild West
Eigentlich ist Barry Sonnenfeld ein fähiger Mann, hier verliert er den Plot völlig außer Augen und zelebriert ein penetrantes postmodernes Spektakel, das für subtilen Witz keinen Platz lässt...(03/10)

00:00 – 01:30 Kung Pow – Enter the Fist (RTL II)
Späte TV-Premiere zu ungünstiger Sendezeit. Extrem abhängig vom Nervenkostüm des Zuschauers denn so überdreht und schrill kam in den letzten Jahren kaum eine andere Genre-Parodie daher. Im Gegensatz zu „Scary Movie“ und allem was dazu gehört, lässt sich Steve Oedekerk hier richtig was einfallen und brennt ein Feuerwerk ausgeflippter Einfälle ab, bis zum bersten voll gestopft mit liebevollen Referenzen aber auch mit ganz viel Holzhammer-Humor, den man vertragen muss. Dennoch eine bemerkenswert brachiale Verbeugung vor dem Asia-Trash der 70er...(07/10)

SONNTAG, 26.04

20:15 – 22:25 Get Rich or die Tryin' (Pro7)
Vielleicht das größte filmische Verbrechen der letzten 10 Jahre. Nach dem schon beschissenen „8 Mile“ nun die verlogene und höchst bedenkliche „Geschichte“ von 50 Cent, der hier im Prinzip nur deutlich macht, was er für ein harter Typ ist. Ein reines Marketing-Produkt in bescheuerter Ästhetik. Verachtenswerter Müll – von Lance Hardwood übrigens mit 8 Punkten geadelt...(01/10)

20:15 – 22:50 Der Duft der Frauen (Arte)
Nicht so gut wie das Original. Trotzdem nett... (07/10)

MONTAG, 27.04.

20:15 – 22:00 American Werewolf in Paris (Das Vierte)
Überflüssiger Nachfolger, ohne den Ideenreichtum und die akzentuierte Regie eines John Landis. Spult müde Genreklischees ab, bleibt aber durch ironische Spitzen (denen natürlich die Feinsinnigkeit des Originals völlig abgeht) halbwegs unterhaltsam und spaßig...(ca.03/10)

20:15 – 22:25 Driven (Kabel Eins)
Abgeschmacktes, stinklangweiliges Vehikel für Stallone, routiniert umgesetzt von Renny Harlin – diverse bekannte Deutsche sind in Nebenrollen und Cameos zu sehen...(ca.02/10)

21:00 – 22:50 Vier Freunde (Arte)
Kenne ich noch nicht, hört sich aber gut an und stammt immerhin von der viel zu oft unterschätzten Regie-Größe Arthur Penn, dessen Filme eigentlich immer einen Blick wert sind...

22:45 – 23:55 Mit stählerner Faust (Kabel Eins)
Trashiger van-Damme-Klopper, der immerhin stellenweise Geschmack in Kulissenwahl und düsterer Ausleuchtung beweist und sich nebenbei allemal wegsnacken lässt...(3,5/10)

23:45 – 00:55 Panzerkreuzer Potemkin (Arte)
DER Lehrfilm für Cineasten, Filmstudenten, Filmwissenschaftler oder Kritiker. Eisensteins Montage ist ganz groß, der Film auch heute noch ein Hochgenuss...(geht wohl nur 10/10)

01:05 – 02:40 Immer Ärger mit Harry (ARD)
Hitchcock beweist ein minutiöses humoristisches Timing, dessen überlegene Feinfühligkeit wie aus einem Guss wirkt. Dramaturgisch geschlossen, unaufgeregt erzählt und mit erlesenen Darstellern besetzt...

DIENSTAG, 28.04

20:15 – 22:00 Senseless (Kabel Eins)
Größtenteils pubertäre Späße, teilweise auf ordinärem Niveau, vorgetragen als substanzlose Klamotte, die sich ganz auf den grimassierenden Slapstick von Hauptdarsteller Marlon Wayans beschränkt. Fähige Nebendarsteller wie David Spade und Matthew Lillard werden verschenkt...(ca.02/10)

20:15 – 22:10 Gnadenlos schön (Tele 5)
Unterm Strich misslungene, dennoch sehenswerte Satire rund um amerikanischen Schönheitswahn. Überzeugendes Ensemble, das leider in der ungeordneten Charakterfülle nicht die eigenen Möglichkeiten erreicht...(05/10)

23:05 – 00:40 Im Juli (RBB)
Schwächster Film von Fatih Akin, auch wenn ich noch nicht alle gesehen habe. Furchtbar vorhersehbare Love-Story ohne echte Wirkung, da helfen auch die natürlich agierenden Schauspieler herzlich wenig... (4,5/10)

00:35 – 02:25 Hollow Man (ZDF)
Unterschätzter Film von Paul Verhoeven, neben „Showgirls“ aber sicher dessen schwächste Regiearbeit. Die oberflächlich abgehandelten Subtexte lassen schon darauf schließen, das Verhoeven hier die Zügel aus der Hand genommen wurden. Im effekthascherischen Showdown geht dann jede Tiefenwirkung, wie auch jede grimmige Bösartigkeit, gnadenlos über Bord...(5,5/10)

MITTWOCH, 29.04.

20:15 – 22:30 American Beauty (Kabel Eins)
Fabelhafter Kevin Spacey, fabelhaftes Drehbuch von Alan Ball und fabelhafte Regieführung von Sam Mendes. Lustvoll seziert der Film den amerikanischen Mittelklasse-Traum von Suburbia, das gelobte Land gesicherter Existenzen. Und Chris Cooper wird zu oft vergessen in den diversen (berechtigten) Lobeshymnen... (09/10)

22:30 – 00:40 Die üblichen Verdächtigen (Kabel Eins)
Das geschliffene Drehbuch konzentriert erfolgreich auf ein abgründiges Verwirrspiel, das zum Schluss fulminant aufgelöst wird und angesichts der bestechenden Darsteller zu höchstklassiger Unterhaltung aufsteigt. Formal nahezu perfekt, fehlte mir irgendwie immer das Herz, auf mich wirkt der Film einen Hauch zu unterkühlt...(08/10)

DONNERSTAG, 30.04.

