Donnerstag, 3. September 2009

Meine Top 20 seit 1992

Vergesst die Auswahl von Quentin Tarantino, der seine Vorliebe für abseitiges Kino wohl ziemlich außen vor gelassen hat, als er neulich seine Favoriten seit 1992 zusammen stellte. "Battle Royale" als besten Film der letzten 17 Jahre? "The Matrix" überhaupt in den Top 20 und ehemalige Nummer 1? Als einzige handfeste Überraschung den dumm-primitiven "Friday" mit Ice Cube? Was ist nur los mit QT, der doch sonst ein so sicheres Händchen für Geheimtipps hat? Vielleicht ist es am Ende pure Berechnung, eine so konventionelle Auswahl zu treffen?

Hier meine eigene Auswahl, allerdings auf das amerikanische Kino beschränkt - eine umfangreichere Liste wäre mir im Augenblick zu mühevoll und aufwendig, vor allem, weil die nicht so lieblos sein sollte wie jene von QT. Übrigens habe ich "Speed" nach reiflicher Überlegung doch aufgenommen, was aber die einzige Inspiration bleibt, die ich Tarantinos Liste entnahm. Von jedem Regisseur darf bei mir übrigens nur jeweils ein Film auf die Liste. Ansonsten übernehme ich die Struktur der Liste, indem ich einen Spitzentreiter als Lieblingsfilm heraus hebe und die restlichen Filme ohne Platzierungen aufliste. Viele Überraschungen habe aber auch ich nicht in petto aber dafür noch ein paar Sonderfälle berücksichtigt... ;)

Numero uno:

Harry außer sich (Woody Allen, 1997)


Der Rest:

Adaption (Spike Jonze, 2002)
Auf engstem Raum (Spike Lee, 1996)
Basic Instinct (Paul Verhoeven, 1992)
Before Sunrise (Richard Linklater, 1995)
Big Fish (Tim Burton, 2003)
The Big Lebowski (Joel & Ethan Coen, 1998)
Boogie Nights (Paul Thomas Anderson)
Brokeback Mountain (Ang Lee, 2005)
Broken Flowers (Jim Jarmusch, 2005)
Delirious (Tom DiCillo, 2006)
Dem Himmel so fern (Todd Haynes, 2002)
Fight Club (David Fincher, 1999)
Inglorious Basterds (Quentin Tarantino, 2009)
Kids (Larry Clark, 1995)
Kleine Sünden unter Brüdern (Edward Burns, 1995)
Lake of Fire (Tony Kaye, 2006)
Menace II Society (The Hughes Brothers, 1993)
Speed (Jan de Bont, 1994)
Terror Firmer (Lloyd Kaufman, 1999)

Knapp daneben, sollen aber trotzdem nicht unerwähnt bleiben:

Cold Blooded (Wallace Wolodarsky, 1995)
Happiness (Todd Solondz, 1998)
Jerry Maguire (Cameron Crowe, 1996)
Verrückt nach Mary (Peter & Bobby Farrelly)

Außer Konkurrenz:

Die besten amerikanischen Pornofilme der letzten 17 Jahre

The Fashionistas (John Stagliano, 2002)
Klimaxx (Kris Kramski, 1997)
Misty Beethoven: The Musical (Veronica Hart, 2004)
Neu Wave Hookers (Eon McKai, 2006)
New Wave Hookers 5 (Michael Ninn, 1997)
Paris Chic (Andrew Blake, 1997)
Space Nuts (Jonathan Morgan, 2003)
Zazel - der Duft der Liebe (Philip Mond, 1997)

Mein liebster amerikanischer Animations-Kurzfilm seit 1992

The Fan and The Flower (Bill Plympton, 2005)

Hier Tarantinos dürftig begründete Aufzählung:



Meinen Dank an die Kollegen von The Gaffer, die mich erst auf das Video aufmerksam machten.

