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Donnerstag, 19. März 2009

My bloody Valentine 3D - Die Zweite



Ich kann mich gut an eine Zeit erinnern, in der Slasher-Movies für mich einen hohen Stellenwert hatten und regelmäßig auf dem filmischen Speiseplan standen. Bereits vor zehn Jahren hatte ich, im Alter von knapp 13, den größten Teil der hinlänglich bekannten Genre-Vertreter gesehen und wähnte mich daher als einen Horror-Experten. Filme wie „Halloween“, „Nightmare on Elm Street“ und „Freitag der 13.“ hatten wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung meines Filmgeschmacks, der sich aber schon zu dieser Zeit nicht einseitig zeigte. Der gewisse Kitzel, den ein versiert inszenierter Slasher bei mir verursachte, lässt sich nur schwer beschreiben, gehört aber dennoch zu den intensivsten meiner frühen Filmerfahrungen. In der Hoffnung, diesen irgendwie besonderen Filmgenuss wiederholen zu können, kamen auch die üblichen Verdächtigen auf den Tisch, darunter „Monster im Nachtexpress“, „Die Forke des Todes“ und eben „Blutiger Valentinstag“. Auch wenn diese kleineren Kultfilme neben ihren wegweisenden großen Brüdern nicht mehr den gleichen Eindruck machen konnten, der gewisse puristische Charme und der dazu gehörige VHS-Kult des unterschlagenen Films in den 90ern haben viele bleibende Erinnerungen hinterlassen. Da der Slasher an sich ein eher kindliches Genre ist, das sich meist an einfach gestrickten Mustern orientiert, stellt sich eine einfache Frage, deren Antwort wohl über den Eindruck bestimmt, den „My Bloody Valentine 3-D“ beim Zuschauer macht: Wie viel vom Slasher-begeisterten Teenager ist noch übrig?

Leider nicht mehr viel, in meinem Fall. Nach dem enttäuschend einfallslosen „Freitag der 13.“-Remake und nun „My Bloody Valentine 3-D“, muss ich leider feststellen, das ich wohl langsam aber sicher zu alt für den Scheiß bin. An den Gläsern der rosaroten Nostalgie-Brille machen einige Kratzer nicht viel aus, die alte Liebe zu den alten Schlitzerfilmen bleibt, und sei es nur wegen dem Kurzauftritt von David Copperfield in „Monster im Nachtexpress“. Die blitzblanken Neulinge treffen einfach nicht mehr jenen Nerv und müssen spätestens seit „Scream“ einfach auf einem ganz anderen Level bestehen. So gelingt auch „My Bloody Valentine“ nicht die angestrebte Vermengung klassischer Stilmittel mit moderner Ästhetik und obligatorischem Twist. Während der schlichte Handlungsablauf durchaus funktionell ist, verödet die aufgesetzte und unlogische Auflösung (die deutlich an „High Tension“ erinnert) das Vergnügen deutlich. Statt die eigene Trivialität hervor zu heben, gefällt sich der Film in seinem abstrus konstruierten Ablauf, der eine tiefere psychologische Ebene vortäuscht und sich dabei sichtbar clever vorkommt.

In erster Linie versteht sich „My Bloody Valentine 3-D“ aber als reiner Attraktionsfilm, der mit neu ausgereifter 3D-Technik (deren Einsatz momentan fast exponentiell zu steigen scheint) auftrumpft und mir die Zuversicht gab, mindestens einen vergnüglichen Kinoabend zu erleben. Tatsächlich machte die Umsetzung zunächst großen Spaß, schon weil nahezu jeder der zahlreichen Gewaltakte auf das 3D-Erlebnis abzielt und seine Schauwerte somit heraus stellt. Der gesamte Film definiert sich über seine Technik, was eine erneute Sichtung daheim eher unwahrscheinlich macht. Die zumeist klaren, sehr plastischen Effekte machen einen dementsprechend ausgearbeiteten Eindruck, da sei es dem Film auch verziehen, das er sich mitunter zu sehr in dieser Spielerei ergeht. Denn nichts anderes als eine, zugegeben gelungene, Spielerei ist diese 3D-Technik, den eigentlichen Film macht das nicht unbedingt besser. Anders als seine Genre-Vorfahren ertrinkt dieser im Blut, schlachtet jede noch so fadenscheinige Gelegenheit aus für saftige Metzeleien. Der spezielle Thrill, den die eigentlichen Kills bei der alten Garde stets krönten, ist hier praktisch nicht vorhanden, da an allen Ecken und Enden geschlachtet wird. Nur wenige Sequenzen, wie die Verfolgung durch den nächtlichen Supermarkt, können die ursprünglichen Qualitäten des Subgenres reanimieren – das restliche Bild wird bestimmt von heran fliegenden Kieferknochen, Spitzhacken und einer unübersehbaren Abnutzung des technischen Gimmicks.