20:15 – 22:25 Schwer verliebt (Vox)
Ja, ich stehe dazu: Ich bin ein großer Farrelly-Fan und halte die beiden Brüder für die wohl besten komödiantischen Regisseure/Autoren, die das Genre zu bieten hat. Leider handelt es sich bei „Schwer verliebt“ um ihren wohl schwächsten Film, der sich gegen Ende betont politisch korrekt gibt und jede subversive Note verliert. Bis dahin gibt es zwar Farrelly-typische Entgleisungen und eine Menge gelungener Scherze, allerdings fehlen die feinen Zwischentöne. Außerdem entlarvt die verstockte Moral den Film als zahnlos – Jack Black hält sich hier aber noch im Zaum...(04/10)

21:00 – 22:30 Winterreise (Arte)
Einst in einer Aachener Sneak Preview gesehen. Eindringlich gespieltes Selbstfindungsdrama vor ungewöhnlicher, exzellent gefilmter Kulisse und intensiven emotionalen Höhepunkten...(ca.7/10)

22:25 – 00:30 Spurlos (Vox)
George Sluizer kastriert seinen phänomenalen Thriller für Hollywood, schleift jede abgründige Ecke ab zugunsten einer Starbesetzung. Für sich gesehen immer noch ziemlich effektvoll und spannend inszeniert, bei Kenntnis des Originals aber nicht nur verzichtbar sondern auch ziemlich ärgerlich...(03/10)

22:25 – 23:45 Paranoid Park (3Sat)
Was Larry Clark mit „Kids“ gelang ist bis heute unerreicht und beispiellos geblieben – van Sant kommt nicht an seinen Protagonisten heran, erzeugt trotz vorgeblicher Authentizität keinerlei intime Momente und zerfällt in uninteressante Versatzstücke. Viel mehr eine (gescheiterte?) Versuchsanordnung als ein echter Film...(ca.04/10)

22:45 – 00:25 Firewall – Ein todsicheres Programm (ARD)
Routine-Ding mit Harrison Ford. Nicht gesehen aber bestimmt mies.

01:50 – 04:15 Todesmelodie (ARD)
Der pulverdampfende Abgesang auf den Spät-Western, mit sicherer Hand von Maestro Leone in Szene gesetzt. Überragende Bildkompositionen, stimmungsvoller Score von Morricone und in den Hauptrollen brillante Darsteller – da lässt sich über die wenig stringente Geschichte hinweg sehen. Muss aber nochmal geschaut werden, eindeutiges Urteil derzeit nicht möglich... ;)

FREITAG, 01.05

07:00 – 09:05 – Weiße Jungs bringen's nicht (Vox)
Hervorragende Melange aus Sportfilm, Freundschaftsdrama und urbaner Komödie. Authentisch gespielt, in den Basketball-Szenen rasant gefilmt und geschnitten, darüber hinaus ehrlich in der Charakterzeichnung. Im Gegensatz zum Gros ähnlich gelagerter Komödien nimmt der Film seine Figuren ernst, ohne leichtfertig Sympathien zu verschenken und die behandelten Problematiken zu verklären...(08/10)

11:35 – 13:30 Aus dem Dschungel in den Dschungel (Pro7)
Ätzendes Remake zur tollen französischen Komödie „Little Indian“. Esprit, Spritzigkeit und Unverschämtheit des beseelten Originals gehen verloren, Tim Allen nervt mehr denn je...(01/10)

22:15 – 00:15 Deep Blue Sea (Pro7)
Lachhafter, lärmender Action-Schrott – schwache Effektarbeit, peinlich auf cool getrimmte Darsteller und voll von lahmen Gags...(03/10)

22:30 – 01:30 Eyes Wide Shut (RTL II)
Akribisch durchkomponiertes letztes Meisterstück von Stanley Kubrick. Ein gedankenreicher, elegant gefilmter Bilderrausch von betörender Wirkung, angefüllt mit psychosexuellen Bedeutungsebenen. Kidman und Cruise leisten ganze Arbeit...(09/10)

00:05 – 01:30 Mafia! (ZDF)
Schrecklich banale Genreparodie, die zwar einen gewissen filmgeschichtlichen Kenntnisreichtum zeigt, aber in jeder Beziehung hinter ihren Möglichkeiten zurück bleibt. Ungewohnt nerviger Film von Jim Abrahams, dessen beste Tage ja scheinbar lange vorbei sind... (2,5/10)

00:55 – 02:25 Quiet Earth (Arte)
Stimmungsvolles Endzeit-Drama von Geoff Murphy, aus der lang vergangenen Zeit, als dieser noch gute Filme drehte. Klare Empfehlung... (mindestens 7,5/10)

Mittwoch, 22. April 2009

Filmtagebuch München (31.03.-17.04.09)

Hier mein persönlicher Rückblick auf die Zeit, die ich in München verbracht habe, zumindest was Filme betrifft. 11 Kinobesuche habe ich geschafft, durch die vielen Kurzfilme komme ich damit auf knapp 40 Filme, ein paar im Fernsehen mit gerechnet. 4 mal habe ich die Reihe „Japanische Animationsfilme“ besucht, die sich mit den Wurzeln des Genres auseinander setzt und ein äußerst seltenes Programm zu bieten hatte. 2 Besuche gingen in die Retrospektive zu Apichatpong Weerasethakul, deren Ergebnisse mich wohl als Kunstbanausen entlarven werden. „Monsters vs Aliens“ musste wegen der 3D-Technik sein, „Gran Torino“ und die beiden „Dirty Harry“-Filme wegen meiner immer stärker werdenden Neugier auf Clint Eastwood. Als Buttgereit-Fan habe ich mich natürlich auch gefreut über die Gelegenheit, seinen „Captain Berlin versus Hitler“ schon sehen zu dürfen und 5 Filme im Fernsehen sind es dann auch noch geworden...