Kommentare:

  1. Sehr schöne Liste, auch wenn ich mit einigen so meine Probleme habe. Kids z.B. halte ich für einen sehr mutigen Film, der mir aber die Jugend zu negativ und destruktiv darstellt, ohne sich wirklich um ihre Probleme kümmern zu wollen. Ist mir irgendwie zu exploitativ. Menace II Society zeigt wie es besser geht. Großartiger Film in meinen Augen, ist aber auch schon lange her, daß ich den gesehen habe. Speed, na klar, der war seiner Zeit sensationell und dürfte seinen festen Platz im Actionkino einnehmen. Klasse. Fight Club, The Big Lebowski, Boogie Nights, klar wäre ein Witz würden sie in irgendeiner Top Liste nicht auftauchen. Mal schauen, vielleicht erstelle ich auch mal eine Liste, obwohl ich dazu eigentlich zu wechselhaft bin. Seit 1992 also. Ich melde mich dann, wenn ich fertig bin.:D

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  2. Mach das, ich bin gespannt... :)

    Zu deinen Anmerkungen:
    "Kids" halte ich nicht nur für mutig sondern auch für zärtlich und einfühlsam. Das Ende bereitet mir bei jeder Sichtung ein derartiges Unbehagen, wie kaum ein anderer Film es schafft. Und die Jugend ist nun einmal destruktiv. ;) Im ernst, Larry Clark behauptet in seinem Film ja nicht, das alle Jugendlichen einen solchen Lebensstil pflegen. Es ist das gleiche Problem wie bei Woody Allen: Ihm wirft man immer wieder vor, er würde New York idealisieren. Kann man ja auch nicht abstreiten aber warum muss Allen ein new York voller Kriminalität und sozialer Missstände zeichnen? Erstens gibt es dafür andere Filmemacher und zweitens existiert die von Allen gezeigte, intellektuelle Mittel- bis Oberschicht Manhattans ebenso wie die Schattenseiten der Metropole. Genau so verhält es sich mit Larry Clark: Die von ihm abgebildete Realität existiert, auch wenn es nur eine von vielen Welten ist. Da diese ja weitgehend voneinander getrennt funktionieren, mag ich auch die Einschränkung, die "Kids" vornimmt.

    Und "Menace II Society" wird auch ein exploitativer Umgang mit seinem Thema vorgeworfen. Ähnlich wie "Kids" ist er auch ein wenig resignativ geraten und bleibt ebenfalls durchweg negativ...

    "Speed" mag ich gar nicht so sehr aber nach einigen Überlegungen halte ich ihn für den wichtigsten und besten Genrefilm seiner Dekade...

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  3. Ja, deine Argumente zu Kids lasse ich gelten, kein Thema, dennoch schwierig in meinen Augen, da er nur zusieht, jedenfalls was die männliche Seite seines Films betrifft. Zu Speed kann ich nur sagen, daß er damals im Kino mit seinen neuen Helden unwahrscheinlich befreiend wirkte. Das war wirklich was neues, keine Cops, die einen Drogenboss ausheben, usw...:D

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  4. Mir fehlt da ein Lynch in der Liste, ansonsten sind da sehr viele sehr schöne Titel drin. Die Nummer 1 habe ich aber leider noch nicht gesehen.

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  5. @C.H.:

    Ja, Lynch habe ich vergessen. War aber auch eine schwere Wahl, irgendwen wichtigen musste ich ja vergessen.

    Am ehesten drauf kommen würden "Lost Highway" und "Mulholland Drive", haben jedenfalls beide von mir die Höchstwertung sicher...

    @tumulder:
    Naja, was soll ein Film wie "Kids" anderes tun als zusehen - mir gefällt gerade die ohnmächtige Verzweiflung, die aus dieser nüchtern beobachtenden Haltung spricht.

    Und "Speed" war wirklich eine Revolution. Sowohl - wie du schon richtig schreibst - auf die Figurenzeichnung und die Besetzung bezogen (vorbei die Zeit der coolen Muskelmänner) als auch auf die völlige Konzentration auf Tempo. Schon eine Art Wendepunkt im Actionfilm...

