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Montag, 27. Juli 2009

Gay Purr-ee (1962)



Plot: Frankreich in den 1890ern: Der Kater Jaune-Tom lebt zufrieden in der Provence, er jagt Mäuse mit seinem besten Freund Robespierre und ist glücklich verliebt in die hübsche Katzendame Mewsette. Doch diese ist nicht zufrieden mit dem beschaulichen Landleben und sehnt sich nach der großen Stadt Paris, ihrem glitzernden Nachtleben und ihren romantischen Sehenswürdigkeiten. Als Jaune-Tom ihr eine gefangene Maus zum Geschenk machen will, hat Mewsette genug und schickt den Kater enttäuscht davon. Sie springt auf eine Kutsche nach Paris auf um dort ein neues Leben zu beginnen.

Robespierre, ohnehin eifersüchtig auf Mewsette und angeekelt von der liebevollen Turtelei zwischen ihr und Jaune-Tom, überbringt seinem besten Freund die vermeintlich frohe Botschaft von Mewsettes Abreise. Dieser überlegt nicht lange und folgt seiner Angebeteten nach Paris, begleitet von Robespierre, der seinen Freund nicht alleine ziehen lassen will. Mewsette ist inzwischen an ihrem Ziel angekommen, gerät aber sofort in das Netz einer kriminellen Katzenschieber-Organisation, deren Kopf die beleibte Katze Madame Rubens-Chatte ist. In ihrem Auftrag ist der verschlagene Kater Meowrice unterwegs, um naive Neuankömmlinge wie Mewsette zu täuschen und zu verkaufen...



„Gay Purr-ee“ nimmt in der Geschichte des Animationsfilms gleich in mehrfacher Hinsicht eine besondere Stellung ein: Zunächst einmal handelt es sich um einen der wenigen amerikanischen Genrefilme seiner Zeit (wenn nicht gar der erste überhaupt), die sich in keinster Weise am Disney-Stil („Imitation of Life“) orientieren und im Charakterdesign auf vollendete Cartoon-Künstlichkeit setzen. Die fast schon karikaturesk anmutenden Figuren haben nicht viel zu tun mit den physikalischen Gesetzen, da kommt es schon einmal vor, das Jaune-Tom wie eine Rakete durch die Luft fliegt und schwere Holzkisten auf den Schädel bekommt ohne Schaden davon zu tragen, oder sich Madame Rubens-Chatte verstohlen direkt ans Publikum wendet und in die Kamera spricht. Diese cartoonesken Figuren agieren nur selten vor traditionell gezeichneten Hintergründen sondern werden ästhetisch ganz in die Handlungszeit versetzt, was zu einer selten gesehenen ästhetischen Heterogenität führt, die aber trotz ihrer Gegensätzlichkeiten funktioniert. Überwiegend sind die Hintergründe im Stil von impressionistischen Ölgemälden gehalten, wobei auf diverse Künstler, die direkt in Paris lebten oder auf andere Weise in ihrer Arbeit von der Stadt beeinflusst wurden, und deren markante Stilmittel bzw. Techniken verwiesen wird.

So bewegen sich die agil animierten Katzen durch fast vollständig starre und bewegungslose Stillleben, exakt nachempfunden den Gemälden von Claude Monet, Vincent van Gogh, Paul Cézanne und diversen anderen zeitgenössischen Malern. Auf diese überdeutlich in Szene gesetzten Referenzen weist der Film sogar selbst in einer kurzen Sequenz hin, die wie ein Fremdkörper in der Handlung wirkt und die im 1890er-Paris aktiven und populären Künstler würdigt, in dem sie namentlich aufgezählt werden und explizit die Verarbeitung ihrer Erkennungsmerkmale in den Bildern des Films heraus gestellt wird. Wenn auch etwas ungeschickt platziert, ist dieser kurze Ausflug in die Kunstgeschichte hilfreich für Laien und vor allem auch für die jüngsten Zuschauer. Zwar erkennt auch ein Laie wie ich leicht die mannigfaltigen Anspielungen auf die hinlänglich bekannten Künstler, viele andere wären mir aber ohne diesen kurzen Unterricht verborgen geblieben.