FILME IM TV:

Monsterland (7,5/10)
Erhellende Dokumentation von Jörg Buttgereit, die ihrem komplexen Thema allerdings nicht gerecht werden kann. Doch auch wenn viele der angerissenen Denkanstöße zu kurz kommen, taucht der Film doch mit sichtbarer Freude in seinen Gegenstand ein und fördert mehr zu Tage als übliche, ähnlich gelagerte Produktionen. Buttgereit beschränkt sich nicht auf Monsterdarstellungen in westlichen Produktionen und ihre vornehmlich psychologischen Funktionsweisen sondern nutzt die Gelegenheit um ein Thema einzubinden, das ihm selbst bekanntlich sehr am Herzen liegt: Den japanischen Monsterfilm und seine kulturelle Bedeutung – diese persönliche Note verleiht „Monsterland“ echten Charakter und hebt ihn trotz einiger Oberflächlichkeiten, die gerne hätten ausgebaut werden können, weit von der Masse ab. Ein für Einsteiger ebenso wie für gestandene Horror- bzw. Monsterfans geeigneter Streifzug, welcher durchaus einen etwas anderen Blick auf vermeintlich tot diskutierte Figuren wirft...

The Commitments (8,5/10)
Alan Parker entwirft eine vielschichtige und genau recherchierte Milieustudie, die ihr Setting authentisch abbildet und keinen Platz hat für kitschige Übertreibungen. Statt eine konventionelle Rise-and-Fall-Geschichte anhand altbekannter Schlüsselstationen zu erzählen bemüht sich der Film um die realistische Schilderung des schwierigen Beginns einer musikalischen Karriere. Das ungeschönte Stadtbild Dublins, die energiegeladenen Musikeinlagen und die unverbrauchten Darsteller tragen zum Gelingen dieses außergewöhnlichen Musikfilms bei, der seine Figuren weder heroisiert noch verteufelt und als wirkliche Charaktere mit Ecken und Kanten begreift. So verwundert es kaum, wenn Parker seine Geschichte unglamourös zu Ende gehen lässt, ohne einen Aufstieg zu Ruhm und Reichtum zu benötigen. Die straffe Inszenierung, welche trotzdem Platz lässt für eine melancholische Note, verpackt das Ganze in einen höchst unterhaltsamen, zu Herzen gehenden Film, der bis zum Ende seinen Sinn für Humor nicht vergisst und darüber hinaus keine redundante Liebesgeschichte erzählt, auch wenn die Personenkonstellation diese geradezu anbieten würde. So kann die Machart des Films verstanden werden als Entsprechung der vorgetragenen Musik: ebenso rau, ungeschliffen und aus dem Bauch heraus wie die Commitments im Film klingen, funktioniert auch ihre (fiktive) Geschichte...

Voll auf die Nüsse (4,5/10)
Dank des begnadeten Ben Stiller funktioniert diese grelle, laute Komödie über weite Strecken ganz gut, auch wenn sie sich immer wieder in peinlichen Zoten verrennt und auf pure Oberflächenunterhaltung aus ist. Dabei verschenkt der Film leider unzählige Möglichkeiten, die sich in diversen gelungenen Ansätzen zeigen: Sei es der spöttische Blick auf moderne Fitness-Studios und die Geschäftspolitik großer Ketten oder die in ihrer Herangehensweise originelle Verballhornung typischer Sportfilme amerikanischer Prägung. Letztlich zerfällt „Voll auf die Nüsse“ aber in ziellos umher geschleuderte Pointen, die insgesamt zu uneinheitlich ausfallen und auch qualitativ weit auseinander driften. Da ist von intelligent-hintergründig über moderat und bieder bis hin zu Intelligenz beleidigenden Blindgängern einfach alles dabei, was die Gesamtwertung deutlich runter zieht. Kurzweilig und manchmal gar schreiend komisch ist der Film also allemal, auch wenn er sein Potential nicht ausschöpft und nur dröge Figuren für seine Schauspieler bereit hält. Einzige Ausnahme bildet hier Stiller, der mit sichtlichem Spaß bei der Sache ist...

Ein Hauch von Nerz (6,5/10)
Schwungvolle Screwball-Komödie mit hinreißenden Darstellern und einem verschmitzten Drehbuch, das viel Platz lässt für Frivolitäten und hintergründige Geschlechterwitze. Doris Day und Cary Grant harmonieren sichtbar miteinander, bringen den nötigen Esprit in das Geschehen. Trotz einiger scharfzüngiger Dialogzeilen und doppelbödiger Witzeleien verläuft die Handlung sehr geradlinig, vorhersehbar und damit einfach zu glatt. Das ändert aber nichts an der schönen Unterhaltung, die diese mondän inszenierte Liebesgeschichte bereiten kann.

She's The One(7,5/10)
Die Regiearbeiten von Edward Burns gehören schon lange zu meinen Lieblingen, da es sich stets um erfrischend ehrliche, direkte und unkomplizierte Independentfilme handelt, die nicht selten an Woody Allen erinnern aber einen ganz eigenen Weg finden. „She's The One“ funktioniert als Quasi-Remake des extrem ökonomischen Debütfilms „Kleine Sünden unter Brüdern“ und erzählt damit eine sehr ähnliche Geschichte mit vereinfachter Figurenkonstellation und einigen bekannten Gesichtern. Anders als man vielleicht vermuten mag bedeutet diese Mainstream-Version aber keine Weichspülung des Originals, das leichtfüßig und beschwingt weiter gedacht wird. Auch wenn die Dialoglastigkeit und die eher schwammige Dramaturgie abschreckend wirken können, so findet dennoch eine glaubwürdige Entwicklung statt – auch wenn am Ende ein wenig zu dick aufgetragen wird. Ansonsten verläuft die Story in verhaltenem Tempo und richtet sich ganz nach den Gefühlen der Figuren, die durchaus ambivalent gezeichnet sind, auch wenn die Sympathien klar verteilt sind. Unterm Strich eine empfehlenswerte, luftig-lockere Beziehungskomödie, die (ungeachtet ihrer positiven Einstellung zum Leben) keine falschen Versprechungen macht und in ihrer liebenswerten Bescheidenheit ganz einfach gute Laune macht...