Das Bestrafungsprinzip des Slasher-Genres findet auch hier seine Anwendung, indem der Zuschauer zum zynischen Sympathisanten des Mörders wird. So ist der Mann mit der Maske der Anti-Held, der das Publikum auf seiner Seite haben sollte – wenigstens das hat Regisseur Patrick Lussier verstanden zu haben. Als Stimmungsmacher kann „My Bloody Valentine“, der mit dem Original übrigens nur wenig gemein hat, durchaus überzeugen und wird nicht zuletzt aufgrund seiner ausladenden Brutalität Freunde finden. Der zunächst hohe Unterhaltungswert bekommt allerdings einen Dämpfer, wenn mit voran schreitender Laufzeit die manchmal arg vorhersehbaren Effekte ihren Reiz verlieren.

Im Kino selbst herrschte ausgelassene Stimmung, der Film kam an beim überwiegend 16-jährigen Publikum – da wurde gejohlt, geschrien, lauthals gelacht und jeder Mord abgefeiert. Was sich bei anderen Kinobesuchen fatal auswirken würde auf den Filmgenuss, unterstrich hier den Party-Charakter des Films, der genau so locker aufgenommen werden sollte. Ich war jedenfalls heilfroh meinen schon leicht überforderten Augen etwas Ruhe zu gönnen und war nach der Vorstellung dankbar, die Brille abnehmen zu können. Etwas konfus musste ich zwischen neuer Kinoerfahrung und Erinnerungen an meinen früheren Filmkonsum den gerade gesehenen Film einordnen, was mich leider zu einem enttäuschenden Ergebnis führt, der Funke zwischen mir und dem Slasherfilm scheint erloschen. Aber Hauptsache die Kids hatten Spaß...

04/10

My bloody Valentine 3D


Die kleine Stadt Harmony liegt in Pennsylvania und ist eine typische Bergbaugemeinschaft. So gut wie jeder ausgewachsene männliche Bewohner von Harmony arbeitet unter Tage. Eines Tages gibt es ein Minenunglück in Tunnel 5, bei dem es nur einen Überlebenden gibt: Harry Warden (Richard John Walters). Dieser liegt seit jenem Tag im Koma. Am Valentinstag einige Jahre später erwacht er aus seinem Koma und läuft aus ungeklärten Gründen Amok. Diese Tat wird später als das „Valentinstag Massaker“ bekannt. Harrys Markenzeichen sind mit Blut an die Wand gemalte und aus dem Körper entfernte Herzen, seine schwarzen Arbeitsklamotten aus der Mine, natürlich mit Sauerstoffmaske, Spitzhacke und seinem Helm mit Stirnlampe. Er bringt insgesamt 22 Menschen um, so auch einige Teens, die gerade in Tunnel 5 eine Party feiern. Mitten unter dem feiernden Volk sind auch Tom (Jensen Ackles), Sarah (Jaime King), Axel (Kerr Smith) und Irene (Betsy Rue), die dem Massaker nur knapp entkommen können. Nachdem die örtlichen Sheriffs Harry in die Mine getrieben haben verschwindet Tom aus der Stadt. Zehn Jahre nach dem „Valentinstag Massaker“ kehrt Tom in seine Heimatstadt zurück. Er ist mittlerweile der Besitzer der Mine und will sie nun verkaufen. Doch kaum ist Tom wieder in der Stadt, taucht Harry Warden wieder auf und das Morden beginnt von neuem. Oder ist es vielleicht doch nur ein Nachahmungstäter?


Die Story des Films ist genauso irrsinnig wie ihre Auflösung. Insofern versucht „My bloody Valentine 3D“ gar nicht erst, dem Zuschauer etwas seriöses vorzuheucheln. Das “Geheimnis“ Killers bleibt bis zum Schluss unverraten, ist jedoch, nachdem es einmal preisgegeben wurde, ziemlich enttäuschend, da der erste Verdacht auf die Identität des Killers leider bestätigt wird. !!!Spoiler!!!