Die Ähnlichkeit zum klassischen Cartoon, die bis in die 1960er als Vorfilme einen festen Platz im Kinoprogramm hatten, ist kein Zufall: Hinter dem Projekt steht als Drehbuchautor und ungenannter Mitproduzent die Animationslegende Chuck Jones – Oscar-Preisträger und Regisseur von rund 300 Cartoons, von denen einige zu den Meilensteinen ihrer Gattung gezählt werden. Als Regisseur fungierte indessen Abe Levitow, der wohl beste und wichtigste Animator, der für Chuck Jones arbeitete. Die Handschrift des eingespielten Teams ist unverkennbar und drückt sich nicht nur in der kecken Figurenzeichnung aus sondern auch in den aberwitzigen Slapstick-Szenen, die in der romantischen Story natürlich in den Hintergrund treten. Typisch für den amerikanischen Zeichentrickfilm scheint aber die Nutzung des Musicals als äußere Form, um mittels beschwingter Gesangseinlagen die Handlung auf Spielfilmlänge zu dehnen. In „Gay Purr-ee“ wird das Setting und die Form allerdings untrennbar mit dem romantischen Inhalt vermengt, sodass die stimmigen Lieder nicht bloße Staffage bleiben sondern einen fundamentalen Beitrag zur Gesamtkonzeption leisten.



Auch für ein stimmliches Cameo des legendären Synchronsprechers Mel Blanc (Sprecher von nahezu allen wichtigen Warner-Figuren) , der als Bulldogge auftritt und für einige weitere, nicht näher genannte, Geräusche und Einzelsätze verantwortlich war. Selbst sein Faible für Wortspiele in Namen, Ortsangaben und den Filmtiteln selbst konnte Chuck Jones beibehalten: Wie ein großer Teil seiner Cartoons (unter anderem alle Filme um den Road Runner) wimmelt auch dieser Langfilm von Wortspielen, die schon im Titel beginnen - „Purr-ee“ ist eine Verballhornung der französischen Aussprache von „Paris“, ausgesprochen in Anlehnung an das Schnurren einer Katze. Mit großer Freude am Detail setzt sich dieser Trend durch den ganzen Film fort, von den Namen der Protagonisten bis hin zu Orten wie dem „Mewlon Rouge“ - letzteres unterstützt darüber hinaus auch die absurde Parallelwelt der vermenschlichten Tiere.

Dementsprechend routiniert und schnörkellos ist der Film inszeniert, stets getragen von einem beschwingten Ton, der immer wieder Platz macht für schwelgerische Gesangseinlagen. Wie in jedem guten Musical beginnt der Gesang dort, wo gesprochene Wörter nur noch kitschig wirken können und vermittelt die jeweiligen Stimmungslagen adäquat in den eingängigen Songs. Wenn die Handlung auch arg dünn erscheint und mit einem unfreiwilligen Alaska-Ausflug von Jaune-Tom und Robespierre recht bizarr ausgeschmückt wird, entwickelt der Film immer wieder neues Tempo, ohne dabei allzu viele redundante Sequenzen einzubauen. Zum einnehmenden Charme trägt auch das versierte Voice Acting bei, unter anderem mit den Stimmen der Superstars Judy Garland und Robert Goulet.

So simpel und schnörkellos die Geschichte auch erzählt wird, Abe Levitow biedert sich nicht mit einer rührseligen Moral an. Wenngleich Mewsette sich nach den Verlockungen der Stadt sehnt und ihr idyllisches Landleben gründlich satt hat und sie in Paris schnell mit den Schattenseiten ihres Traumes konfrontiert wird, wird zum Schluss nicht ihr vermeintlich falscher Freiheitswillen an den Pranger gestellt und letztlich erstrahlt Paris in schönstem Glanz.



„Gay Purr-ee“ ist ein vergessener Film, dessen Wiederentdeckung in höchstem Maße unwahrscheinlich ist. Schließlich kann man kaum von einem Meilenstein oder Meisterwerk reden, trotz der formellen Originalität und des brillanten Voice-Actings. Innerhalb der Zeichentrickgeschichte ist er relativ einzigartig geblieben – nur selten setzte beispielsweise Disney auf eine cartooneske Stilisierung (Ausnahmen bilden „101 Dalmatiner“ und der viel später entstandene „Königreich für ein Lama“) und außerhalb der kurzen Cartoons hatte kaum ein Zeichentrickfilm vor Ralph Bakshi so viel Mut zur abstrakten Darstellung - erst recht nicht im Bereich der familiengerechten Produktionen.