SONDERVORSTELLUNG IM MÜNCHENER WERKSTATTKINO:

Captain Berlin versus Hitler (2009) (07/10)
Buttgereit pur! Der ehemalige Underground-Regisseur mit Kultstatus kehrt zu seinen Wurzeln zurück und reanimiert Captain Berlin, eine Kunstfigur, die Buttgereit für einen frühen Super-8-Film erschaffen und auch eine Hauptrolle in einem seiner viel später entstandenen Hörspiele widmete. Hier wird Captain Berlin zum Gegenspieler Hitlers, dessen Hirn von einer durchgeknallten Nazi-Doktorin ins Leben zurück geholt wurde. Reichlich skurriler Stoff, den Buttgereit auf die Theater-Bühnen los lassen durfte, von Thilo Goosejohan geistreich montiert und rasant geschnitten. Mit sparsam eingesetzten Spezialeffekten, mit denen das Bildmaterial überarbeitet wurde sowie Gimmicks wie Sprechblasen, in denen der gesprochene Dialog erscheint, unterstreichen den filmischen Charakter – hier handelt es sich keineswegs um lieblos abgefilmtes Theater. Das versierte Spiel zwischen Kamera und Schnitt lässt beinahe vergessen, das es sich nicht um einen „richtigen“ Film handelt. Außerdem platziert Goosejohan geschickt Ausschnitte aus frühen Super-8-Filmen von Buttgereit, die innerhalb des Gesamtbildes eine völlig neue Funktion erfüllen und damit wunderbar als Selbstzitat funktionieren. Darüber hinaus ist die charmante Mischung aus Groschenheft-Krimi, politischer Groteske und Naziploitation, mit einem ganz tollen Ilsa-Verschnitt in der Hauptrolle...


REGULÄR LAUFENDE KINOFILME bzw. AUFFÜHRUNGEN IM FILMMUSEUM:

Monsters vs. Aliens (2009) 5,5/10
Der neue Animationsfilm aus dem Hause DreamWorks hätte endlich mal wieder eine runde Sache werden können: schließlich sind die besten Filme, „Antz“ und „Shrek“, schon eine ganze Weile her. Vieles sorgt hier für Stimmung: Da wäre zunächst einmal wie wunderbar eingesetzte 3D-Technik (alleine die Weltraum-Sequenzen sind eine Augenweide), die hier als Gimmick besondere Daseinsberechtigung hat, steht der Film doch in der Tradition des Genrefilms der 50er-Jahre, in denen erstmals ein großes Kinopublikum mit 3D-Effekten gelockt wurde. Auch die zahlreichen intelligenten Referenzen machen Freude, sind sie doch längst nicht so aufgesetzt wie gewohnt von DreamWorks von zitieren aus heute eher unbekannten B-Filmen. Ob „Angriff der 20-Meter-Frau“, Der originale „Blob“, „Die Fliege“ mit Vincent Price oder der „Schrecken vom Amazonas“ von Jack Arnold – pointiert und mit deutlicher Liebe zum parodierten Gegenstand bedient der Film ebenso alteingesessene Filmfans wie auch die Kinder, die an gelungener Situationskomik ihren Spaß haben können. Der Feinschliff fehlt aber wie üblich in der Figurenzeichnung, die vor allem sehr lieblos eine Hauptfigur präsentiert, die mal eben genau so aussieht wie eine Mischung des kleinen Mädchens aus „Bolt“ und Kim Possible. Natürlich stehlen die betont skurrilen Nebencharaktere ihr sämtliche Schau. Außerdem ist das löchrige Drehbuch nur wenig originell und im Showdown gar uninteressant. Nebenbei entwirft der Film ein positives Bild vom Militär, das in seiner reaktionären Einfachheit und loyaler Pflichterfüllung der Politik deutlich vorgezogen wird. So ist der Präsident nichts weiter als ein schusseliger Trottel, während der konservative General immer voll zu seinem Wort steht und am Ende den Tag rettet...

Gran Torino (2008) (9,5/10)
Der würdige Abtritt einer Ikone. Offensichtlich und doch subtil setzt Eastwood einen Schlusspunkt, in dem er all seine Figuren, die er in einer langen und erfolgreichen Karriere dargestellt hat, in einer bündelt und einen markanten Kommentar zum eigenen Gesamtwerk hinterlässt. Dabei entschuldigt sich der Filmemacher für nichts und versetzt gerade jenen Zuschauern und Kritikern einen Stich, die sich gerne zu einer faschistoiden Leseart seiner Filme und Charaktere hinreißen lassen und damit nur einen Teilgedanken wahrnehmen. „Gran Torino“ ist auch ein im höchsten Maße moralischer Film, im positiven Sinne des Wortes und gibt gleichzeitig einen Scheiß auf politische Korrektheit. Mit leiser Wehmut und doch stolz geschwellter Brust beendet Eastwood seine Karriere als Schauspieler und hätte sich dafür keinen eindrucksvolleren und kraftstrotzenderen Film wünschen können. Ein Meisterwerk und ein verdammt witziger Film dazu, so einfach und gleichzeitig so unwahrscheinlich komplex, reich an Gedanken und doch reduziert. Wunderbar...

The Enforcer (1976) (4,5/10)
Schlechtester Vertreter der Reihe um Dirty Harry, der im Gegensatz zur ersten Fortsetzung keine neuen Akzente zu setzen weiß und daher unangenehm in Routine erstarrt. Als Genrefilm durchaus brauchbar und auch mit einem fiebrig-guten Score von Jerry Fielding versehen, krankt der dritte Teil an den wenig charismatischen Nebenfiguren und der unattraktiv umgesetzten Action. So fehlt einer überlangen Verfolgungsjagd zu Fuß einfach jegliches Timing, Szenen wie diese bremsen das Tempo des fahrig inszenierten Films mehrfach aus. Clint Eastwood ist zwar cool wie immer und sorgt für ironische Zwischentöne, kann aber dem müden Handlungsverlauf nicht viel entgegen setzen...

Sudden Impact (1983) (07/10)
Nach dem schwachen direkten Vorgänger stellt diese reißerische Selbstjustiz-Geschichte eine klare Steigerung dar. Obwohl das eigentliche Thema nur wenig differenziert abgehandelt wird und wieder reichlich Stoff für eine faschistische Interpretation der Hauptfigur zulässt, ist der Film dem dritten Teil vor allem formal überlegen. Mit mehr Betonung auf Action und Bewegung erhält er als Copfilm eine wesentlich unterhaltendere Komponente und fügt neben einem sympathischen Partner (der bis zu seinem Tod natürlich nur Stichwortgeber bleibt) einen weiblichen Gegenentwurf zum dreckigen Harry hinzu. Auch wenn der Film eher die niederen Instinkte bedient: Die furiose Inszenierung und die starke Sondra Locke lasse über ideologische Fragwürdigkeiten hinweg sehen und klären den Blick auf einen knallharten Genrefilm, der es nie vergisst, eine gewisse Ironie durchscheinen zu lassen...