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  6. Jetzt hast du's also wahrgemacht.
    Auch wenn mich deine No. 1 nicht wirklich überrascht, hätte ich mir so eine Liste von Tarantino gewünscht. Eben eine gesunde Mischung aus bekannten und unbekannten Sachen. Weder von Terror Firmer, noch von Lake of Fire hab' ich vorher überhaupt gehört. Nur die Lobpreisungen von Speed kann ich nicht nachvollziehe. Das war für mich nie mehr als Die Hard on a Bus. Ausschließlich die Anwesenheit der Bullock hebt ihn für mich aus dem Actioneinheitsbrei heraus.

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  7. Es hat einfach in den Fingern gejuckt... ;)

    "Deconstructing Harry" hatte ich ja schon an anderer Stelle als Lieblingsfilm bezeichnet.

    "Terror Firmer" ist eine sehr spezielle Sache und soll keineswegs eine allgemeingültige Empfehlung sein. Ist halt ein Troma-Film, Genuss auf eigene Gefahr. Für mich aber die legitime Neuerfindung des Splatter/Trash-Genres, die Lloyd Kaufman als einzig wahren Erben des Kinos von John Waters auszeichnet.

    Das "Lake of Fire" aber so dermaßen untergegangen ist, wundert mich. Musste mir extra eine Code1-DVD importieren lassen, auch wenn ebay den Film öfter mal preisgünstig anbietet. Imo die wohl intensivste und eindringlichste Dokumentation der letzten Jahre. Ein Witz, das die Academy den nicht einmal nominiert hat und stattdessen "Die Reise der Pinguine" oder "Eine unbequeme Wahrheit" auszeichnet.

    Wahlweise kann man auf meiner Liste auch "Speed" durch "Face/Off" austauschen. Die beiden besten amerikanischen Actionfilme ihrer Dekade, wie ich finde...

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  8. Ok, bei Face/Off stimme ich zu. Der wäre mind. in meiner Top 15. Einer der wenigen Woo-Filme, an dem mich nix stört.

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  9. Neben "The Killer" auch für mich der einzige Woo-Film, der mir wirklich gut gefällt.

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  10. Und was ist mit den beiden "A Better Tomorrow"-Teilen? Denen hast du immerhin 8 bzw. 7 Punkte gegeben.

    Deine Top 20 Liste finde ich soweit ganz in Ordnung. "Speed" und "Brokeback Mountain" würden bei mir definitiv nicht auftauchen, auch wenn das sehr gute Filme sind.
    Schön ist auf jeden Fall, dass "The Big Lebowski" dabei ist. Der ist einfach göttlich! :)

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  11. @Kwijibo:

    Ja, die mag ich auch ganz gern. "The Killer" hat bei mir aber 10 Punkte und "Face/Off" ist da nahe dran.

    "The Big Lebowski" war Pflicht, noch vor "Fargo", "Barton Fink" und "No Country for old Men" mein liebster Coen...

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  12. "The Big Lebowski" war Pflicht, noch vor "Fargo", "Barton Fink" und "No Country for old Men" mein liebster Coen..."

    Sehe ich exakt genauso. :)

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  13. Hast du zufaellig MR. JEALOUSY (1997) von Noah Baumbach gesehen? So wie ich deinen Geschmack kenne, sollte dieser leicht Alleneske Film dich sehr ansprechen.

    Ansonsten finde ich die Liste auch sehr und stimme bei den genannten Filmen, die ich kenne (KIDS und MENACE II SOCIETE z. B. sind mir noch unbekannt - und scheinen mir persoenlich auch suspekt) weitgehend zu. Schoen, BROKEBACK MOUNTAIN und FAR FROM HEAVEN (den ich als Sirk-Junkie unbedingt endlich sehen muss) mal auf einer Hetero-Liste zu sehen.^^

    Ueber INGLORIOUS BASTERDS muessen wir dann bei Gelegenheit am Telefon nochmal ein wenig plaudern - dein Instant-Ueber-Enthusiasmus (und die Selbstsicherheit, ihn schon jetzt auf so eine Liste zu setzen) ist mir ja doch ein wenig unbegreiflich. Bei mir hat es zwei Sichtungen und tagelange Reflektionen gebraucht, bis sich die echte Begeisterung ueber die Verwirrung gelegt hat;-).

    PS: Warum eigentlich nur amerikanische Filme?!

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