Ich persönlich hätte den alten Harry Warden aus seinem Grab auferstehen lassen. Vor allem aber, da der Tod von Harry in der Mitte des Films grundlos eingeführt wurde. Dies hätte den Film zwar auch nicht zu einem Meisterwerk gemacht, wäre aber wenigstens den Slasher-Fans aus den alten Jason und Michael Myers Zeiten gegenüber etwas versöhnlicher.



Es ist schon eine unglaubwürdig konstruierte Story, die „My bloody Valentine 3D“ dem Zuschauer vorsetzt. Die Handlungsmotive der Figuren sind, bis auf ein paar Ausnahmen, überhaupt nicht nachvollziehbar und es wird in aller Slasher-Manier auf die tiefe Charakterzeichnung verzichtet. Der letzte Punkt ist aber auch irgendwie überflüssig gewesen, da viele Charaktere direkt massakriert werden, kurz nachdem sie eingeführt worden sind. Ich persönlich glaube allerdings, dass „My bloody Valentine 3D“ hauptsächlich zur Vorführung der Real D Technik dient und dadurch an anderen Stellen, wie zum Beispiel bei der Story, vernachlässigt wurde. Das es der erste R-Rated Film in der Real D Technik ist würde auch dafür sprechen.

Die Regie bei diesem konstruierten Unsinn hatte Patrick Lussier, der auch schon für so grauenhaft schlechte Filme wie „Wes Cravens Dracula“ Teil 1 bis 3 oder „White Noise 2“ verantwortlich ist. Für die 3 Dracula Teile hat er soger am Drehbuch mitgeschrieben.

Die Schauspielerische Leistung ist für diese Verhältnisse sogar ganz in Ordnung. Es ist aber auch nicht so, dass ihnen für „My bloody Valentine 3D“ allzu viel abverlangt worden wäre. Die meisten der Mimen haben auch regelmäßig Erfahrungen im Serienbereich machen können. So hat Jensen Ackles in „Smallville“ bereits für eine Staffel den Jason Teague gespielt, dessen zwielichtiger Charakter dem von Tom Hanniger schon sehr ähnlich ist. Sieht man sich die Vorerfahrungen der Darsteller mal an, dann könnte man sogar denken, dass sie absichtlich nur halbherzig gespielt haben, so wie zum Beispiel Kerr Smith. Freunde der sympatischen Teenieserie „Dawsons Creek“ wissen ja bereits, dass Kerr Smith überzeugend Emotionen vermitteln kann, was ihm hier jedoch überhaupt nicht gelingt. Aber nicht nur Jensen Ackles und Kerr Smith haben ihre Erfahrungen in Serien gemacht. Eifrige „Lost“ Zuschauer kennen Kevin Tighe, der hier den Ben Foley spielt, als den leiblichen Vater von John Locke und Betsy Rue hatte unter Anderem schon einige Gastauftritte in Serien wie etwa NCIS, CSI, True Blood, Immer wieder Jim, Ehe ist... und How I met your mother. Jaime King könnte man aus „Gary Unmarried“ wiedererkennen. Falls nicht, dann kann man sie wenigstens in „Sin City“ sehen, wo sie die Goldie bzw. Wendy verkörperte.


Die 3D Effekte des Films sind sehr gut geworden. So fliegen dem Zuschauer nicht selten Blut, Knochen und andere Gegenstände um die Ohren. In einer Einstellung steht sogar Kevin Tighe frontal vor der Kamera und zielt mit seiner Schrotflinte quer durch das Kino. Dies hat den Effekt, dass jeder Kinobesucher in die Gewehrmündung blicken kann. An solchen Szenen merkt man deutlich, was für einen Sprung die 3D Filmtechnik in den letzten Dekaden gemacht hat.



Fazit: „My bloody Valentine 3D“ scheut das Blutvergießen nicht. Auf dem ganzen Blut schlittere ich, zusätzlich geblendet von den atemberaubenden 3D-Effekten, die Punkteleiter hoch bis ich von der Story ganz unsanft bei 4 Punkten gestoppt werde. Noch wohlwollende 4 von 10 Punkten!