APICHATPONG WEERASETHAKUL (Retrospektive im Münchener Filmmuseum)

The Adventure of Iron Pussy (2003) 06/10
Herrlich schräge und überdrehte Agenten-Parodie, inszeniert als schrilles, thailändisches Camp-Musical. Voll von forcierten Fehlern, unbekümmertem Slapstick einfachster Machart und krude gezeichneten, überkandidelten Figuren. Nach einem amüsanten Beginn flacht das Konzept aber bald ab und weiß gegen Ende keine Akzente mehr zu setzen. Doch auch wenn dem Film vor Schluss die Puste ausgeht, so gefällt doch die minimalistische Ausführung, die Ideenreichtum und sicheren Umgang mit der Materie beweist. Die grellen Szenenbilder sind allerdings wenig abwechslungsreich, sodass sich die betont anachronistische Optik schnell abnutzt und unter der vergnüglichen Oberfläche nicht mehr viel offenbart als gepflegte Langeweile. Das alles natürlich unter der Berücksichtigung, das ich mit den mannigfaltigen Zitaten nichts anfangen, sie nicht einmal in großer Häufigkeit entdecken konnte. Aber wer kennt sich schon mit thailändischen Musicals, Soaps und frühen Actionfilmen aus?

Mysterious Object at Noon (2000)
Ich oute mich jetzt mal als totaler Kunstbanause: Der scheinbar in der gesamten Welt als Erneuerer des Kinos gefeierte Apichatpong Weerasethakul konnte mich mit diesem Film nicht erreichen. Wohl auch nicht die anderen Kinozuschauer, die nach der Vorstellung fast fluchtartig das Kino verließen und sich die Kommentare des Filmemachers gar nicht erst anhören wollte. Zwar gefällt die wahrhaft zeitlose, altmodische Optik, die eine Atmosphäre zwischen Fiktion und Dokumentation kreiert und teilweise sehr schöne, grobkörnige schwarz-weiß-Bilder hervor bringt – inhaltlich war mir das alles zu sehr Avantgarde. Wir lauschen einer diffusen Geschichte, die von unterschiedlichsten Personen weiter erzählt wird und so immer wieder neue individuelle Prägungen bekommt. Eine konventionelle Entwicklung findet nicht statt, lediglich eine gediegene Sammlung von Fragmenten, ausschließlich verbal weiter getragen. Vielleicht war die kulturelle Barriere zu groß für mich, doch dieser sich konsequent jeder Aktion verweigernde Film hat in erster Linie ein Gefühl erzeugt: Gewaltige Langeweile...

Thirdworld (1997)
In gewisser Weise eine frühere Version von „Mysterious Object at Noon“, die teilweise aus dem gleichen Material schöpfen und auch eine ähnliche Stimmung verbreiten. Mit präzisem Look für das Belanglose skizziert der Film ein einfaches Dorf und seine Einwohner, verweigert sich aber ebenso wie sein großer Bruder jedem eindeutigem Zugang. Zäher Stoff, der aber immerhin einen authentischen Blick auf ein dem Regisseur scheinbar gut vertrautes Milieu wirft...

Like The Relentless Fury of the Pounding Waves (1995)
Es ist wohl bezeichnend, das mir der trashige „The Adventure of Iron Pussy“ am besten Gefallen hat, in dem Teil der Retrospektive, die ich mir anschauen konnte. Die Filme, die den Ruf des Regisseurs begründet haben, konnte ich mir leider nicht ansehen, ein umfassenderes Bild werde ich mir bei Gelegenheit sicher machen. Vorliegender Kurzfilm kommt aber auch über einen reizvollen Ansatz kaum heraus und zeigt den hohen Stellenwert einer trivialen Radio-Unterhaltungsshow, die in Thailand scheinbar ein echter Straßenfeger ist. Mit sensationalistischer Erzählstimme werden Groschenheft-Geschichten vorgetragen, die für viele Menschen die Flucht aus einem tristen Alltag ermöglichen. So zeigt der Film verschiedene Personen, die allesamt an den Lippen der Show hängen und deren Leben in diesem kurzen Zeitraum wie erstarrt erscheint. Ein durchaus interessantes Frühwerk, für das die erklärende Einleitung allerdings auch bitter nötig war...

Mobile Men (2008)
Dreiminütiger Beitrag zum Kompilationsfilm „Stories of Human Rights“, der ein paar junge thailändische Männer auf der Ladefläche eines Pick-Ups zeigt. Die schreien rum, erfreuen sich ihres Lebens, zeigen ihre Tattoos (mit denen die Mädchen beeindruckt werden) und im Hintergrund zieht die Landschaft vorüber, die von üppiger Vegetation bestimmt wird. Ganz bestimmt auch ein visionäres Kunstwerk, das sich mir aber nicht im geringsten erschlossen hat...

Teem, Nov 21 (2007) 01/10
Weerasethakul filmt knapp 25 Minuten (gefühlte 10 Stunden) seinen Lebensgefährten beim schlafen. Ach nein, manchmal stößt er ihn leicht an, sodass der Schlafende mal kurz seine Augen öffnet. Bestimmt ganz tolle, grenzüberschreitende Kunst aber dafür bin ich dann doch zu sehr Banause. Mit knapp 30 anderen Erwachsendem einem schlafenden Typen zuschauen war schon ermüdend genug aber als dann im direkten Anschluss die Fortsetzung gezeigt wurde (ja genau, das gleiche Szenario am nächsten Tag!!) habe ich den Saal verlassen um mir eine Zigarette zu gönnen. So ein Unfug mag ja als experimentelle Kunst gelten und ganz doll viele Subtexte enthalten, die ich wahrscheinlich nicht verstehe aber hat Andy Warhol das nicht schon vor Jahrzehnten gemacht??