Auch das Setting im Paris der künstlerisch aufregenden 1890er-Jahre wurde selten so konsequent genutzt, am ehesten vielleicht im Micky Maus Cartoon „The Nifty Nineties“ aus dem Jahr 1941. Während Chuck Jones und Levitow in den Cartoons um das kultige Stinktier Pepe das Klischee des französischen Romantikers noch auf sehr süffisante Art aufgriffen, erliegt „Gay Purr-ee“ gänzlich dem Charme der Stadt der Liebe – so wird das friedvolle Happy End abgeschlossen mit einem Bild des Eiffelturms, inklusive wehender französischer Flagge.

7,5/10

Hier die von mir erwähnte Sequenz, in der ausführlich die künstlerischen Vorbilder veranschaulicht werden:

Freitag, 3. April 2009

Animierte Kurzfilme: Technological Threat (1988)



Bis zum 17. April bin ich ohne Internet-Anschluss in München, daher wird es bis dahin keine Texte, auch keine Kurzkommentare, geben. Daher wieder mal ein toller animierter Kurzfilm - TECHNOLOGICAL THREAT (ging bei der Oscar-Verleihung leer aus zugunsten des wesentlich schwächeren Pixar-Films TIN TOY) wandelt auf den Spuren von Tex Avery und verbindet dessen anarchischen Stil mit beißender Gesellschaftskritik.
Viel Spaß und nach Möglichkeit bitte auf ofdb bewerten, damit dieser Perle ein wenig Aufmerksamkeit zukommt. ;)

Sonntag, 29. März 2009

Freitag, 27. März 2009

Filmtagebuch: Animations-Kurzfilme



Special Delivery (Kanada, 1978) Oscar-prämiert
Schwer makaberer Humor, präsentiert von einem sarkastischen, trockenen Voice Over. Fintenreich entwickelt sich der skurrile Plot völlig gegen den Strich gebürstet und vermag es, selbst abgebrühten Zuschauern einige erstaunliche Wendungen und Ideen aufzutischen. Dabei ist die Selbstverständlichkeit, mit der der Film seinen abgründigen Humor funktionieren lässt, ebenso unbequem wie erheiternd. Bis zum Schluss bleibt der 7-minütige Film unberechenbar, die betont einfachen, sparsam animierten und kindlich-harmonischen Zeichnungen kontrastieren den tiefschwarzen Inhalt sehr effektvoll...(8,5/10)

Every Child (Kanada/Frankreich, 1979) Oscar-prämiert
Sowohl technisch als auch erzählerisch sehr einfach gestrickt, humoristisch eher zahnlos und in seiner Verbindung zwischen Real- und Zeichentrickfilm recht dröger Kurzfilm, der aber über eine elegante atmosphärische Gestaltung Pluspunkte sammeln kann und letztlich auch seine zuckersüße Stimmung transportieren kann. Aufgrund der holprigen Machart und der wenig einprägsamen, trivialen Geschichte unterm Strich aber nur Durchschnitt...(05/10)

The Fly (Ungarn, 1980) Oscar-prämiert
Exakt durchkomponiertes, perfekt animiertes kleines Meisterwerk aus Ungarn. Sogar zu einer Hommage bei den Simpsons hat es dieser atmosphärisch einzigartige, beklemmende und verstörende 3-minütige Kurzfilm gebracht. Die gesamte Zeit folgt die Kamera der subjektiven Sicht einer Fliege, die neugierig umher fliegt und die es in ein Haus verschlägt, wo sie schließlich ihren gewaltsamen Tod findet. Die stark verfremdete „Fliegensicht“ auf die vertrauten Dinge zieht augenblicklich in ihren Bann und wird von der summenden Soundkulisse entsprechend verfeinert. Suggestiv, vieldeutig und nach einmaliger Sichtung garantiert auf ewig ins Hirn gebrannt... (09/10)

Tango (Polen, 1981) Oscar-prämiert
Intensive filmische Collage aus über die Funktionalität animierter Bilder wie über die Isolation des (postmodernen) Menschen. Überlegt konstruiert der Film eine schon bald hypnotisch anmutende Bildfolge, in deren Verlauf sich weder Kameraeinstellung noch musikalische Untermalung oder die Kulisse ändert. In faszinierender Gleichmäßigkeit füllt sich der Raum bis hin zur totalen Unübersichtlichkeit – ein Ereignis läuft neben dem anderen her, ohne das eine gegenseitige Wirkung sichtbar wird. Fraglos ein tiefsinniges gedankliches Konstrukt, das im strengen visuellen Konzept eine gewisse Ordnung findet und trotz aller Komplexität somit begreifbar wird...(8,5/10)

The Great Cognito (USA, 1982) Oscar-nominiert
Lauter, mit großer Kreativität und enormem Aufwand produzierter Kurzfilm, der sich durch einen burlesken Ton auszeichnet mit grandiosem Voice Acting glänzt. Neben dem witzigen aber überreizendem Wortschwall verlangt die kompliziert eingesetzte Claymation-Technik große Aufmerksamkeit um entsprechend gewürdigt zu werden. Trotz der formal exzellenten Machart kommt der anti-narrative Film anstrengend und leicht überladen daher, gefällt aber zumindest oberflächlich...(6,5/10)

Sundae in New York (USA, 1983) Oscar-prämiert
Charmantes Mini-Musical, das im Claymation-Look dem Zauber des alten Hollywood nachweint, dies aber mit gediegenem Witz und einer liebevollen Verbeugung vor dem Big Apple. Dennoch einer der schwächeren hier besprochenen Animationskurzfilme, wenn auch sehr gestenreich und überhaupt etwas over-the-top inszeniert...(5,5/10)

Charade (Kanada, 1984) Oscar-prämiert
Vor absurdem Witz sprühender Cartoon um Method Acting, ignorante Jury-Mitglieder und fragwürdige Casting-Entscheidungen – eigentlich auch über die ganze Absurdität der Filmbranche an sich. Durch verspielten visuellen Ideenreichtum bekommt der Kurzfilm den gewissen cartoonesken Touch, der dem Gros vergleichbarer Produktionen fehlt. In seiner spöttischen Unbekümmertheit ein sympathischer und außerordentlich witziger Film...(7,5/10)

Anna & Bella (Niederlande, 1984) Oscar-prämiert
Sentimental aber nie verklärend, sehr süß ohne Zahnschmerzen zu verursachen, ergreifend animiert doch niemals billig verkitscht. Die einfalls- und detailreich bebilderten gemeinsamen Erinnerungen zweier inzwischen greiser Schwestern sind zwar anrührend erzählt und profitieren von einem ganz eigenen, verschrobenem Charme – THE BIG SNIT ist aber der bessere Film und hat vielleicht wegen seiner gewagten Thematik gegen diesen doch sehr harmlosen, schrullig-schönen Film den Kürzeren gezogen...(07/10)

Een Griekse Tragedie (Belgien, 1985) Oscar-prämiert
Einziger enttäuschender Kurzfilm der Kompilation THE WORLDS GREATEST ANIMATION, der zwar in schöne handgefertigte Zeichnungen gekleidet ist, im Gegensatz zu den anderen Vertretern der Zusammenstellung aber so gar nichts zu vermitteln weiss. Die heitere Grundstimmung nutzt sich genau wie der immer wieder variierte Gag schnell ab und hinterlässt nicht viel beim Zuschauer. Leider sehr nichtssagend, vielleicht ist aber auch einfach der Funke nicht über gesprungen. Selbst der sehr simple LUXO Jr. hat mir da besser gefallen aber Pixar hat ja genug Oscars nachgeholt...(04/10)

The Big Snit (Kanada, 1985) Oscar-nominiert
Noch vor dem legendären Zeichentrick-Downer WENN DER WIND WEHT thematisiert Regisseur Richard Condie hier die Angst vor einem nuklearen Holocaust. Ungemein clever inszeniert er einen überhöhten, hysterischen privaten Streit vor dem Hintergrund der Eskalation des Kalten Krieges. Was als hintersinnige Karikatur auf die Kalter-Krieg-Paranoia beginnt, kulminiert schließlich in einem existentialistisch angehauchtem Traumbild, das in seiner Aufrichtigkeit wahrhaft zu erschüttern weiß, ohne jemals aufdringlich den Zeigefinger zu schwingen. Gerade der ruppige und bewusst irritierende Stilbruch zeichnet diesen zutiefst humanistischen und ehrlichen Film aus, der noch lange nach dem Abspann nachwirkt...(7,5/10)