The Anthem (2006)
Als Auftragsarbeit für den König entstanden, läuft dieser handlungsfreie Kurzfilm scheinbar vor jeder Kinovorstellung in Thailand. Mit dynamischer Kamera gefilmt, sieht das Ganze zwar ziemlich gut aus, stellt aber im Endeffekt nur ein kurzes Gespräch zwischen drei Frauen dar, abgelöst von einem interessant abgefilmten Badminton-Training – ein Spiel, das sich in Thailand bekanntlich großer Beliebtheit erfreut. Am Ende drängt sich mir aber nur die Frage auf: Warum das Ganze? Dann doch lieber ein paar unterhaltsame Trailer...

Vampire (2008)
Wie die meisten anderen Filme der Retrospektive findet auch hier keine Handlung statt, die Bilder dieses von Luis Vitton mitproduzierten Films sind ebenfalls digital aufgenommen. In bizarrer Weise setzt sich der dokumentarisch aussehende Kurzfilm mit dem thailändischen Volksglauben an monströse Wesen auseinander, der in einer sehr naiven Form bis heute existiert, vornehmlich natürlich unter der ländlichen Bevölkerung. Die interessante Ausgangssituation wird aber eigentlich nur dafür missbraucht, halbnackte Männer mit Kamera und Taschenlampe durch den nächtlichen Dschungel zu schicken, beschmiert mit ein wenig Tierblut. Um das Ende zu spoilern: Sie werden nicht gefressen... ;)




JAPANISCHE ANIMATIONSFILME

Sparen mit Tasuke Shiobara (1925, 10 min)
Verstaubtes Relikt aus der Urzeit japanischer Animationsgeschichte. Wie so viele andere ist auch dieser kurze Lehrfilm nicht in seiner Originalversion erhalten geblieben. Der eigentliche Stummfilm lag nur nachvertont vor, praktischerweise im japanischen Original ohne deutsche oder englische Untertitel. Kein weiterer Kommentar zu diesem ohnehin vergessenswerten Filmchen...

An Expression (Ein Ausdruck) (1935, 3 min)
Rhythmus (1935, 2 min)
Propagate (Fortpflanzung) (1935, 4 min)
Rhythmische Dreiecke, Kämpfende Karten (1932, 4 min)
Faszinierende Fingerübungen des Experimentalfilmers Shigeji Ogino, der ohne eine professionelle Ausbildung hunderte von Schmalfilme herstellte und schon früh auch in Europa Achtungserfolge erzielen konnte. Ogino ist damit einer der Pioniere des japanischen Animationsfilms, dessen Werke meist eine Auslostung filmästhetischer Möglichkeiten darstellen. Die vier hier erwähnten Kurzfilme sind – jeder für sich – ein Spiel mit menschlicher Wahrnehmung von Bildabfolgen, die hier durch reine Bewegung ausgelöst wird. Die Bilder beziehen sich allein auf sich selbst und funktionieren durch Verscheibung von Formen und Strukturen, sowie durch effektvolle Schnittfolgen. Nur „Propagate“ beginnt mit einer fadenscheinigen Einführung, die an einen Lehrfilm zum Thema pflanzlicher Fortpflanzung erinnert. Schon nach wenigen Bildern wirft der Film seinen Deckmantel aber ab und entpuppt sich ebenfalls als rein formales Experiment, bestechend in seiner simplen Ausführung, bleibt aber dennoch hinter den beiden anderen Filmen zurück. „Rhythmische Dreiecke, Kämpfende Karten“ ist geteilt in zwei Abschnitte, deren Inhalt im Titel wieder gegeben wird, macht aber durch diesen herben Einschnitt in der Mitte der Laufzeit einen weniger einheitlichen und suggestiven Eindruck wie „Rhythmus“ und „An Expression“, die als Höhepunkte gewertet werden können.

Detektiv Felix in Schwierigkeiten (1932, 10 min)
Als einer Frau die Schuhe gestohlen werden wendet sich diese an den Katzendetektiv Felix, der auf den ersten Blick sieht, das es sich um das Werk eines Hundes handeln muss. Die gewiefte Katze macht sich auf den Weg um den Fall aufzuklären und begegnet dabei allerlei wunderlichen Gestalten... In Anlehnung an Felix The Cat entstand diese Detektivgeschichte, die in ihrer surrealen Ausgestaltung und wenig komischen Inszenierung allerdings sehr weit entfernt ist vom originalen Felix. Dieser tritt hier inoffiziell auf, als Blech-Spielzeug in einer fantasievoll dekorierten Umgebung, in der Puppen- und Zeichentrick eine interessante Symbiose eingehen. Ogino garniert auch „Detektiv Felix“ mit einigen netten optischen Highlights, die eigentliche Geschichte wird aber tempoarm erzählt und sehr schlicht zu Ende gebracht, ganz so, als hätte sich Ogino auch hier nur für das Formale interessiert und dem narrativen Aspekt keinerlei Bedeutung geschenkt...

Ein Tag in Hundert Jahren (1933, 11 min)
Der Filmemacher Shigeji Ogino findet sich in einer futuristischen Welt wieder - exakt hundert Jahre nach seinem eigenen Tod. Sein Geist wurde mittels moderner Technik zurück ins Leben gerufen und nun erscheint ihm sein Leben als Rückschau: 1932 war er ein begeisterter Regisseur, zehn Jahre später starb er im Weltkrieg... Shigeji Ogino inszeniert eine existenzphilosohische Parabel und setzt sich selbst in den Mittelpunkt einer dysutopischen, kafkasesken Rückschau auf die nächsten Hundert Jahre. Leider vefolgt der Film seine Fragestellungen nicht intensiv genug und bricht sehr abrupt ab, ohne die interessante Geschichte zu verdichten. Sie dient eher als Aufhänger für eine visuell ansprechend gestaltete Achterbahnfahrt durch einen Albtraum. In seiner nüchternen Machart erinnert er ebenfalls an Kafka, der mit ähnlich gelassener Stimme vergleichbar absurde Situationen kommentiert...