Crac (Kanada, 1987) Oscar-prämiert
Komplexes, folkloristisches filmisches Gedicht aus sinnlichen, sehr weichen Zeichnungen. Versehen mit einer wunderbar melancholischen Schlusspointe und einer formell sehr ausgereiften Filmsprache. Wunderschönes Kleinod, unterlegt mit feinfühliger Musik und getragen von einer beachtlichen gedanklichen Tiefe... (08/10)

Your Face (USA, 1987) Oscar-nominiert
Ein kleines Meisterwerk von Groening-Vorbild Bill Plympton, in dem er seinen Hang zum Surrealismus voll ausspielt. Ein Gesicht vor leerem Hintergrund, das ein bizarres Lied vorträgt, reicht Plympton als Spielwiese für exorbitanten mimischen Anarchismus. In ständig fortlaufender Bewegung verändern sich die Gesichtszüge auf unbeschreibliche Weise. Ein in seiner kunstvoll arrangierten Flüssigkeit bemerkenswerter Kurzfilm, dessen visueller Einfallsreichtum immer wieder zu verblüffen vermag...(09/10)

Technological Threat (USA, 1988) Oscar-nominiert
Sowohl in der Figurenzeichnung als auch in der Hochgeschwindigkeitsinszenierung eine Hommage an die Animationslegende Tex Avery, auf dessen scharfkantigen Stil auch die Hintergründe und Bewegungsabläufe bewusst hinweisen. Sowohl als Erinnerung an die klassischen Werte des Cartoons, deren viele Gesichter niemals ausgeschöpft sein werden, als auch als eigenständige, gesellschaftskritische Satire äußerst gelungen. Der anarchische Slapstick trifft in den besten Szenen genau in die gleiche Kerbe wie die ätzend-süffisant vorgetragene Kritik an der zunehmenden Wegrationalisierung des Menschen, leider gegen Ende ein wenig ausgefranst und zu wenig auf den Punkt gebracht...(07/10)

The Cat Came Back (Kanada, 1988) Oscar-nominiert
In der Tradition klassischer Chase-Cartoons gestalteter Kurzfilm, der nicht viel um politische Korrektheit und sauberen Witz gibt, stattdessen einen beschwingte Musikalität an den Tag legt. Viel mehr wird die aberwitzige Gewalttätigkeit des Genres heraus beschworen und in betont grobschlächtigen Zeichnungen zelebriert. Auf den Punkt gebrachte Figurenanimation und eine sich geschickt steigernde Gagfolge verdichten sich zu einem bösen Spaß für Erwachsene. Zudem ist der titelgebende Song, der sich als Leitmotiv durch den ganzen Film zieht, gefällig komponiert, eingängig und als akustische Klammer virtuos eingesetzt...(7,5/10)

Tin Toy (USA, 1989) Oscar-prämiert
Der erste Oscar für Pixar und zwar völlig unverdient – sowohl THE CAT CAME BACK als auch TECHNOLOGICAL THREAT sind sowohl handwerklich als auch inhaltlich TIN TOY weit überlegen. Schon die grässliche Darstellung des menschlichen Babys macht den Film hässlich, katastrophal gealtert ist er dazu und die Bewegungen sind noch zu steif um wirklich zu überzeugen. Trotz all seiner Fehler kann TIN TOY mit einigen netten Ideen und einer tieferen Bedeutungsebene hinsichtlich der destruktiven Beziehung des Kindes zu seinem Spielzeug, wobei letzteres als Protagonist auftritt. Viele Aspekte nehmen jene Ideen vorweg, die in TOY STORY schließlich künstlerisch adäquat umgesetzt wurden...(5,5/10)

Balance (Deutschland, 1989) Oscar-prämiert
Herausforderndes, kafkaeskes Stück filmischer Existenzphilosophie und als Beitrag zur bildenden Kunst ebenso wertvoll wie als unterhaltender Kurzfilm. Die etwas steifen Bewegungsabläufe und die damit etwas ungelenke und leblose Visualität sind unbedeutende, verschwindend geringe Kritikpunkte angesichts der hier dargebotenen universell gültigen Parabel den menschlichen Hang zu Materialismus, Egozentrik und die Sackgasse, in der die menschliche Natur das Individuum führen kann. In erbarmungslos gleichmäßiger Ruhe entwickelt sich ein Miniatur-Drama, das die reizvolle Grundidee konsequent auszuspielen vermag, ohne dabei intellektuell überladen zu wirken. Schon die Gleichgültigkeit, in der die Figuren mimisch verharren und ihre zögerlichen, unbestimmten Handlungen erzeugen eine nur schwer verdauliche atmosphärische Dichte. Zudem bietet der Film mannigfaltige Bedeutungsebenen und kann sowohl soziologisch als auch politisch interpretiert werden. Verdienter Oscar...(8,5/10)

Creature Comforts (Großbritannien, 1989) Oscar-prämiert
Der famose Einstieg für Nick Park in eine Traumkarriere und der erste von bisher vier Oscars. Ähnlich wie seine Kultfiguren Wallace und Gromit very british und im gleichen Verfahren entwickelt. Die Stop-Motion-Technik macht hier bereits einen sehr ausgereiften und versierten Eindruck, stimmige Bewegungen und exakte mimische Gestaltung erwecken die Knetfiguren überzeugend zum Leben. Der trockene Humor resultiert aus der Ernsthaftigkeit, in der die Tiere Englands ihre jeweiligen Lebensumstände kritisch kommentieren. Ohne eine eigentliche Geschichte zu erzählen, behält der Film konsequent seinen Stil bei und ist durchgehend als Mockumentary in Szene gesetzt. Sehr amüsant aber auch nachdenklich und von einer gewissen Traurigkeit bestimmt, kann Parks Erstling (der mehr als zehn Jahre später einen Ableger in Form einer TV-Serie nach sich zog) heute noch überzeugen, auch wenn die intelligente Grundidee noch mehr hergegeben hätte...(07/10)

The Chubbchubbs! (USA, 2002) Oscar-prämiert
Der Film unterwandert das allgemein gepflegte Niedlichkeitsprinzip a la Disney, Pixar, DreamWorks und Co. Sehr geschickt, indem er sich der gleichen knuddeligen Ästhetik bedient, diese aber in einem unerwarteten Schlussgag ironisch aufbricht. Außerdem wird dem Zuschauer eine clevere Verbeugung vor dem originalen WAR OF THE WORLDS geboten, das wesentlich subtiler als gewohnt in die Handlung eingebettet wird, ohne aufdringlich heraus gestellt zu werden. Im übrigen bietet dieser erste Animationsfilm von Sony Pictures Imageworks eindrucksvolle Animationen auf hohem Niveau, durchgängig am Computer erstellt. Viel mehr als ein netter Gag ist der Film dann aber doch nicht...(07/10)

The Danish Poet (Norwegen/Kanada, 2006) Oscar-prämiert
In warmen Farben gehaltener, leise und geduldig erzählter Film, der eine traurig-romantische Stimmung kreiert, dem metaphysischen Aspekt der symbolträchtigen Story allerdings ein wenig zu viel Aufmerksamkeit widmet und daher ein auch religiös-verbrämt gelesen werden kann. Dennoch erstaunlich, wie der Film das Grafische hervor hebt und seine zweidimensionalen Bilder sehr streng stilisiert. Die großartige Liv Ullmann spricht einen sehr ausdrucksstarken und sensiblen Kommentar und übernimmt auch die wenigen gesprochenen Sätze aller Figuren. Was zunächst befremdlich wirken mag entwickelt seinen ganz eigenen, einnehmenden Charme und trägt maßgeblich zum Gelingen des Films bei, der mit seinen kindlichen, einfachen Animationen sowohl Sony als auch Disney und Pixar ausstechen konnte...(07/10)

Oktapodi (Frankreich, 2007) Oscar-nominiert
Nicht viel mehr als eine stilistische, verspielte Fingerübung – schon die Nominierung dieses französischen Filmchens scheint etwas überzogen, angesichts der mangelnden inhaltlichen Tiefe. Zwar können die (durchweg computergenerierten) Bilder überzeugen und durchaus neben der übergroßen Konkurrenz bestehen, die scharfen Pointen eines Pixar-Kurzfilms (in deren Tradition OKTAPODI eindeutig steht) bleiben aber weitestgehend aus. Die unkonzentrierte Dramaturgie findet keinen runden Abschluss, sodass selbst die tollen Farben und gelungenen Minenspiele der Figuren (in den etwas mehr als zwei Minuten wird auf Dialog verzichtet) nicht über den fehlenden Feinschliff hinweg täuschen können. Für die Academy ein überraschend oberflächlicher Beitrag, dessen gelungene Tricktechnik dennoch eine ansehnliche Visitenkarte für die Macher darstellt...(5,5/10)