Perot der Schornsteinfeger (1930, 23 min)
Ganz Tom-Tam-Land ist aufgeregt über die Rückkehr des Prinzen in die Hauptstadt Tick-Tack. Auch der fleißige Schornsteinfeger Perot darf sich frei nehmen um die Parade zu Ehren des Prinzen anzusehen. Der von Zügen begeisterte Perot kann sich aber nicht zurückhalten und besteigt den privaten Zug des Prinzen, der ihm durch ein Missgeschick außer Kontrolle gerät und an einem Felsen zerschellt. Für dieses Vergehen verhängt der Premierminister die Todesstrafe über Perot, der als letzten Wunsch einen Blick vom Schornstein über die weite Landschaft wählt. Dort sieht er feindliche Truppen heran nahen und Hals über Kopf steckt das Tom-Tam-Land mitten in einem erbitterten Krieg. Perot, dessen Bestrafung zur Nebensache geworden ist, beteiligt sich eifrig an den erbitterten Kämpfen, doch der Feind ist in der Überzahl. Neue Soldaten müssen her - da erinnert sich Perot an ein Zauberei, das er von einer Taube erhalten hat, die er vor einem gefräßigen größeren Vogel gerettet hat. Das Zauberei entfesselt eine gigantische Armee und das Blatt wendet sich... Atmosphärisch dichter, teilweise sogar poesivoller Silhouettenfilm, der im Scherenschnitt-Verfahren hergestellt ist und eine eigentümliche Stimmung kreiert. Die tragische Antikriegs-Parabel wird durchbrochen von einigen komischen Einlagen, die aus der Unbeholfenheit einiger Bewegungsabläufe entstehen und nicht immer freiwillig erscheinen. Größtenteils anmutig erzählt, mit ebenso skurrilen wie märchenhaften Momenten versehen und in seinem Humanismus durchaus aufrichtig, lässt sich „Perot“ als absoluter Geheimtipp werten.

Drei kleine Bären (1931, 12 min)
Simpel gestrickter und eintöniger Kurzfilm, der ganz ohne Worte und ohne einen Ton Musik auskommt. Die steifen und langsamen Animationen gehen Hand in Hand mit dem verhaltenen Erzähltempo, wobei die pädagogisch sehr einfache Moral hier im Vordergrund steht, auf seine Eltern zu hören. Selbst der Filmhistoriker Akira Tochigi, der die Einführung leitete und anschließend Fragen beantwortete, wusste mit dem Film nicht wirklich etwas anzufangen. Nur aus historischer Sicht noch leidlich interessant als einer der ersten Filme der Japanischen Liga für proletarisches Kino...

Nippon Banzai (Japaner, kämpft!) (1943, 11 min)
Überaus brutaler Propagandafilm, in dem auf versierte Weise Zeichentrick- und Realfilmaufnahmen miteinander verquickt werden. Da werden Frauen und Kinder zu Boden getreten, Soldaten mit dem Bajonett getötet und die beständig bedrohliche Geräuschkulisse ist geprägt vom Lärm des Krieges. In seiner aggressiven Ausprägung rassistischer Klischees vom bestialischen Feind und der grafischen Gewalttätigkeit keineswegs kindgerecht, für einen künstlerischen Ausdruck ist dabei selbstverständlich kein Platz mehr.

Spionageabwehr (1941, 10 min)
Propagandistische Fabel, inszeniert als Warnung vor Verrätern in den eigenen Reihen und feindliche Spione, die ihre Augen und Ohren bekanntlich überall dabei haben. Funktioniert der fantasiereichere Anfang noch als muntere Allegorie (wenn auch äußerst platt vorgetragen), so mündet die Handlung schon nach der Hälfte in eine simple Verfolgungsjagd, deren absurder Verlauf sich deutlich an amerikanischen Vorbildern orientiert, hinter denen aber weit zurück bleibt. Nur selten schafft es der Film, die Möglichkeiten des Zeichentricks für jene Unmöglichkeiten zu nutzen, die man schon aus den frühen Cartoons mit Betty Boop oder auch Micky Maus kennt...

Luftschutz (1942, 10 min)
Ähnlich gestrickt wie „Spionageabwehr“, ist auch dieser Cartoon eine wenig differenzierte, patriotische Pro-Kriegs-Fabel, die es mit munterem Slapstick versteht, auch jüngere Zuschauer zu begeistern. Darüber hinaus kann die Geschichte keine Originalität bieten und ist auch in der drögen Figurenzeichnung meilenweit von den angestrebten Vorbildern entfernt.

Die Verbreitung von Krankheiten (1926, 14 min)
Eintöniger Erziehungsfilm, der vor liederlicher Lebensführung warnt und die Wichtigkeit sorgfältiger Hygiene thematisiert. Unfreiwillig komisch sind nicht nur die staksigen Animationen, auch die personifizierten Bakterien und die einfallslos gestalteten Hintergründe sorgen für den ein oder anderen Schmunzler in einer ansonsten biederen Umsetzung. Immerhin können vereinzelte visuelle Ideen überzeugen, wie die Darstellung des Dialogs in diese Stummfilm: Eine Sprechblase wandert vom Mund des Senders zum Ohr des Empfängers und durchqueren dabei auch die Zimmer einer exemplarischen Wohnung...

Kirschblüten (1946, 8 min)
Im Verzicht auf eine narrative Ebene und in der vollen Konzentration auf die Visualisierung klassischer Musik steht „Kirschblüten“ in der Tradition von „Fantasia“. Hier tänzeln Schmetterlinge durch eine surreal anmutende Traumwelt und werden zum Ausdruck für Maria von Webers „Aufforderung zum Tanz“. Bemerkenswert vor allem in der Eleganz der flüssigen Bewegungsabläufe...

Geschichte vom Muku-Baum (1947, 20 min)
Träumerischer Zeichentrickfilm, dessen zarte Bilder eine romantische Atmosphäre beschwören und den Inhalt eher in den Hintergrund treten lassen. Mit viel Liebe zum Detail ist hier ein außergewöhnlicher aber schwer zu fassender Film entstanden, der eine Wiederentdeckung durchaus lohnt...

Verbrechensvorbeugung (1948, 8 min)
Lehrfilm aus dem Nachkriegs-Japan, der anhand einfach gestrickter Beispiele das Vorgehen der Polizei in Japan rechtfertigt und zugleich Auszubildende anzuwerben versucht. Ohne auf die sozialen Missstände einzugehen pocht der Film extrem oberflächlich auf patriotischen Zusammenhalt. In den sparsam animierten Bildern spiegelt sich eine tiefe Verzweiflung und die kollektive Hoffnung auf eine Wiederherstellung von Ordnung und Normalität...

Ein magischer Federhalter (1946, 11 min)
Wesentlich hochwertiger und weniger plakativ als der oben genannte Auftragsfilm kommt dieser ebenfalls in der schwierigen Nachkriegszeit entstandene Kurzfilm. Durch den magischen Federhalter kann sich ein verwaistes Kind zunächst prachtvolles Essen herbei zaubern und macht sich anschließend an den Wiederaufbau der Ruinen, aus denen die Stadt nur mehr besteht. Direkte Berührungspunkte gibt es nicht zum Zweiten Weltkrieg, jede direkte Nennung von Orten, Feinden oder genauen Geschehnissen bleibt aus. Das sich alles am Ende als Traum heraus stellt ist zwar dramaturgisch die einfachste und wohl auch schlechteste Lösung, kann in diesem Rahmen aber nicht den grundsätzlich positiven Gesamteindruck zerstören. Vielmehr bleibt eine gewisse Traurigkeit, die sich über die kindliche Utopie legt, auch beim Zuschauer zurück, dem ein Happy End vergönnt bleibt.

Prinzessin Bagdad (1948, 48 min)
Unkonzentriert erzähltes und in der Handlungsentwicklung schematisch-vorhersehbares Werk an der Schwelle zwischen Kurz- und Langfilm. Trotz enormer Defizite, sowohl ästhetischer wie auch inhaltlicher Art, überzeugt der mitunter schelmische Humor und die unbeschwerte Adaption des arabischen Märchens, dessen Inhalt natürlich stark verzerrt wird. In seiner restaurierten und rekonstruierten Version sicherlich eine seltene Entdeckung, insgesamt aber nicht mehr als eine Fußnote in der Entwicklung des Genres. Zudem fehlt dem unentschlossenen der entscheidende Rhythmus – zu schleppend entwickelt sich das Geschehen für einen temporeichen Cartoon, für einen abendfüllenden Kinofilm fehlt es an Substanz und erzählerischer Dichte...

Geschichte eines sorglosen Stationsvorstehers (1948, 13 min)
Wenig beeindruckender Lehrfilm, der eigentlich nur eine Botschaft hat: Mach deine Arbeit richtig und sei glücklich dabei. Die Nachlässigkeit des Stationsvorstehers führt nach vielen redundanten Füllszenen schließlich zum Unglück und zwei Züge kollidieren in einem Tunnel. Schlimme Sache, der Film hat mir nichts gegeben – einige nette Gags waren aber schon dabei...

Torachan und seine Braut (1948, 15 min)
Interessant in seiner Betrachtung von traditionellen Wertvorstellungen und modernen Ideen funktioniert die als Fabel erzählte Geschichte als Komödie über Generationskonflikte. Nebenher zeigt er ein ganzes Land im Umbruch, traut sich aber nicht, eine eindeutige Stellung zu beziehen.

Gullivers gute Taten (1950, 9 min)
In deutlicher Anlehnung an „Gulliver's Travels“ aus den Fleischer-Studios zeigt auch dieser Kurzfilm eine gänzlich entpolitisierte, kindgerecht vereinfachte Version einer der vier Reisen des satirischen Romanklassikers von Jonathan Swift. Wenig individuell gezeichnet und in der Figurenanimation noch lange nicht auf amerikanischem Niveau, kündigt der Kurzfilm doch eine neue Ära im japanischen Animationsfilm an. Bis der jahrzehntelange Rückstand aufgeholt war, sollten zwar noch einige Jahre vergehen – dennoch zeigt sich hier eine Hinwendung zur professionellen Herstellung kindgerechter Animationsfilme. Neben den unnötigen Modernisierungen trübt aber der fehlende Sinn für Humor und Musikalität das Vergnügen, das wohl wirklich nur für die kleinsten erdacht wurde. Unter dieser vermeintlich unbeschwerten Oberfläche dient der Film aber auch als Erinnerung an die rechtzeitige Zahlung der Steuern als wichtiger Auftrag für den Einzelnen. Daraus resultiert eine sichtbare Abstufung des Individuums zugunsten des Allgemeinwohls...

Urashima Taro (1952, 2 min)
Anders als „Gullivers gute Taten“ handelt es sich hier um eine originäre japanische Geschichte, die tief in eine Unterwasserwelt führt und dort eine vergessene Stadt, bewohnt von friedlichen Drachen erzählt. Sehr abgehakt und wenig ausführlich erzählt, ist der Film leider zu kurz um die fantasievolle Idee auszuschöpfen, bietet aber eine ganz eigene lyrische Note, die sich nicht an amerikanische Vorbilder anbiedert. Stilistisch orientiert sich „Urashima Taro“ zwar noch stark am naturalistischen Stil der Disney-Filme, macht sich dabei aber erstaunlich gut und gehört mit Sicherheit zu den formal besten Filmen der Retrospektive. Hier wäre aber auch mehr drin gewesen...

Sonntag, 12. April 2009

Animierte Kurzfilme: 9 (2005)



Am 09.09.09 (perfektes Datum) kommt der Langfilm zu Shane Ackers Machwerk in die Kinos. Hier könnt ihr euch schonmal den Kurzfilm ansehen.

Freitag, 3. April 2009

Animierte Kurzfilme: Technological Threat (1988)



Bis zum 17. April bin ich ohne Internet-Anschluss in München, daher wird es bis dahin keine Texte, auch keine Kurzkommentare, geben. Daher wieder mal ein toller animierter Kurzfilm - TECHNOLOGICAL THREAT (ging bei der Oscar-Verleihung leer aus zugunsten des wesentlich schwächeren Pixar-Films TIN TOY) wandelt auf den Spuren von Tex Avery und verbindet dessen anarchischen Stil mit beißender Gesellschaftskritik.
Viel Spaß und nach Möglichkeit bitte auf ofdb bewerten, damit dieser Perle ein wenig Aufmerksamkeit zukommt. ;)